Pracht in Blau

 Ein verstecktes Kleinod

 

                Fotos: Heike Würpel

Diesen Schatz zu finden, ist nicht ganz einfach. Auch wenn der mitten auf der Île de la Cité liegt. Im Herzen von Paris. Doch von Außen ist nichts zu entdecken, was auch nur ansatzweise auf eine Kirche hinweisen könnte. Da warten nur die dicken Mauern des Justizpalastes und eine endlos lange Schlange von Menschen.

 

Es dauert lang, dieses Anstehen. Jeder, der hineinwill, wird auf Herz und Nieren geprüft. Metalldetektor, Durchleuchten, Abtasten, das ganze Programm. Und kaum bin ich endlich über diese erste Hürde gesprungen, wartet schon die nächste Schlange vor dem Eingang der eigentlichen Kapelle. Zeit, um mir das Äußere genauer anzuschauen.

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Allerdings vergesse ich die Details sehr schnell, als ich die ersten Schritte hinein gehe. Und auch wenn ich wußte, was mich erwartet, mit fehlen die Worte. Blaues Licht, Farbe, lichte Schönheit. Vom Boden bis zur Decke reichen diese prachtvollen Glasmosaikfenster. Alles, was ich von anderen Kirchen kenne, ist hier in absoluter Brillianz vereint.

 

Ich würde mich am liebsten in die Mitte auf den Boden legen und nur schauen und fühlen. Aber da ist kein Platz. Alles ist voller Menschen und eine Seite der Kirche bedeckt eine graue Schutzmauer aus Pappe. Dahinter wird restauriert. So wird es unmöglich, ein Foto vom gesamten Raum zu machen. Es bleiben Fragmente. Auch in mir.

 

Ich kann mich nicht so konzentrieren, wie ich es mir wünsche und ein echter Zugang zu diesem Ort bleibt mir veschlossen. Aber meine Augen trinken die Kunst und werden kaum satt. Es ist unglaublich, welche Details hier in den Himmel ragen. Wieviel Liebe, Kreativität und Schönheit auf engstem Raum versammelt sind.

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Das soll einfach nur eine Palastkapelle gewesen sein? Es macht mich traurig. Soviel Brillianz auf kleinstem Raum und der Rest der Welt? Der Rest, der nach solcher Sorgfalt und solchem Können dürstet? Der geht leer aus? Allein den Justizpalast anzuschauen, der sich um diese göttlichen Fenster erhebt, tut weh. Auch wenn das Gebäude eigentlich ganz schön aussieht, für weltliche Verhältnisse.

 

Warum schaffen wir Menschen dort einen Mini-Himmel und lassen ihre nächste Umgebung in der Profanität ersticken? Ist es nicht Indikator genug, das die Menschenmassen dieses Kapelle trotz seiner "Verstecktheit" geradezu stürmen? Zeigt das nicht mehr als deutlich, welcher Hunger nach Schönheit in uns allen lebt? Ich kann jeden verstehen, den es hierherzieht und der mit offenem Mund vor der Großartigkeit erstarrt. Schließlich geht es mir genauso. 

 

Aber die Traurigkeit weicht nicht. 

 

Auch ein Stockwerk tiefer bleibt sie, das in einer ganz anderen Art genauso prachtvoll schimmert. Es bleibt für mich weiter unmöglich, Kontakt mit der Erde unter mir aufzunehmen. Ich spüre nur, das ich dem eigentlichen Zentrum samt seiner Energie hier viel näher bin, als eben noch. Um mich herum herrscht ständiges Kommen und Gehen. Gespräche. Kommentare. Kameras. Alles lenkt mich ab.

 

Und so gehe ich am Ende zwar irgendwie erfüllt aber auch frustiert. Die Seele dieses Ortes ist mir verschlossen geblieben. Ich werde wohl wiederkommen müssen ;-)

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