Auf der Spur der Sonnenanbeter

Die Kykladen zum Abgewöhnen

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Nein. Nein. Nein.

 

Niemals wieder komme ich hierher. Nicht nach Mykonos. Nicht nach Santorini. So schön es ist, das griechische Licht. So schön das Meer auch glitzert und so wundervoll der Vulkankrater von Thira auch sein mag - das ist es nicht wert. Hier gehöre ich nicht hin.

 

Beide Inseln haben sich voll und ganz dem Tourismus verschrieben. Einem Tourismus, der Massen und Partygänger anlockt wie Fliegen. Der winzige Fleckchen Erde überflutet, nur weil die Bilder irgendwo in den Medien aufgetaucht sind. 

 

Beide Kykladeninseln verkörpern die Verrücktheit in Reinkultur für mich...

 

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Auf Mykonos stürzen sich die Menschen in betäubende Bassklänge, die bereits ab 16:00 Uhr über die Strände im Süden hämmern. Ich war am frühen Abend da, um zu schauen, ob es wirklich stimmt, weil ich es einfach nicht glauben wollte. Der Bus ist voller vergnügungssüchter Wesen, laut palavernd, die für mich von einem anderen Planeten stammen. Den Strand bevölkern kichernde, betrunkene Jugendliche, die das erste Mal den Turteltanz der Geschlechter spielen wollen, ohne die geringste Ahnung davon zu haben. 

 

Oben auf dem Berg sitzt ein alter griechischer Ziegenhirte auf seinem Moped und schaut hinunter auf seine Bucht, die jetzt dem Partyvolk gehört. Und zwar non stop. Er betrachtet den Sonnenuntergang, so wie ich. Dann steigt er mühsam den Berg hinauf mit Futter für seine Tiere. Wie er es immer getan hat. Mein Herz tut weh. 

 

Wo ist der Platz für die Menschen geblieben? Was tun sie hier inmitten dieser Welt, die ihre wegfeiert? Auf Nimmerwiedersehen?! Wer fragt sie? Keiner. Alle wollen nur die schnelle Kohle. Ungefragt und ohne jegliche Rücksichtnahme.

 

Ganz Mykonos ist zu einem großen Spielplatz verkommen, wie eine Kloake aus Geld, Geltunsbedürfnis und dem unglaublichen Drang, alles zu vergessen, was eigentlich wichtig ist. Da helfen auch die schönen Gässchen der Stadt nicht. Oder die Windmühlen. Oder die hübsche Piratenfront von Klein Venedig. Die große Yacht, die dort draußen vor dem Hafen dümpelt, zeigt genau, wo die Musik spielt. Sie gehört einem russichen Oligarchen und ist wohl die zehntgrößte der Welt. 

 

Ja, das passt. Hierher kommen Menschen, die es brauchen, bewundert und gesehen zu werden. Hierher kommen Menschen, denen es nichts ausmacht, 300,- Euro pro Nacht für ein Hotelzimmer hinzulegen. Sie schieben sich durch die Designergeschäfte und lassen die Dollar, Rubel, Yen und Euro rollen. Und es kommen immer mehr.

 

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Santorini - die Kraterinsel, Postkartenidylle. 

 

Schon auf der Fähre wartet die Realität. Ein Schiff voller Chinesen. Seit vor wenigen Jahren eine hypererfolgreiche Liebesgeschichte in China die Kinoleinwände stürmte, die hauptsächlich auf Santorini spielt, explodieren die Touristenzahlen in neue Höhen und die Hotelbesitzer reiben sich die Hände und kurbeln die Preise in schwindelerregende Gipfelgefilde. 

 

Die Insel ist voll. Übervoll. Und wir haben gerade mal Mitte Mai. Die Hochsaison hebt schüchtern ihr Köpfchen. 17.000 Menschen leben auf der Insel, die ca. 70 qm zählt. Dazu kommen täglich durchschnittlich 17.000 Touristen. In Stoßzeiten bis zu 70.000. Zwei Millionen Menschen besuchen Santorini jedes Jahr. Mit Kreuzfahrtschiffen, Fähren und Flugzeugen. Es gibt keinen Ort zum Verschnaufen. Es gibt keinen Ort, der Griechenland wirklich ähnelt. Jedenfalls nicht dem Griechenland, das ich kenne und liebe. 

 

Nein, hier gibt es nur Kameramotive, Touristengeschäfte und schicke Tavernen. Die Insel hat sich so gnadenlos und ungefiltert dem Massentourismus ergeben, das jegliches normale Leben wie erstickt wirkt. Das, was ich von anderen Gegenden nur im Ansatz kenne (abgesehen vom Norden oder Osten Korfu's) ist hier flächendeckend zu finden. Zu Preisen, die meine Börse sowieso blass werden lässt. 

 

Jeder, der Santorini von früher kennt, muss hier das Weite suchen. Jeder, der die Fakten des Vulkanismus kennt, muss den Kopf schütteln, über soviel Naivität. Da wird am Kraterrand gebaut, wie verrückt, ungeachtet der Tatsache, das der Boden regelmäßig bebt und der nächste Vulkanausbruch auch jederzeit um die Ecke kommen könnte. Jeder, der Griechenland sucht, muss hier die Beine in die Hand nehmen und möglichst schnell verschwidnen. Das hier ist purer, hemmungsloser Kommerz. Kapitalismus und Ausverkauf in purer Form. Die Leute treten sich auf die Füsse, die Autos stehen im Stau, der Fährhafen ist reines Chaos. 

 

Klar, irgendwie funktioniert es. Ja. Erstaunlicherweise. Das spricht für die griechische Kunst der puren Improvisation im blanken Ungeordnetsein. Nur - auf welche Kosten? Sobald der Tourismus hier zusammenbricht, bleibt nichts mehr. Außer Weinstöcke. Alles andere wurde weggebaut. 

 

Das ist selbstmörderisch. Und so tanzen die Menschen hier buchstäblich auf dem Vulkan, freuen sich über schnell verdientes Geld (denn auch hier sind die Übernachtungspreise mittlerweile astronomisch), hoffen, das das Wasser irgendwo hergezaubert wird und Müll weg und das es ewig so weitergeht.

 

So, wie der Rest der Welt das scheinbar auch tut. Nirgendwo wird es offensichtlicher, wohin dieses Denken führt und wohin wir es damit schon gebracht haben.

 

Zum ersten Mal bin ich heilfroh, das ich wegkomme. Zum ersten Mal möchte ich nicht wieder zurück an einen Ort. Hier habe ich wirklich nicht das Geringste verloren. Und ich möchte auch niemanden dazu animieren, herzukommen.... 

 

 

 

 

 

 

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