Inselleben

Die Kunst der Liebe inmitten der Angst

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Mir war nicht wirklich bewußt, wie negativ die Energien sind, die mir in meinem ganzen Leben immer wieder begegnet sind. Mir war auch nicht bewußt, wie groß ihr Einfluss tatsächlich sein kann, wenn man nicht versteht, das sie tatsächlich existieren. 

 

Es ist nicht nur die Ausstrahlung von Menschen, die ihr Leben in purer Angst, im Sich Sorgen, in Negativität, Kratzbürstigkeit, Zynismus und Wut verbringen. Es ist auch die Ausstrahlung derjenigen, die jeden Tag glauben, nur dann überleben zu können, wenn sie ihr eigenes Wesen auf den Müllhaufen werfen. 

 

In diesen Tagen wird mir das ganze Ausmaß der Wirkung von Hoffnungslosigkeit, Abgestumpftheit, Hetze, Streß und Sorge um das eigene Wohlergehen deutlich. Die Angst hat uns Menschen eine Welt erschaffen lassen, die der Hölle den Rang abläuft. Je nachdem, an welchem Ende des Globus man sich befindet, ist sie mal erträglicher, mal atemraubender. Doch immer gleich zerstörerisch. 

 

Und es wird jeden einzelnen Tag verrückter. Wie in einem unendlichen Perpetum Mobile treten die Menschen um mich herum in den Hamsterrädern. Die Zeit, sich wirklich noch einem anderen Wesen voll und ganz zuzuwenden, schwindet. Die Aufnahmefähigkeit für mehr als den essentiellen Alltag ist bei fast Null angekommen. Nachlässigkeit macht sich breit. Unaufmerksamkeit. Es ist kein Raum mehr für mehr als das, was wirklich jetzt und hier vor der eigenen Nase baumelt. 

 

Inmitten dieses Szenarios eine Insel zu erschaffen, die aus Liebe gewebt ist, gleicht einer Herkulesaufgabe. Ich bin die ganze Zeit schon dran, aber mir war nicht klar, welchen Geistern ich da eigentlich gegenüberstehe. Es macht mich nicht ängstlich, aber es rückt die Schwierigkeiten, die Rückschläge und die Berge, die ich da täglich überklettere ins rechte Licht. Von wegen Mount Everest. In dieser Welt mit einem tiefen Lächeln und einem echten zufriedenen Glücksgefühl durch autohupenzerissene Stadtschluchten zu wandeln ist eine sehr viel größere und in meinen Augen auch sinnvollere Aufgabe, als den höchsten Gipfel der Welt auf dem Rücken von Sherpas zu besteigen.

 

Meine Insel ist Liebe. Sehr schlicht. Sehr einfach. Nicht mehr. Ein kleiner Funken. Ein kleines Licht. Ein wundervolles Licht. Sanft und sacht. Warm und friedlich. Ich habe sehr viel Lust auf andere Inseln. Ich weiß, es gibt sie. Und doch muss am Ende jeder selbst eine solche Insel bilden, egal, wie kopfstehend die Welt um ihn herum auch sein mag. Egal wieviel Widerstand oder haarsträubende Energien ihm auch entgegen drängen mögen. Es ist der einzige Weg, den ich wirklich sehe. Mut. Standhaftigkeit. Beharrlichkeit. Liebe. 

 

Von dieser Insel aus, in der ich mich selbst wirklich liebe, kann etwas ausstrahlen. Und alle diese Lichter von allen diesen Inseln, die schon exitstieren oder die entstehen, sie können sich verbinden.

 

Aber ich kann nicht die Welt erhellen. Auch das habe ich lange genug versucht. Das Einzige, was ich damit wirklich erreiche, ist Widerstand. Nein. Ich strahle einfach. Ich erzähle von mir. Und ich benenne das beim Namen, was ich sehe. So, wie meine Insel. So wie die Welt, die um mich herum tobt. Das ist alles. 

 

Ist das genug. Ja, es ist genug. Für mich ist es genug. Es macht keine Schlagzeilen, es steht auf keiner Bühne, es kommt in keiner Fernsehshow und den Nachrichten ist es herzlich egal. Es ist etwas, das still geschieht. Ohne Trommelwirbel und Jubelrufe. Das macht es noch schwerer. Denn ich muss mich täglich selbst motivieren. Da ist niemand, der mir die Hand schüttelt oder auf die Schulter klopft. 

 

Doch ich kann fühlen, was in mir geschieht. Ich spüre den Wandel, das Aufatmen, das Frei werden und das Glücksgefühl, das sich mehr und mehr ausbreitet. Das ist meine Belohnung. 

 

Ich liebe mein Inselleben, jeden Tag ein bisschen mehr. Es ist wundervoll, den Tag so einzuteilen, wie ich es möchte. Zu Wandern, draußen zu sein, die Natur zu fühlen, den Vögeln zu lauschen. Mit Yoga in den neuen Morgen zu starten, in Ruhe zu kochen. Zu schreiben, wann mir der Sinn danach steht und mein Geld mit meist entspannten fröhlichen Urlaubsmenschen an den schönsten Enden der Welt zu verbringen. Ich habe ein tolles Leben. Und würde mit Niemandem tauschen wollen. 

 

Vielleicht gibt es Menschen, die jetzt neidisch gucken oder mir Egoismus vorwerfen. Das habe ich auch schon erlebt und es hat weh getan. Sehr sogar. Doch langsam verstehe ich, das mein Gefühl die ganze Zeit recht hatte. Es gibt nur einen Weg für die echte Veränderung der Welt. Und der führt über die uneingeschränkte Liebe, Anerkennung und Achtung für uns selbst.

 

Er führt über das "uns wirklich in den Arm nehmen, umsorgen und gern haben, ohne wenn und aber". Nur dann, wenn ich mich mit vollem Herzen ohne jeden Zweifel umarmen kann, kann ich auch jeden anderen Menschen umarmen. Nur über die Liebe zu mir selbst, kann Liebe auf der Erde Fuß fassen. Nur die Liebe kann das, was unsere Angst erschaffen hat, verändern. Alles andere ist eine Schönheitsoperation an der Oberfläche. Mit Gold überpinseltes Chaos. Nett anzuschauen, aber mehr auch nicht. Vor allem nicht, beim tiefer graben. Nein, es geht nur über die Wurzeln. Und die sind unsere echten Gefühle für's Leben, für's Sein, für uns Selbst.

 

Deshalb gibt es meine Insel. Es ist mein Weg.

 

 

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