Eine Kerze zum 1. Advent

Am Ende wird alles gut

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Gestern Abend ist es passiert. Absturz. Eine Reise in die tiefste Schwärze. In den Schmerz. Dagegen waren die vielen Tsunamiwellen der letzten Monate fast ein Klacks. Nein, das hier war der Höhepunkt, die heftigste Verletzung. Jeder Augenblick davor hat mich hierher geführt. Um wieder zu fühlen, was einmal geschehen ist. Um dieses verwundete Herz wieder zu fühlen. Diese offene Wunde, in die soviele Speerspitzen eingesunken sind. In all den Leben, die ich auf dieser Erde zu diesem Thema gelebt habe. 

 

Ich bin in atemlosen Augenblicken durch die Szenen meiner Vergangenheit gereist. Doch diesmal mit der vollen Wucht der damit verbundenen Gefühle. Mit der ungefederten Gewalt, die mich damals ohne Schutz vollkommen zerrissen hätte. Wie ein Monster, dem die Fleischfetzen meines Wesens aus dem offenen Maul fliegen. Ich habe die Verzweiflung gefühlt, abgrundtiefe Hoffnungslosigkeit, bodenloses Nichts. Weil jeder Funken des Lichts gegangen war. Jeder Glauben erwürgt. Jedes Stückchen Zuversicht zertreten. Weil mir die Welt, die Menschen, Freunde, Geliebte zu allen Zeiten immer wieder gezeigt haben, das meine Liebe nichts für sie wert ist. Das es immer etwas gibt, was sie für wichtiger halten. Für wertvoller. Etwas, das sie mir vorziehen. Unverblümt. Ungeschminkt. Mal nett verpackt, aber immer genauso tödlich. Ich habe Verrat erlebt. In allen Facetten. In allen Leben. 

 

Mal landete ich in Folterkammern, mal auf dem Scheiterhaufen. Mal blieb ich einsam und allein, ausgestoßen aus der Gesellschaft, zum Sterben oder Dahinvegetierten verurteilt; mal wurde mir nur die Tür vor der Nase zugemacht. Die leichteren Formen sind in diesem Leben dran. Wenn Menschen keine Zeit für mich haben, weil da gerade eine neue Liebe winkt. Wenn mir Freundschaften gekündigt werden. Wenn mir jemand sagt, das er nur aus Mitleid mit mir zusammen ist. 

 

Immer haben diese Erlebnisse an dieser tiefsten Wunde gerührt. In den ganzen letzten Jahren habe ich sie Stück für Stück zulassen und fühlen gelernt, ohne dabei umzukommen. Das hier ist wie der tiefste Kelchboden. Der Scheitelpunkt des Grabens. Weiter runter geht es nicht. 

 

Und genau da, mitten in der Dunkelheit, da ist mein Licht. Genau da finde ich es. Genau da leuchtet es. Leise. Still. Aber unbeirrt. Es wärmt mich. Es flüstert mir zu. Es bestätigt etwas, was ich eigentlich nie vergessen habe. Das ich geliebt werde. Das ich Liebe bin. Und das diese Liebe stärker ist, als alles, was von Außen auf mich einprasselt. Es ist eine Liebe, die nicht laut dröhnend durch die Straßen zieht, mit Riesenplakaten, die verkündet, wie toll sie ist. Es ist eine Liebe, die keine Propaganda und keine Beifallsbekundungen braucht. Es ist eine Liebe, die einfach so vor sich hin atmet. Selbstverständlich. Natürlich. Sie ist meine Haut und mein Leben. Sie ist ich. Keine Trennung. Keine Pause. Keine Unterbrechung. Sie ist immer da. In jedem Moment meines Seins. Weil ich immer da bin. 

 

Ich habe eine Kerze angezündet. Heute. Auf meinem Altar. Hier vor meinem Fenster. Ich schaue darauf, während ich jetzt schreibe. Ich sehe das Licht. Es ist ein Spiegel meines Herzens. 

 

Dort, wo der Glauben wieder zu Hause ist. Dort, wo ich diese Welt, die Menschen, die Freunde, die Geliebten wieder anschauen kann und fühlen. Wo ich wieder lieben kann, jenseits aller Vergangenheiten und Gegenwarten. Jenseits von Katastrophen, Zerstörungen und Gedankenlosigkeit. Weil ich hinter die Vorhänge schaue, in denen sie sich versteckt haben. Weil ich verstehe, warum sie handeln, wie sie handeln. Weil mir klar wird, das es mit mir und meinem Wesen eigentlich nichts zu tun hat. Ich bin ein Auslöser. Ja. Ich bin ein Katalysator. Ja. Ich rühre mit meiner Liebe etwas in ihnen an, das sie vielleicht jetzt nicht sehen wollen. Ja, auch das kann gut sein. Aber es ist keine Wertung über mich. Es ist keine Aussage über mein Wesen. Nur über ihres.

 

Ihre Abwehr ist kein Grund, mich zu demontieren. Der Zustand der Welt ist kein Grund zu Verzweifeln. Nichts von dem, was um mich herum geschieht ist ein Grund, mich abzuwenden. Im Gegenteil. Es ist nur ein Grund, mich jeden Augenblick darauf zu besinnen, wer ich bin. Und es zu leben. Immer.

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