Er-Wachsen

Abschied vom Vater-Tochter Kuddelmuddel

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Ade Kindheit. Seelische Kindheit. Hallo Erwachsensein. Das bringt die Entwicklung der letzten hochintensiven Tage auf den Punkt. Meine Seele ist ihrem Programm gefolgt. Unbeirrt. Schritt für Schritt. Und mit einem Mal ist die Klarheit da, als hätte ich einen Lichtschalter angeknipst. Das, was bisher so sehr verwoben war, das ich durch diesen gordischen Knoten nicht mehr durchgeblickt habe, ist gelöst. Einfach so. 

 

Worum ging es? Um das, was das Tantra-Seminar in mir ausgelöst hat. Eine ganze Kaskade an Entwicklungen, die alle ins selbst Ziel münden. Unabhängigkeit. Freiheit und Ordnung in Liebesbeziehungen. In meinen Verhältnis zu Männern. Da, wo meine Unterscheidungsfähigkeiten und Bauchgefühle mich scheinbar nur in Sackgassen rennen ließen. Und irgendwie nichts so richtig vorwärts ging. Eher zurück. Oder im Kreis. Ermüdend. Endlos. 

 

Am Ende dieser Tage, in denen ich mir endlich mal wirklich die Zeit mit und für mich genommen habe, fällt alles an seinen richtigen Platz. 

 

Meine Männersuche bisher war nicht die Suche nach einem gleichrangigen Mann. Es war die Suche nach einem Vater, der mir die Liebe schenkt - emotional, spirituell, fühlbar - die mir mein Vater nie geben konnte. Eine Liebe, die ich immer schmerzlichst vermisst habe.

 

Ich habe mir neue Väter gesucht. Väter, die die Facetten verkörpert habe, die mir fehlten. Die mir die Bestätigung gaben, die ich brauchte, um weiter zu gehen. Die mich unterstützt haben, ganz klar und eindeutig und mir damit den Wind unter meinen eigenen Flügeln gaben. Jede Beziehung war davon geprägt. In jeder haben sich noch dazu Vater und Männerebene vermischt. War Sexualität in eine Verbindung gesickert, wo sie eigentlich nichts zu suchen hatte. Nicht zuletzt, weil natürlich nicht nur ich meine Wunden zu heilen versuchte sondern die Männer auch. Jeder von uns hatte seine tiefen Verletzungen und war nun auf der Suche nach einem Weg heraus. Jeder spielte auf irgendeiner Ebene Eltern- und/oder Kindesrollen und reiste von und durch Bedürftigkeiten.

 

Ja, da waren auch die Ahnungen in mir. Die Stimmen, die mir immer wieder sagten, das irgend etwas nicht stimmt. Bis jetzt jedoch war ich nicht in der Lage, klar zu unterscheiden oder zu verstehen, in welcher Rolle ich tasächlich steckte.

 

Etwas in diesen letzten Tagen hat mir den Mut gegeben hinzuschauen. Wirklich hinzuschauen. Und etwas hat den Schleier gelüftet, den ich mir immer vor die Augen gezogen habe. Etwas in mir war bereit. Mit vielen kleinen Schritten und Vorbereitungen, die ich nicht benennen könnte. Ich weiß nur, das mitten in einem Prozess, der etwas ganz Anderem galt, plötzlich jede Ebene klar wurde. Das sich das gesamte Bild vor mir zeigte, als wäre das letzte fehlende Puzzlestück an seinen Platz gefallen. 

 

Plötzlich wußte ich, das ich nicht meine Männer vor mir hatte, sondern Väter. Wundervolle Väter, die mir ganz viel gegeben haben. Und, ich wußte auch, das ich jetzt satt bin von ihrer Liebe. Einfach satt. Ich habe aufgetankt. Die Löcher sind geheilt. Es gibt sie nicht mehr. Die Liebe, ihre Liebe, ist für mich jetzt so stark spürbar, das sie mich wie ein warmer Mantel einhüllt und mir immer, immer Wärme spenden wird. Egal, wohin ich auch gehe im Leben. 

 

Ich wußte auch, das meine Zeit als Tochter vorbei ist. Egal in welchem Rahmen, egal in welchem Zusammenhang. 

 

Mein Weg führt mich zum Horizont. Und weit darüber hinaus. Es ist mein Weg. Einer, bei dem ich allen Wind im Rücken habe, den ich mir jemals hätte wünschen können. Mein Herz lacht, frei und leicht. Die Abenteuerlust erwacht wieder. Pur. Unverfälscht.

 

Und jeder Impuls nach einem weiteren Tantra-Seminar oder jedem anderen Setting, in dem mich eine "Vaterfigur" führen möchte, hat sich erübrigt. Auch diese Sehnsucht nach dem "geführt werden" ist verschwunden. Der Wunsch nach der starken Schulter zum Anlehnen. Dieses Bedürfnis die Verantwortung für mich abzugeben. Alles weg. Aufgelöst. Ich möchte gehen. Endlich möchte ich wirklich gehen. Voraus. Dort, wo die Sterne leuchten und der Himmel unendlich ist.

 

Nein, kein Bodensee-Tantra an Silvester. Ich habe storniert. Die Zeit der Väter ist vorbei. Die der Töchter auch. Auf geht's! Fliegen!

 

 

 

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