Liebe auf den ersten Blick

Heimat am Ende der Welt

Fotos: Heike Würpel

Diese Welt kennt so wunderschöne Ecken, aber das hier trifft mich mitten in die Seele. Ein Ort, an dem die Extreme aufeinanderprallen, wie nirgendwo sonst auf dieser Erde. Natur, in ihrer ungeschliffenen, wildesten Form. Die sanftesten Menschen, die ich kenne. Westliche Zivilisation in voller Wucht. Und Jägertradition, die in einem Wimpernschlag in sich zusammensinkt, als hätte sie niemals existiert.

 

Wandel - radikal. So radikal, das die Menschen keine Chance haben, wirklich Schritt zu halten. Sie bleiben auf der Strecke. Sichtbar. Ungeschminkt und so direkt, das es im Innersten trifft und schmerzt. So ist es auch bei den amerikanischen Ureinwohnern gelaufen. So läuft es bei den Aborigines. So geht es jedem Naturvolk, das mit der "modernen Welt" in Kontakt kommt. Es wirkt so brutal, so kompromisslos und so grausam, das jedes Gemetzel dagegen wie ein leichtes Wiegenlied daherkommt.

 

Hier wird die Psyche von Menschen vergiftet. Subtil und dafür umso zerstörerischer. Sie haben niemals gelernt, sich zu wehren. Sie haben niemals gelernt, sich gegen menschliche Schliche zu verteidigen. Sie haben niemals Kriege geführt. Sie haben nur überlebt. Darin waren sie Meister - die Ivi. Doch jetzt ist ihre Weisheit am Ende. Weil ihr Wissen scheinbar überflüssig geworden ist. Weil ihre Lebensart überflüssig gemacht wird. Weil ihr Stolz und ihr Selbstbewußtsein damit in die Gosse geschoben wird. Was bleibt übrig, als Bittsteller und Almosenempfänger zu werden? Was bleibt übrig von der Ehrfurcht, die jeder empfinden sollte, wenn er auf Menschen trifft, die hier Jahrhunderte und Jahrtausende überlebt habe. In der unwirtlichsten Gegend unserer Erde. In einer Umwelt, die absolut unverzeihlich ist. 

 

Ich spüre nur Hochachtung und Schmerz, wenn ich sie heute sehe. Ratlos. Hoffnungslos. Vom Alkohol zersetzt. Werden sie es schaffen, durch diesen Sturm zu segeln? Wird die Selbstmordrate einem neuen Leben weichen? Finden sie eine Lösung für das immense Problem der Müllberge? Schaffen sie es, ihre Tradition im Herzen zu bewahren. Können sie einen neuen, eigenen Weg zu sich selbst kreieren? Bleiben sie auf irgendeine Art und Weise sich selbst treu und können trotzdem mit dem Rest der Menschheit im Kontakt bleiben? Es ist ein Kampf auf Leben und Tod. Im Augenblick geht es steil nach unten.

 

Aber irgendwie habe ich Vertrauen. Ich habe Hoffnung. Nicht nur, weil das das Rote Haus steht und lebendiger Treffpunkt und Lernort ist. Nicht nur, weil ich die Fortschritte sehe, auch wenn sie noch so "mini" sein mögen. Nicht nur, weil das Lächeln weiterhin auf den Gesichtern der Menschen lebt. Nicht nur, weil die Gemeinschaft der Ivi lebendig ist. Ich habe Vertrauen ins Leben selbst. Ich glaube, es gibt einen Weg. Überall. Immer. 

(Mehr zu den Menschen und meinen Erlebnissen findest du in meinen Tagebuchaufzeichnungen vom Juli 2018)

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