Die Feier des Lebens

 Jesus und die Sexualität

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Der Kölner Dom hat mich am Stärksten gerufen. Richtig laut gerufen. Und schon, als ich ihn in der Ferne auftauchen sehe, mit seinen beiden Spitzen laufen mir die Tränen über's Gesicht. Es ist wie ein Nach-Hause-Kommen.

 

Gleichzeitig schüttelt mich eine ganze Gefühlspalette. Traurigkeit, Schmerz, Wut, Freude, Staunen. Alles ist da. Direkt beim Dom ist ein Parkhaus. Es gibt nichts Anderes in der Stadt, das ich sehen will. Und so ist das der perfekte Ort, um direkt dorthin zu gelangen, wohin mich mein Herz führt. Hinein in den Dom.

 

Jedesmal, wenn ich diesen hohen Kirchenraum betrete, bin ich voller Freude und Staunen. Was für ein schöner Bau! Ich habe das Gefühl, dass hier die Liebe der Baumeister, der Steinmetze und all der anderen Künstler sichtbar wird. Sie haben ihre Liebe in die Wände und Fenster fließen lassen. Und sie verkünden ihre eigene Botschaft ungeachtet aller Grenzen des Glaubens. Mich zieht es sofort direkt zum Altar in der Mitte des Doms. Es ist für mich der Kraftplatz, das Zentrum aller Energien. Das Reden der Menschen verstummt, ein Gottesdienst beginnt und ich sitze ganz vorn und kann mich ganz auf den Altar konzentrieren. Mich öffnen, für alles, was geschehen möchte. Musik erklingt. Orgelmusik. Ihre Kraft braust durch mich hindurch und gleichzeitig ist ein unglaubliches Chaos in ihr. Als würden alle Haken, Einbahnstraßen und Wirrungen der Geschichte dieses Ortes durch mich hindurchströmen. Ich fühle mich wie ein Kanal für die Klänge und für die Energie, die damit verbunden ist. 

 

Dieser Ort möchte gefühlt werden. Einfach wahrgenommen und gefühlt. Offen und vorurteilsfrei. Alles, was nicht sein durfte, was vergessen scheint, möchte sichtbar werden. Wenn es auch nur in diesem Moment und in mir ist. Über eine halbe Stunden fließen Wellen von Gefühlen durch mich hindurch. Wie ein Blick in ein Geschichtsbuch laufen Ereignisse, Bilder und Emotionen in meinem Inneren ab. Ich werde ziemlich durchgeschüttelt und bin ganz aufgeweicht von Tränen. 

 

Nach diesem Fließen taucht neben mir auf der Kirchenbank Jesus auf. Ganz selbstverständlich, weil er jetzt hierhergehört. Ich sehe ihn anders, als die Menschen um mich herum. Es ist ein fühlendes Sehen. Und gleichzeitig wirkt er ganz real. Er lächelt mich an und mir wird ganz warm und frei. Und plötzlich ist er auf dem Altar und ich mit ihm, während ich (im Hier und Jetzt) gleichzeitg auf der Kirchenbank sitzen bleibe. Die Bilder sind nur für mich, nur ich kann sie wahrnehmen. Und was ich wahrnehme, empfinde ich als Fest. Nackt sitzen wir uns gegenüber. Verschmelzen. Weil Sexualität das Heiligste ist, dass es geben kann. Weil der menschliche Körper etwas Wunderschönes ist. Wo könnte es einen besseren Platz zum Feiern dieser Sexualität geben als auf einem Altar? Mann und Frau, die Gesichter und Körper wechseln. Alle sind mir vertraut. Wir feiern die heilige Hochzeit, das Verschmelzen von Männlichem und Weiblichen. Pures Eins-Sein. 

 

Diese Liebe zeigt sich jetzt anders. Eine Lichtsäule zu strahlen und sich zu drehen. Der DNA-Strang-Form, die ich schon so gut kenne erscheint. Tief aus der Erde, hoch in den Himmel dreht sich dieses wunderschöne Gebilde aus purem Leuchten und verbindet alles miteinander. 

 

Für mich war der Dom ein Ort der Heiligen Hochzeit. Der Hochzeit, die Himmel und Erde miteinander vermählt. Der Platz des Beltane-Rituals, Es war ein Platz der Liebe und jetzt ist es wieder ein Platz der Liebe. Weil ich es sehen und fühlen kann. Es ist für mich so, als würde sich durch mein Sehen der Platz an sich selbst erinnern. Als würde mein Sehen ihn wieder ins Gedächtnis der Menschen zurückholen. Als einem Platz des Feierns von Liebe, Sexualität und dem Fest der Vereinigung. 

 

Nach diesem Erlebnis wird mir auch klar, warum dieser wunderschöne Dom so "umbaut" ist. Ich konnte nie verstehen, wie man so ein Gebäude mit soviel Häßlichkeit umgeben kann. Aber ist es nicht genau das, was der kirchliche Klerus mit der Sexualität und der körperlichen Liebe getan hat? So betrachtet gibt es kaum ein besseres Symbol als diese "ummantelte" Schönheit. 

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