Die Visionen eines Königs

 Und Scheitern an der Realität

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Während meiner zwei Jahre des Lebens und Arbeitens in München habe ich mich erfolgreich gegen den Besuch dieses Ortes gewehrt. Einmal, nur ein einziges Mal war ich in der Nähe von Neuschwanstein. Ich habe die Menschenmassen gesehen und bin geflohen. So, wie ich in den letzten Jahren auch vor Bayern geflohen bin. Die Zeit in München hat mir das Fürchten gelehrt. Vor einer puren Schicki-Micki und Blender"kultur". Ich habe mich in dieser Zeit eigentlich immer im Dunstkreis Münchens bewegt. Ich war Managerin und hatte - wie alle Anderen - nur an den Wochenenden Zeit, mich in der Umgebung umzuschauen. Inmitten der anderen Münchner. Ich bin niemals herausgekommen. Das "andere" Bayern war mir völlig fremd. Das begreife ich, auf dieser Reise.

 

Ich bin mit dem Fahrrad unterwegs. Von Lindau zum Königssee. Quer durch ganz Bayern. Und ich erlebe ein vollkommen unbekanntes Land. Ein Land, dass mich mit offenen Armen willkommen heißt. Zum ersten Mal. 

 

Mein Höhepunkt ist Neuschwanstein. Der Platz, der mich mit seinen 6000 Besuchern täglich erfolgreich in die Flucht geschlagen hat. Ich nähere mich ihm langsam. Und neugierig. Erst schaue ich mir Hohenschwangau an. Im Gepäck habe ich ein Buch über Ludwig II. . Ich möchte ihn fühlen, ihn verstehen, seinen Antrieb, seine Leidenschaft, seine Visionen, seine Träume. Hohenschwangau ist der Beginn, seine Kindheit. In dieser Umgebung aufzuwachsen, einer Welt von Sagen, Heldenmut, edlen Rittern und hohen Idealen kann kaum einen anderen Menschen hervorbringen als diesen König. Hier atemt alles eine Art heiler Welt. Einer Welt, die es dort außerhalb der Mauern nicht gibt. 

 

Es ist eine Welt, an der ich fühle, dass Ludwig zerbrochen ist. Und ich kann ihn gut verstehen. 

Ich erinnere mich an mich selbst. An meine Fluchten vor dieser verrückten, chaotischen Welt. An meine Todessehnsucht. Die Sehnsucht nach einem Himmel, nach Vollkommenheit, nach einer Welt der Liebe. Ich erinnere mich an die Momente, in denen ich kurz davor war, zu gehen. Und ich fühle Ludwig neben mir stehen. Genau in diesem Augenblick. Ich stehe vor seinem Traum. Vor Neuschwanstein. Einem Märchenschloß. Einem Schloß der Wagneropern. Stein gewordene heile Welt.

 

Stein gewordene Träume. Ideale. Etwas, was es in Ludwigs Leben nicht gab. 

 

Dieses Schloß ist seine Flucht vor der Wirklichkeit seines Erdenlebens. Sein Wunschziel Himmel. Die Räume sind atemberaubend. Wunderschön ist er, der Thronsaal. Ich könnte stundenlang diese Energie genießen. Doch die Zeit hier ist strikt reglementiert. Sein Schlafzimmer raubt mir den Atem. Hier ist die Luft so dick, die Trostlosigkeit und der innere Kampf so fühlbar. Hier erschlägt mich Überladenheit. Stickig ist es. Eng wird es in mir. Hier ist nur Schmerz. Drückender, endloser Schmerz. Trotz aller Pracht. Ungestillte Sehnsucht. 

 

Dieses Schloß verkörpert die ganze Seele eines Menschen. Ich fühle mich ihm nah. Ich fühle mein Verstehen, meine Nähe und ich bin glücklich, hier gewesen zu sein. Denn jetzt weiß ich, dass es kein Weg für mich ist, zu fliehen. Ich möchte kein zweiter Ludwig werden. Ich möchte nicht einem Himmel hinterherlaufen und dabei Ersatzwunder aus Stein schaffen, auch wenn sie so unglaublich schön sind. Auch wenn sie so viel bewegt haben und so viele Menschen berühren. Das war sein Weg. Das ist nicht Meiner. Ich werde daran erinnert, dass der Himmel in mir ist. Jetzt. Hier. In jedem Augenblick. Und dass ich auf dieser Erde goldrichtig bin. auf meine ganz eigene Weise. 

 

Ludwig werde ich im Herzen behalten. Seine Sehnsucht ist auch mein Antrieb. 

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