Licht und Dunkelheit

 Die Botschaft des Steinkreises

                Fotos: Heike Würpel

Auf dieser Windinsel namens Wittow ist alles schon von weitem zusehen. Auch die Steine, die wie ehrwürdige Wächter zwischen Himmel und Erde stehen. Direkt am Hochufer. Direkt über dem Meer. Was für ein Platz! Hier wird alles unmittelbar fühlbar. Dazu der Wind, der ständig um mich herum tost. Pures Erleben der Elemente. Pure Kraft und Energie. Pures Fließen und Verändern. Pures Leben.

 

Die Kraft, die der Ort ausstrahlt, ist für mich mit Händen greifbar. Schon weit vorher verwandle ich mich. Ich werde wieder zu einer atlantischen Priesterin. Das weiße Gewand ist da, das Schlangenarmband am rechten Arm erscheint, das Schlangensymbol auf dem dritten Auge an meiner Stirn taucht auf. Ich bin in einen anderen Raum eingetreten. In einen heiligen Raum. Und ich bin wieder die, die ich wirklich bin.

 

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Ich trete nicht in den Steinkreis. Mich ziehen die beiden Hauptsteine an, die wie Wächter am Bug eines Schiffes stehen. Das Schiff steuert nach Norden.  Und sie flankieren mich – rechts und links. Groß, kraftvoll und wartend auf einen Menschen, der ihre Sprache versteht. Rechts. Zuerst rechts. Ich lasse mich am Fuß des Steins nieder.  Sofort wird mir klar – das ist der Sonnenstein.

 

An ihn gelehnt, tauche ich mitten hinein ins Licht. Mein Solarplexus wird geflutet. Feuer, Hitze, Licht. So strahlend und heiß, wie ich es noch niemals zuvor erlebt habe. Aus ihm heraus entsteht eine Schlange aus Licht, die sich durch meinen ganzen Körper zieht. Es ist wie Feuer, ohne zu verbrennen. Es ist wie Leuchten, ohne zu blenden. Es ist pure Kraft und pure Energie. Sie erreicht jede Zelle in meinem Körper. Mein drittes Auge strahlt wie die Sonne selbst.

 

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Ich spüre in diesem Moment, die anderen Orte des Lichts. Alle Orte, an denen ich schon war. Jersey. Besonders Jersey wird ganz präsent in diesem Augenblick. Meine Erinnerungen, meine Erfahrungen, meine Erlebnisse fließen in diesem Augenblick in die Erinnerungsspeicher dieser Steine. Sie verbinden sich miteinander. Sie werden Eins. Mein Wissen ist jetzt auch hier. Und mir wird bewusst, dass das ein Teil des Sinns meiner Reisen ist. Ich verbinde die Welten miteinander. Ich verbinde die Orte miteinander. Ich mache die Welt wieder zu einem Ganzen.  Nur indem ich sie fühle, mich öffne und da bin. In diesem Moment wird alles Eins. Pure Verschmelzung geschieht.

Mein Kopf sinkt an den Stein und in diesem Moment wird mein Kehlkopfchakra zum Licht. Meine Worte, meine Sprache, mein Schreiben. Wieder die Klarheit, die Erinnerung – ich bin Bote. Meine Worte sind Botschafter. Ich muss darüber erzählen, was ich erlebe. Das hier ist die Bestätigung meines Weges und die Verpflichtung weiter zu gehen.  In mir ist ein großes Ja und pure Freude.

 

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Die Sonne wird mich niemals mehr schädigen. Ich werde von jetzt an Stück für Stück mit ihr tanzen lernen. Auch ohne alle schützenden Schichten. Auch mit dem Ozonloch und der ständig wachsenden Veränderung der Atmosphäre. In mir ist die Sonne. Ich bin mir ihr verschmolzen. Ich bin das Feuer und ich bin das Licht. Wir sind eins. Es wird Zeit, mich dafür zu öffnen. Langsam, sacht, in meinem Tempo.

Der Energiestrom, der diese Erkenntnis begleitet, ist der stärkste, den ich je erlebt habe. Ich bin durchflutet. Pure Energie. Pures Licht. Ich spüre eine innere Reinigung. Eine innere Neustrukturierung das Zellen. Sie ordnen sich anders an. Ich kann den Umbau richtiggehend fühlen. Freude. Freude. Freude. Es ist der richtige Zeitpunkt.

 

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Nur zögernd möchte ich mich von dem Strahlen lösen. Doch da ist noch der andere Stein. Und er ruft mich – jetzt. Kaum habe ich mich gesetzt, wird mein Zögern klar. Dieser Stein ist die Dunkelheit. Schwärze. Tiefstes Gegenteil des Lichts. Keine Sterne. Ein Sog, ein Loch. Ich bleibe. Und statt Angst fühle ich plötzlich die Weisheit der Dunkelheit.  Der ganze Zusammenhang wird klar. Mein Widerstand gegen diese Selbstzerstörung der Menschheit bricht in sich zusammen, ohne die Wahrnehmung zu verlieren. Mein Kampf wird sinnlos.

 

Ohne Dunkelheit gibt es kein Licht. Ohne Dunkelheit, kann ich mich selbst nicht als Licht erfahren. Eins bedingt das Andere. Mit der Dunkelheit kann ich mich selbst als Strahlen fühlen. Immer wieder – neu. Ohne Dunkelheit könnte ich nicht so leuchten, wie ich es jetzt tue. Es ist wichtig, dass es sie gibt.



Es ist wie eine Versöhnung, ein Umarmen. Ein Verbinden. Ying und Yang erscheinen in mir als Bild. Und in diesem Moment sehe ich die Strahlen, die von den Steinen ausgehen. Ein schwarzer und ein lichtvoller. Sie verbinden sich, verweben sich in der Luft und bilden einen starken Strahl, der in den Himmel reicht.  Die Welt wird eins.



Und in diesem Moment tauchen zum ersten Mal andere Menschen an dem Platz auf. Bis zu diesem Zeitpunkt sind sie nur vorbeigefahren. Jetzt halten plötzlich mehrere Autos auf einmal und eine Gruppe lärmender Paare taucht auf. Ich muss lächeln. Klarer könnte eine Botschaft nicht mehr sein. Willkommen Dunkelheit.

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