Forschende Schritte

Mein Wandel

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Ich schaue mich selbst an. Ich schaue in den Spiegel. Lebe ich wirklich so, wie es verträglich ist, für diese Welt? Belüge ich mich selbst? Und wenn ja, wo? Und wie kann ich es ändern?

 

Fangen wir mal mit dem Objetivem, Oberflächligem an:

 

Bio-Läden sind mein normaler Einkaufsplatz. Regional, saisonal, bio. Das ist für mich Alltag. Nicht nur, wenn ich in Deutschland bin sondern auch überall sonst auf der Welt, wo immer es möglich ist. Ich esse so gut wie kein Fleisch und möchte es in Zukunft gar nicht mehr tun, es sei denn, mein Körper schreit danach. Im Winter geschieht das immer wieder. Da habe ich im Augenblick noch keine Alternative gefunden. Aber ich möchte sie finden. Und ich werde es. 

 

Kleidung besteht für mich aus Naturfasern. Wolle, allem voran. Es gibt nur relativ wenige Ausnahmen in meiner Garderobe. Doch auch das, was im Moment aus Goretex oder Fleece besteht, werde ich in den nächsten Monaten ersetzen. Alternativen habe ich, zumindest für das Fleece, schon gefunden. Eigentlich ist es erstaunlich, was es alles gibt, wenn ich nur genauer suche. 

 

Ich habe kein Auto, fahre mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrmitteln, wenn ich in Deutschland bin. Oder ich wandere. Schlicht und ergreifend. Nebenbei betrachtet schenkt mir das jede Menge frische Luft, Bewegung und Entschleunigung. Es schenkt auch Achtsamkeit. Ich kann halt nicht mal einfach in fünf Minuten von A nach B düsen. Ich muss überlegen. Und ich brauche Zeit. Lebensqualitätszeit. Es fühlt sich gut an, so ohne Auto.

Aber es gibt auch die Momente, in denen es ohne die vier Räder nicht geht. Bei Vorrecherchen irgendwo in der Welt zum Beispiel. So, wie jetzt in diesem Monat in Schottland. Da komme ich mit Bussen nicht weiter. Ich habe es geprüft, abgewägt. Es funktioniert nicht. Aber ich fahre immerhin mit dem Zug von hier nach Glasgow, bevor der Mietwagen dazukommt. Und ich fahre auch mit dem Zug zurück. Das allein fühlt sich schon super gut an. Diese Entscheidung. Auch wenn sie das Dreifache des Flugpreises kostet und meine Konten mehr als leer sind, im Augenblick. Aber in mir drängt alles danach, anzufangen mit dem Wandel. Also - jetzt. 

 

Auf der anderen Seite fliege ich. Nicht nur ab und zu. Ständig. Meine Arbeit ist auf der ganzen Welt verteilt. In diesem Jahr - in ganz Europa. Ab jetzt schaue ich zu, das ich, wann immer ich kann, zukünftig mit dem Zug fahre. Das funktioniert erst ab September. Aber es funktioniert. Fast überall. Ich habe das schon einmal durchprobiert vor ca. fünf Jahren. Es war jedoch so umständlich und der Druck, mehr und flexibler unterwegs sein zu können, wurde zu groß. Ich habe nachgegeben.

 

Jetzt kommt diese Initiative zurück. Und ich habe das Gefühl, mich mir selbst damit zurückzuschenken. Weil ich spüre, das genau dieses langsame Reisen das ist, was mir entspricht. Ich mag keine Flughäfen mehr. Ich mag diese Hektik und das Gehetze nicht, das mich dort jedesmal umhaut. Ich muss auch nicht mehr soviel machen, soviel Unterschiedliches, um glücklich zu sein. Ich kann die Vielfalt lieben und trotzdem guten Gewissens reisen. Aber es ist eine völlig andere Art, unterwegs zu sein. Eine mit Muse. Eine, die andere Planung fordert. Touren in Blöcken. Kein wildes Springen von Zielgebiet zu Zielgebiet. Sondern bleiben. Tiefer gehen. Und erst dann weiterziehen. 

 

Ohne Fliegen wird es dennoch nicht gehen für mich. Grönland erreiche ich nicht mit dem Schiff. Auch die Azoren werden nur vom Flugzeug angesteuert. Die ganze Reise ist danach ausgerichtet. Das gleiche gilt für La Réunion. Und es ist für mich keine Lösung, die Inseln und damit auch die Menschen, die mir nahe sind, dort links liegen zu lassen. Aber die Frage ist, wie oft, warum und vor allem, mit welcher Motivation ich dorthin fliege. Und ob ich weiter nach Alternativen suche oder es sein lasse. 

 

Die nächsten Themen. Wohnen. Stromversorgung. Wasserverbrauch. Da gibt es noch jede Menge Verbesserungspotential. Ökologisch ist da im Augenblick nicht viel. Da war meine Bilanz schon einmal Klassen besser. Und das wird sie auch wieder werden. Mein Ziel ist ein TinyHouse, das gar nicht so tiny ist, weil meine geliebten Bücher mitkommen werden. Aber es ist voll ökologisch. Autark. Und es wird flexibel sein. Beweglich. Weil ich nicht weiß, wo es in Zukunft noch möglich sein wird, zu leben. Denn der Klimawandel mit seinen Wetterextremen ist im vollen Gang. Ausgang ungewiß. Jeder feste Wohnort scheint mir gefährdet. Ich glaube, es braucht sehr viel mehr "Nomadität" als heute normal ist. Aber so, das ich immer noch einen Lebensmittelpunkt habe. Das komplette Extrem habe ich in den letzten Jahren probiert. Es taugt nicht für mich. Ich brauche die Balance aus Beidem. Nest und Fliegen.

 

Doch neben diesen Rahmenbedingen geht es für mich vor allem Anderen um meine innere Einstellung. Warum mache ich Dinge? Wer bin ich dabei? Was motiviert mich? 

 

Meine Motivation ist Liebe. Liebe zu mir. Liebe zum Leben. Liebe zu den Menschen und Liebe zur Erde. Aus dieser Motivation heraus suche ich meinen Weg. Aus dieser Quelle heraus arbeite ich, schreibe ich, reise ich, begegne ich Kulturen, Menschen, Ländern, der Natur. Ich fühle liebe, ich teile Liebe und ich lebe Liebe. Wo immer ich bin. Für mich sind wir als Menschheit an einem unendlich fragilem Scheideweg unserer Geschichte. Aber auch an einer der größten Chancen, die es je gab. Wir können aus den Tiefen der Angst auftauchen. Aus der Angst, die uns voneinander trennt. Uns besser oder schlechter macht. Uns konkurrieren lässt, uns kämpfen lässt, uns zurück weichen lässt. Angesichts dieser selbstgemachten Krise können wir uns selbst neu erfinden. 

 

Und es liegt an uns, an jedem von uns, ob das neue Ich ein in sich versunkener, schattengleiches Wesen auf der Flucht vor sich selbst wird oder ein innerlich aufrecht stehender Mensch - klar, liebevoll, leuchtend und im Frieden mit sich selbst. 

 

 

 

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