Die Kraft der Stille

 Und die Reinheit des Seins

Ich kenne diesen Ort seit über einem Jahr. Es ist ein wunderbarer Platz - landschaftlich. Direkt am Ufer des Tollensesees gelegen, 65 Hektar groß, ein langer Seezugang voll Schilf und einigen kleinen Strandabschnitten. Alte Platanen, Eichen und jede Menge pure Natur. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist eine heftige Geschichte aus der Zeit des Dritten Reichs. Hier befand sich die einzige Schulungsstätte für Ärzte im Bereich der Euthanasie. Hier feierten die Nazi-Größen ihre Feste. Und nach dem Untergang von Hitler's Traum haben Nationale Volksarmee und Bundeswehr den Ort für ihre Zwecke genutzt. Unter der Federführung der Bundeswehr entstanden hier umfangreiche Bunkeranlagen, die das Gelände wie betonierte Narben übersäen. Mittlerweile könnte man sie fast als verwunschene, überwachsene Plätze ansehen. Wenn die Energie nicht wäre. 

 

Es ist ein Ort, der Heilung braucht. Und der jeden Menschen, der diesem Ort unvorbereitet begegnet, sehr stark beeinflusst. Seit mehreren Jahren versucht sich an dieser Stelle eine Gemeinschaft zu etablieren. Die Betonung liegt auf versucht, denn es fühlt sich für mich wie ein ewiger Kampf ums Überleben an. Mit sehr vielen und teilweise äußerst heftigen inneren Kämpfen, miteinander, untereinander und mit dem Rest der Welt. 

 

Diesen Platz haben sich Michaele und Frank für ihr Sommercamp ausgesucht. Circa 130 Menschen sind gekommen, um fast eine Woche lang ein intensives Seminar zu erleben, ganz in die eigenen Tiefen einzutauchen und sich den eigenen Themen zu stellen. Sie sind auch gekommen, um das Leben zu feiern und sich selbst. Ich bin Eine dieser 130 Menschen. Und für mich ist es auf vielen Ebenen eine riesige Herausforderung. 

 

Einmal, weil ich den Platz gut kenne, weil ich weiß, was für eine Energie mich dort erwartet und zum Zweiten weil ich in einer für mich riesigen Menschengruppe meiner eigenen inneren Stimme lauschen möchte. Weil ich nur das machen möchte, was ich wirklich will. Und das ist schwer in so einer Gruppe, die eine ganz eigene Dynamik entwickelt. Einen Sog und einen Druck, dem ich mich nur mit sehr viel Klarheit und innerer Ausrichtung entziehen kann. 

 

Ich möchte beobachten, mir selbst lauschen, ganz meiner Intuition folgen. Und genau das tue ich, jeden einzelnen Tag. Und komme mir dabei vor wie ein Felsen inmitten eines bewegten Ozeans. 

 

Ich fühle genau, wie wichtig dieses Camp für den Platz ist, für die Heilung dieses Platzes. Ich fühle auch, wie wichtig es für Michaele und Frank ist, dass Heilung geschieht. Und ich fühle, dass sie genau dann geschieht, wenn nichts getan wird. Wenn alles still wird.

 

Es gab zwei Momente in diesen Tagen, die mich zutiefst berührt haben.

 

Wir sitzen alles zusammen im Kreis. Die Gespräche verebben, die Unruhe, das Rascheln, das Denken hört auf. Es ist für mich körperlich fühlbar, dass die "Geister" zur Ruhe kommen.

 

In diesem Augenblick ist eine ungeheurer Kraft und Energie im Raum. Ein Leuchten, eine Lichtsäule steigt auf. In der Mitte von uns allen. Der ganze Raum ist in Licht getaucht. Jeder von uns hat sich auf sein Sein konzentriert, seinen Atem, auf die Liebe zu sich selbst. Das lässt diese Kraft sichtbar und fühlbar werden. Das, nur das taucht diesen Platz in Licht. Aus uns heraus. Es ist eine stille Kommunikation der Herzen.

 

Wenige Augenblicke später tauchen Wesen auf. Sie bilden einen äußeren Kreis um uns alle. Wesen, die ich gut kenne. Ich nenne sie Atlantiden. Sie sind für mich die Verkörperung von Liebe, Mitgefühl, Weisheit und Leuchten. Sie verkörpern tiefsten Frieden und das Gefühl von "alles ist richtig". Ihr Blick reicht in die tiefsten Tiefen meiner Seele. Und gleichzeitig schaue ich in die tiefsten Tiefen ihrer Seele. Es ist wie ein Bad in purer Liebe. Ihre Energie erfüllt den Raum. Es war wie ein großes "Ja" des Universums zu dieser Stille. Zu unserem Sein. Zu der Kraft unserer Herzen und der Liebe, die jeder einzelne Mensch in sich trägt. Versteckt oder ganz offen. Es ist ein großes "Ja" des Universums zu uns. Jedem Einzelnen von uns. Es war ein Willkommen der Erde und des Platzes. Eine Kraft die mich in Glückseeligkeit taucht. Wie in einen warmen Ozean. Segen des Himmels.

 

In dem Moment, wo die ersten Worte wieder erklingen, selbst das "Om", verschwindet das Licht, es verschwinden die Wesen. Die Leichtigkeit verschwindet. Das Denken setzt wieder ein. 

 

......

 

Es gibt noch einen dieser atemlosen Augenblicke des Lichts. Ganz am Ende dieser Woche. Er ist nicht so kraftvoll wie am Anfang. Aber auch dort entsteht die Lichtsäule, auch dort sind die Wesen fühlbar. Ihr "Ja" zu uns. Ihre Unterstützung, ihre Präsenz. 

 

Ich fühle es so, dass sie immer da sind. Immer. Aber ich kann sie nur wahrnehmen, wenn ich still werde. Ich kann sie nur wahrnehmen und ihre Liebe fühlen, wenn ich es zulasse. Wenn ich die Tür öffne. Und die Tür heißt - Sein. Einfach nur Sein. Nichts wollen, nichts forcieren, nichts erkämpfen. Sein. Fühlen. Zulassen. Loslassen. Es gibt Momente, da ist das richtig.

 

Es gibt andere Momente, da ist das Tun richtig. Ein Tun aus dem Sein. Nicht ohne Sinn. Nicht ohne Seele. Nicht ohne Liebe.

 

Danke für diesen Moment. Danke für das Fühlen dieser Kraft in mir und in uns allen. Danke für das Fühlen, was wir als Menschen, zusammen, allein oder in der Gruppe verkörpern und in Bewegung setzen können. Wenn wir aufhören uns abzulenken. Wenn wir uns konzentrieren, lauschen, still werden und uns unseres eigenen Herzens bewußt werden. Dort ist für mich die Kraft, die diese Welt verändern kann. Von dort aus beginnt es.

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