Templer und schwarze Magie

 Mein Licht

Foto: Heike Würpel

Es ist noch früher Morgen. Die schneeweiße Kirche glänzt im strahlenden Sonnenlicht und verlockt zu Fotos. Eine runde Kirche. Sie hat etwas von einer Festung und gleichzeitig ist sie sehr filigran und leicht.  Sie ist schön. Richtig schön. Und dann steht da dieser Baum. Direkt vor dem Eingang. Eine alte, tote Eiche. Wie ein Mahner strecken sich ihre Äste in den Himmel. Das Holz ist unglaublich. Diese Maserung, dieses Muster. Meine Hände streichen die warme Natur, in der es kein Leben mehr gibt. Und ich frage mich, warum sie gestorben ist. Die Antwort liegt in der Kirche.

 

Etwas an dem Gebäude ist so stark und negativ, dass sie aufgegeben hat. Die schneeweiße Kirchenfarbe überdeckt etwas. So fühlt es sich schon an, bevor ich die Schwelle auch nur überschreite.

 

Drin bleibt mir fast die Luft weg. Alles fühlt sich eng an, gedrängt und drückend. Schwere. Eine kleine Treppe neben dem Altar führt extrem steil nach oben. Die Stufen sind so klein, dass meine Zehen nur mühsam Halt finden. Es ist ein Balancieren in den nächsten Stock. Der Zugang ist frei. Die Tür dorthin steht offen und das Licht ist angeschaltet. Meine Schritte treffen auf knarrendes Holz, das sich anfühlt, als würde es jeden Moment durchbrechen. Hier ist die Energie so dunkel, wie ich es noch nie erlebt habe.

 

Schwarze Magie, schießt es mir durch den Kopf. Ich fühle und sehe die Rituale, die hier stattfanden. Es heißt, dass diese runden Bornholmer Kirchen Templer-Stätten gewesen sein könnten. Ich weiß nicht, ob es das ist, was ich sehe. Aber wer auch immer hier Rituale abgehalten hat, es waren mächtige und kundige Männer und kraftvolle Handlungen. Mir wird eiskalt. Angst will hochkriechen. Aber ich steige noch eine Etage höher, bevor sie mich wirklich lähmen kann. Dort oben im dritten Stock ist mehr Freiheit. Da ist Licht aus den Fenstern, da ist Wind. Da sehe ich die Welt dort draußen. Doch die Energie ist auch hier zum Schneiden dick.

 

Schwarze Magie. Da kommt es wieder. Wird fühlbar, sichtbar, greifbar. Ich spüre meinen Körper zittern. Schmerz. Schmerz. Schmerz. Ich erinnere mich an meine eigenen Bilder aus alten Leben. Bilder von schwarzmagischen Ritualen, bei denen ich Opfer war. Bilder von Männern in dunklen Gewändern, die mich auf geheimnisvolle Weise in ihren Bann zogen und verpflichteten. Viele Leben lang.


Doch ich erinnere mich auch, dass ich einen Weg hinaus gefunden habe. Ich erinnere mich an meine Schritte in den letzten Jahren. Ich bin nicht mehr das Opfer.

 

In dem Moment wird die Schwärze sichtbar. Sie wird zu einem Wesen. Noch körperlos. In mir wird das Licht klarer. Nein, ich bin nicht mehr das Opfer. Ich bin das Licht. Ich kann mich fühlen. Mein Herz, meine Liebe, mein Strahlen. Es ist noch schwach in Gegenwart der Dunkelheit, aber es ist da. Ein Engel kommt dazu. Ein Lichtwesen. Es ist wie eine Verstärkung. Für mich und mein mich Besinnen auf mich selbst.


Und dann sind sie da. Meine Flügel. Dann ist mir vollkommen bewusst, dass ich selbst ein Engel bin und pures Licht.  In diesem Augenblick wird auch mein Gegenüber zu einem Engel. Einem pechschwarzen Engel. Sein Gesicht wandelt sich. Teufel? Dämon? Ich kann es kaum zuordnen. In ihm ist alles, was mir je an der Dunkelheit und schwarzen Magie Angst gemacht hat. So steht er vor mir. Und ich kann ihn umarmen. Ich kann ihn wirklich umarmen. Ohne irgendetwas von meinem Licht zu verlieren. Ohne mich selbst zu verlieren.  Ich bleibe strahlend, leuchtend, weiß. Und er bleibt schwarz.

 

Ich möchte ihn nicht verändern. Ich bekämpfe ihn nicht. Ich akzeptiere ihn, genau so, wie er ist, aus vollem Herzen. Und er tut das Gleiche mit mir. Weil ich keine Angst mehr habe. Weil ich ihn nicht bekämpfe. Weil alle Energie der Angst verwandelt ist. Weil ich – egal mit wem ich in Berührung bin – niemals mein eigenes Wesen verändere. Ich bleibe das Licht.


Das ist der Schlüssel. Damit ist alles in Balance. Licht und Dunkelheit. Damit kann ich jeder Dunkelheit begegnen. Nichts kann mich mehr schädigen. Nichts kann mich mehr zerstören. Nichts kann mir mehr wirklich etwas anhaben. Es ist pure Befreiung. Aus meinem eigenen Gefängnis. Dem Gefängnis aus dem Vergessen. Dem Gefängnis der Ohnmacht. Dem Gefängnis der Angst. 

 

Ich bin das Licht. Und ich umarme die Dunkelheit.

 

Als Engel gehe ich hinunter. Die Kirche bleibt, wie sie ist. Nur ich fühle mich vollkommen anders. Leuchtend. Und als ich herauskomme ins Sonnenlicht und zurückschaue, da sehe ich auch hier einen Lichtstrahl in den Himmel wachsen. So, wie ich die Eiche wieder wachsen gefühlt habe. Mitten im Prozess dort drinnen. Ich habe ihre Krone gesehen und zarte, junge, grüne Triebe. Neues Leben. Versöhnung. Hoffnung. Frieden.

 

 

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