Mittendrin

Ein Bad in Kraft, Mut & Zuversicht

Fotos: Heike Würpel

Es war genial, gestern in Potsdam. Es war genial, mit all' diesen Menschen; Schülern, Eltern, Wissenschaftlern und ganz normalen Leuten, vor dem Landtag zu stehen und zu demonstrieren. Es war genial diese unglaubliche Kraft zu fühlen, die entsteht, wenn so viele - es waren 1.800 - Menschen für eine Sache einstehen. Jeder auf seine Art, jeder mit seinem Hintergrund, aber letztlich für eine Sache. Und wenn das auch noch eine Sache ist, die wirklich unter den Nägeln brennt und unsere Zukunft bestimmt. Wenn es dabei um den Klimaschutz geht. Ich habe Tränen in den Augen, immer wieder. Erinnere mich an die Demos, bei denen ich einmal dabei war und an die Folgenlosigkeit der Proteste. Ich erinnere mich an das Gefühl von Resignation. Ein Gefühl von "die Mauer ist zu hoch".  Einmal war sie es nicht. Bei den Montagsdemos der DDR. Doch dann kam die erste Wahl und diese bittere Enttäuschung, als die Leute in der DDR das Geld wählten. Nur das Geld. 

 

Meine Reaktion darauf war Rückzug. Rückzug in mich selbst. Ja, ich habe mein Leben verändert. Von Innen nach Außen. Weil es das Einzige war, was ich damals tun konnte. Ich lebe so umweltverträglich, wie ich es kann und bleibe mir selbst dabei treu. Ich schreibe über all' die Dinge, die mir in die Augen stechen, aber dieses Gefühl, das ich damit ein klitzekleiner Tropfen in einem riesigen Meer bin, das eine vollkommen andere Strömungsrichtung hat, das bleibt.

 

Bis jetzt. Jetzt stehe ich zum ersten Mal seit damals wieder inmitten einer Demo. Ich bade in einer ungestümen Energie. Und ich fühle zum ersten Mal wieder diese Kraft, die wir Menschen in uns haben, wenn wir mit einer Stimme sprechen. Die Kraft, die uns Veränderungen ermöglicht, die unmöglich schienen. Eine Kraft, die alle Mauern einreißen kann und wird. Egal, wie hoch sie auch immer sein mögen. Ich weiß, das das nur der Anfang ist. Ich weiß, das das niemand wieder stoppen kann. Egal, welche Statements da auch von Politikern kommen mögen. Egal, wieviele Menschen angesichts der Demos den Kopf schütteln und weiter gehen. Das Thema wird jeden erreichen. Es ist eine Flutwelle, die sich ausbreitet und Alle ansteckt, die sich verstecken möchten. Kopf in den Sand -nichts hören, nichts sehen, nicht handeln. Es ist eine Kraft, die uns alle zur Verantwortung ruft. Laut. Unüberhörbar. Verantwortung für unser Handeln. Jeden Tag, jeden Augenblick. 

 

Es ist nicht möglich, wegzuschauen. Es ist nicht möglich, wegzuhören. Es ist nicht möglich, sich noch einmal zu verkriechen. Hier ruft die Stimme unseres eigenen Gewissens. Deshalb trifft es Jeden. Wir wissen genau, auf welche Kosten wir leben. Wir wissen genau, was für einen Dreck wir hinterlassen. Wir wissen genau, was wir tun. Wir sehen es tagtäglich um uns herum. Wir haben es nur verdrängt, irgendwohin, in die letzten Ecken unseres Unterbewußtseins, weil wir sonst nicht weitermachen könnten. Nur, das Weitermachen geht nicht mehr. Unser Unterbewußtsein klopft mit Macht an die Eisentür. Es zwingt uns dazu, A und B zusammenzufügen. Es zwingt uns dazu, einzugestehen, das wir falsch liegen mit unserem bequemen Sofa-Kuschelkurs. Es zwingt uns dazu, uns neu zu definieren.

 

Als Menschen, deren Handeln mit ihren innersten Überzeugungen übereinstimmt. Als Menschen, die sich nicht mehr  selbst belügen. Als Menschen, die Liebe wirklich leben und diese Liebe verkörpern. Ganz praktisch. Jeden Tag. Liebe zur Erde. Liebe zum Leben. Liebe zu ihren Kindern. Liebe zu sich selbst. Und sich nicht mit Ausflüchten, Lippenbekenntnissen oder Phrasen zu retten versuchen. Menschen, die sich nicht hinter Anderen verstecken. Menschen, die Aufstehen. Sichtbar werden. Und handeln. Jetzt. Weil wir es uns selbst schuldig sind. Weil wir sehr viel besser sind, als das, was wir bisher fabriziert haben. Weil wir mehr können, als diese Erde zu zerstören und eine Wüste zu hinterlassen. Weil wir ein viel größeres Herz haben, als wir es bisher zu ahnen wagten. Und weil unsere Herzen ein Paradies erschaffen wollen und können. Wir müssen unseren Herzen nur endlich folgen. In jedem einzelnen Augenblick. 

 

 

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