Greta Thunberg, Klimawandel & Ich

Ein anderes Leben

© Greta Thunbergs Rede vor der Klimakonferenz in Kattowice 2018/ youtube.de

Sie hat Recht. Greta bringt die Dinge auf den Punkt. Ungeschminkt. Ungeschönt. Direkt. Kein Verstecken möglich. Kein Herumeiern. Das, was wir hier tun mit unserem Planeten ist der pure Wahnsinn. Die Kurzsichtigkeit mit der wir leben, als gäbe es kein Morgen spottet jeder Beschreibung. Ich kann sie jeden Tag sehen. Ich kann sie jeden Tag erleben. Ich schüttle jeden Tag den Kopf. 

 

Gerade weil ich soviel auf dieser Erde unterwegs bin, kann mich kein schöner Schein und kein einziges Hochglanzbild mehr foppen. Das Paradies, das wir woanders vermuten, es ist nicht mehr da. Wir sind schon hineingetrampelt, wie eine unsensible Hammelherde in voller Brunftzeit. Überall. Und anstatt, das es besser wird, rollte die Tsunamiwelle ständig stärker weiter. Sich selbst bestätigend. Selbstgerecht. Blind und unendlich egoistisch. 

 

Wie kann ich leben, inmitten dieser Welt? Wie kann ich mein Geld verdienen, inmitten dieser Menschheit? Wie kann ich hier sein, ohne mich zu verbiegen, ohne mich zu verraten und ohne zu zerstören, was ich so sehr liebe? 

 

Es ist ein Monat (noch mehr als alles vorher, seit ich ihre Rede gehört habe) in dem sich diese Frage ständig in mir bewegt. Greta hat mich berührt, aufgerührt und umgerührt. "Fridays for Future" ist für mich nur die Spitze einer Bewegung, die dringend, dringend nötig ist.

 

Doch ist eigentlich irgend jemandem bewußt, das wir alles, wirklich alles auf die Füße stellen müssen, was wir bisher für richtig hielten? Alles, was im Augenblick an einem seidenen Faden auf dem Kopf über einem unergründlichen Abgrund baumelt? Ist irgend jemandem bewußt, das es hier nicht mehr um irgendwelche Schönheitsreparaturen geht sondern einen Wandel, der in unserem tiefsten Innersten beginnt und jedes lieb gewordene Detail unseres Lebens in ein komplett anderes Licht stellen wird? Eine Revolution? Von wegen. Die ist ein klitzekleines Piercing im Vergleich zu dem, was wir vor uns haben. 

 

Es geht tatsächlich um jeden einzelnen Bereich unseres Daseins. Jedes Stück unserer Existenz. Es geht um das Hinterfragen und Verändern jeder einzelnen Vorstellung, die wir vom Leben haben. Alles, was nicht allen gleichermaßen dient. Alles, was gegen jemanden anders gerichtet ist. Alles, was auf einen Vorteil für eine kleine Gruppe oder Einzelne hinausläuft und dabei andere übervorteilt. Alles, was Verantwortung abgibt - unsere Verantwortung für unser Leben und diese Erde. Alles, was aus Angst heraus geschieht. Alles, was die Augen vor den Folgen des eigenen Handelns verschließt - alles das, gehört auf die Müllkippe.

 

Wir müssen uns selbst unter die Lupe nehmen. Unser Leben überprüfen. Ehrlich. Unendlich ehrlich. Gelogen haben wir genug. Wir haben uns selbst angelogen. Uns schöngeredet. Mit Goldlack übersprüht. Doch - der Lack ist ab. Wir wissen es. Jeder weiß es. 

 

Es gibt keinen anderen Weg. Wir haben keine Wahl. Nicht, wenn wir überleben wollen mit und auf dieser Erde. Bisher haben wir davor gescheut, wie ein Pferd vor einem Hindernisparcours. Kollektiv und nicht sehr erfolgreich. Derweil ist das Schiff weiter auf den Eisberg gelaufen. Der Rumpf ist voll... Wir sinken. Und es gibt keine Rettungsboote. Nur - uns selbst.

 

 

 

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