Die Prüfungen der Angst

 Von den Dämonen in mir

Ein grüner Berg, darauf eine Kirche. So sieht La Hougue Bie auf den ersten Blick aus. Ungewöhnlich. Anders. Es fühlt sich wie eine Sammelplatz an Energien an. Unten der Dolmengang, darüber 15 Meter Hügel, die Kirche ganz oben und ganz nah an dem ganzen deutsche Bunker. Gebaut während der Besatzungszeit im 2. Weltkrieg von Zwangsarbeitern. Ich bin verwirrt. Verwirrt von dem Mischmasch der Geschichten. Vom Kommerz. Shop, Museum, Eintritt. 

Foto: Heike Würpel

Mich interessiert nur dieses Ganggrab. Eines der größten Europas. Dorthin zieht es mich. Zu diesem Eingang in dunkle Schwärze. Ich stehe davor und fühle die ganze Wucht der Steine. Tonnen. Einer der Decksteine wiegt allein 20 Tonnen. Der Gang ist niedrig. Nach wenigen, tastenden Schritten hinein drehe ich um. Zögernd. Unsicher. Dort hinein gehen? Hinein in den Druck der Steine über meinem Kopf? Wie in ein Grab? Die Steine wirken, als würden sie mich zerquetschen, wenn ich nur einen falschen Gedanken denke. Einen Gedanken der Angst. Und ich habe Angst. Bleibe stehen. Warte ab. Wage es. Über 10 Meter geht es hinein in den Berg, mitten hinein. Gebückt, fast krauchend, mir der Masse um mich nur zu bewußt, bewege ich mich ins Herz dieses Ortes. Vor dem Altar, vor dem liegenden Altarstein kann ich wieder aufrecht stehen. Hier ist auch Licht, eine schwache, sanfte Beleuchtung, die das Geheimnissvolle, Unfassbare dieses Platzes total unterstreicht. 

Ich setze mich auf den Altarstein und öffne mich meinen Gefühlen. Fast sofort tauchen Bilder auf. Spitze, scharfe, schwertähnliche Formen, Dornen, ragen aus meinem Kopf auf. Sie strahlen. Sie fühlen sich an wie ein kämpferischer Schutz. Sie sind Kampfwerkzeuge, Verteidigungsverzeuge. In mir wird alles eng. Kampf. Blut. Tod. Schreie. Zerfetzte Körper. Gewalt. Alles vage und gleichzeitig total erdrückend und greifbar nah. Es wird immer enger in meinem Inneren. Meine Angst wächst. Ich habe das Gefühl, beim kleinsten energetischen Ruckeln von mir, wird der Berg über mir zusammenstürzen. Mich erdrücken, erschlagen, ersticken. 

 

Ich fühle die Energien der Geschichte dieses Platzes. Die Energien der Nazis, das Leid, die Tränen der Zwangsarbeiter, die christliche Ebene. Alles bedroht mich und dieses Platz hier unten, am Beginn, am Fuß von Allem. In mir ist ein Schrei. Licht. Luft. Ich muß raus. Ich halte die Enge nicht mehr aus. Die Energien. Die Angst. Raus. Weg von hier. Weit weg. Ich renne gebückt ans Licht zurück und rechne jeden Moment damit, dass ich die Steine auf meinem Kopf fühle. Polternd. Prasselnd.

Mein Puls dröhnt durch meinen Körper. Ich brauche lange Zeit, bis ich wieder ruhiger werde. Was ist dort geschehen? Nachspüren, überlegen, fühlen. Ich gehe um den Berg herum, hinauf in die Kirche, hinunter in die Bunker. Nichts davon berührt mich wirklich. Es ist nur der Wunsch nach Bewegung, nach Zeit. 

 

Und dann erinnere ich mich an eine Geschichte, von der ich gelesen habe. In den "Prophezeiungen von Thoth". Eine Geschichte von den ägyptischen Pyramiden und ihrer möglichen Funktion als spirituellem Schlungsort für die Gedanken und Gefühle. Ein Ort, um sich mit den eigenen Ängsten zu konfrontieren und über sie hinauszuwachsen. Ein Ort, an dem ich durch meine Angst hindurch zu meinem wahren Sein gelangen kann. 

 

Das hier ist so ein Ort. Ich fühle es. Es ist mein Schlungsort, um über die Angst hinauszuwachsen. Durch sie hindurchzutauchen und neu geboren zu werden. Das vorhin waren meine Ängste. Die Ängste von einer Welt aus Haß, Krieg, Gewalt, Angst und Schmerz erdrückt zu werden. Ihr nichts entgegensetzen zu können. Überrollt zu werden. Zerquetscht zwischen den Emotionen einer Menschheit, die in Angst lebt. Es ist meine Angst, dieser Welt nicht begegnen zu können. Keine Kraft zu haben. Keine Macht. Dass mein Leuchten nicht reicht. Dass es verglimmt, wenn die Energien von Außen zu stark werden. Ich war im Gefühl, mich verteidigen zu müssen. Ich war mir meiner Kraft nicht bewußt. Sie war gar nicht da. Ich war ganz klein und unsicher. Kämpfen mit dem Rücken zur Wand führt nirgendwohin. Das habe ich gerade erlebt. Ich kann dieser Welt und der Angst in ihr nur begegnen, wenn ich selbst klar bin. 

......

 

Jetzt kann ich wieder hineingehen. Jetzt ist mir der Prozess bewußt und ich fühle mich selbst. Tief Luft holen. Hinein. Wieder sitze ich auf dem Altarstein, schaue den langen Gang hinunter. Zu den kleinen Licht am Ende des Tunnels. 

 

Alles hat sich verändert. Die Angst ist verschwunden. Die Schwerter und Dornen auf meinem Kopf haben sich verwandelt. Sie sind Lichtstrahlen geworden. Die Quelle dieses Lichtes bin ich. Diese enge Höhle kommt mir jetzt wie ein heimeliger, sicherer Schutzraum vor. Ich fühle meine Kraft. Das Licht, dass aus mir strahlt bildet eine Form um mich herum. Wie eine Aura, eine Art Feld und gleichzeitig ein Schutz vor allen Energien, die nicht zu mir gehören. Es gibt keinen Kampf mehr in mir. Das Licht strahlt von selbst. Ich brauche nichts zu tun. Ich bin nur da. Ganz still. Ganz ruhig. Ich lächle. Tief in mich hinein. Friedvoll.

 

In diesem Moment taucht wieder Atlantis in mir auf. Die Schlange, die in Faldouet noch um meinen Hals hing ist jetzt als Zeichen auf meinem Dritten Auge, auf der Stirn. Ein goldener Reif rahmt meinen Kopf ein. Es fühlt sich ganz vertraut an. Um mich herum tauchen zwei Atlantiden auf. Lächeln mich an. Ich nehme ihre Hände in meine. Warmes Freudengefühl durchströmt mich wie ein wunderbarer, nährender Brunnen. Der Raum ist jetzt voller Atlantiden. Alle sind in weiße Gewänder gekleidet. Das hier ist ihr heiliger Ort. Ein Ort des "wahren Seins". Ein Raum der Prüfung und ein Raum der Ängste. Ein Raum des Finden meines Lichts. 

 

Die ganze Zeit über fließen Tränen aus mir. Ich bin erschöpft, wie nach einem langen Lauf. Erschöpft und gleichzeitig vollkommen glücklich. 

 

In mir ist Gewißheit. Tiefe Gewißheit. Für mich gab es Atlantis wirklich. Diese Steine, dieser Platz ist ein Zeugnis ihrer Anwesenheit. So wie die Steinkreise und Dolmen, die sich über ganz Europa erstrecken. Von den Orkney Inseln Schottlands bis nach Portugal und Malta. Wie sie danach genutzt worden sind, das ist eine andere Geschichte. Es ist die Geschichte der Menschen, die vor und nach den Atlantiden an diesen Orten lebten. Menschen einer anderen Kultur. Ihre Geschichte hat sich vermischt. Auf Wegen, die ich noch nicht fassen kann. Aber ich weiß jetzt, wo die Geschichte von Atlantis weiterging und wie. Ich fühle, dass ich sich die Tür in ihre Welt weiter geöffnet hat für mich. Und ich freue mich auf alle Bilder, die jetzt kommen werden. Ich lade sie ein. 

 

In Freude, in tiefer, dankbarer Freude. 

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