Eine Absage an das Mehr

Anhalten. Still. Lauschen.

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Die Sucht nach dem "Mehr" überflutet diese Welt. Schlimmer als jede Pest wütete sie und erstickt alles, was nach Leben, Sinn und Balance ausschauen könnte.

 

Ich habe diese Sucht live erlebt in den letzten Wochen in den griechischen Touristengebieten. Ich erlebe sie wieder und wieder in dieser Welt. Ich bin konfrontiert mit ihrer zerstörerischen Kraft und den Folgen. Und ich erlebe, wie die Menschen buchstäblich ihre Augen davor verschließen. Ganz fest. Nur nichts sehen, hören, verstehen. 

 

Dabei ist es so offensichtlich.

 

Alle laufen sie sich die Seele aus dem Leib nach dem goldenen Kalb im Außen. Es ist vollkommen egal, ob das Urlaub oder sonstiger materieller Wohlstand heißt. Ob Yoga-Session am Strand von Bali heißt oder Essen beim Sternekoch. Dabei ist die Tatsache, das dort draußen nichts zu holen ist, nicht gerade neu. Aber die Leute, die ich hier erlebe, haben davon noch nichts gehört. Oder wollen es nicht hören.

 

Für sie ist der äußere Schein alles. Wirklich alles. Die ganze Welt. Und nichts als die Welt. Ich schaue ihnen zu, wie sie auf Santorini shoppen gehen, als gäbe es die Erleuchtung zu kaufen. Ich erlebe sie beim stilvollen Dinnieren am Kraterrand, umgeben von Menschenmassen, die dem Sonnenuntergang huldigen. Ich sehe ihnen auf den Segelbooten, Katamaranen und überdimensionalen Yachten beim "Hof halten" zu. Ich schaue auf ihre Glitzerketten, rieche Parfümwolken, beobachte Handy- und Laptoporgien beim Essen (wobei natürlich jedes Gespräch im Keim erstickt) und ich erlebe, die ständig steigende innere Unruhe der Menschen, die sich im hibbeligen Beinewackeln äußerst. 

 

Sie stehen alle unter Strom. Sie sind alle auf der verzweifelten Suche. Schneller, intensiver, hektischer, fahriger. Nur - auf ihrem Weg gibt es kein Finden. Da gibt es nur einen kurzfristigen Drogenrausch, mehr nicht. Ich fühle mich tatsächlich in einer Welt voller Junkie's. 

 

Diese Drogensucht verdeckt jedes Gefühl für irgend etwas Anderes. Jede Form von Mitgefühl. Jedes Gefühl für irgend etwas, neben den eigenen stetig wachsenden Bedürfnissen. Es muss mehr sein. Immer mehr, um die gefürchtete Leere im Inneren zu übertünchen. Oder die untedrückten Gefühle, die sich da versuchen ans Licht zu kämpfen. Der Lärm von außen wird ohrenbetäubend und unablässig.

 

Musikberieselung ohne Pause. Eine Verschnellerung des Sprechtempos, die mich schwindlig macht, und mich nach nur wenigen Minuten das Weite suchen lässt. Es ist nicht mehr auszuhalten für mich, mit diesen Süchtigen. Ich muss sehr, sehr genau schauen, wo ich wie noch sein kann im aktuellen Kabinett der Monströsitäten. 

 

Und immer wieder fasziniert es mich maßlos, das es scheinbar für alle stinknormal ist, so vollkommen durchgeknallt zu agieren. Es ist normal, in einem Flieger zu sitzen, auf einen Miniinsel zu fliegen, am Strand neben Hunderten anderen zu braten, sich das Geld für Übernachtung und Essen aus der Tasche ziehen zu lassen und dann noch von einem tollen Urlaub zu schwärmen. Es ist normal, jegliche Verantwortung für die Folgen von Plastikflaschenverschleiß, Flugkerosin oder Wassermangel weit aus dem eigenen Wahrnehmungsdunstkreis zu verbannen. Es ist normal, so zu handeln, als besäße man sämtliche Ressourcen der gesamten Welt und zwar für immer und ewig. 

 

Nur - nichts von diesen Illusionen stimmt. Wir haben diesen Tanz lange genug getanzt. Die Folgen fliegen uns bereits um die Ohren, auch wenn man das im Technorausch noch prima ausblenden kann. Lange geht das nicht mehr. Und dann wird es heftig. Denn wenn die äußere Scheinwelt zusammenbricht und die inneren so nett im Schach gehaltenen Dämonen nach oben drängen - was hilft dann? Ohne Zigaretten. Ohne Wein, Schampus oder Kreditkartengegenwerten? Was geschieht, wenn die Menschen mit dem konfrontiert werden, was sie die ganze Zeit erschaffen haben? Wenn der Dreck im wahrsten Sinn des Wortes über ihnen ausgeschüttet wird?

 

Dann hilft es nicht mehr mit dem Geldscheinen zu wedeln. Dann hilft keine Yacht, keine Sonnenbräune und keine Designerhose. Dann geht es ans Eingemachte. Und das wird kein Zuckerschlecken. 

 

Gibt es einen anderen Weg? Natürlich! Aufhören. Sofort. Aussteigen aus dem Hamsterrad. Ende mit den Drogen. Entzug. Komplett und Radikal. Still werden. Und lauschen. Die Antworten auf alle Fragen sind in uns. Jeder von uns trägt seine Weisheit in sich. Und dann - danach handeln.

 

Im Einklang mit der Welt. Im Einklang mit dem Leben. Im Einklang mit unserer Seele.

 

 

 

 

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