Heiligkeit als Rummelplatz

 Pilgerstätte Mord

                Fotos: Heike Würpel

Eigentlich ist diese Kathedrale, deren Grundmauern aus dem sechsten Jahrhundert stammen, wunderschön. Aber sie ist auch der Schauplatz eines Mordes. Und sie ist eine Pilgerstätte, genau aus diesem Grund.

 

Aber nicht nur diese Tatsache hindert mich daran, die Schönheit wirklich wahrzunehmen und zu würdigen. 

 

Ich bin durch eine wuselige Stadt gelaufen, um hierher zu kommen und stehe an einem Eintrittshäuschen. Eintritt für eine Kirche? Ja, so ist das in England. Aber ich merke auch, dass das etwas mit mir macht. Dass es meine Einstellung verändert. Ein heiliger Ort wird zu etwas Geschäftlichem. Es passt nicht zusammen. Nicht für mich. In mir sträubt sich alles. Ich könnte warten, bis zum Abend. Bis zum Gottesdienst. Aber ich möchte jetzt hinein. Es ist kurz nach Mittag. 

Ich bin eine von Vielen. Japaner, Chinesen, Amerikaner. Franzosen. Enländer sind auch dabei. Hunderte von Menschen sind in diesem riesigen Gebäude verteilt. Überall wird gesprochen. Von Stille keine Spur. Führer zeigen den Menschen die wichtigsten Stellen, Fotos werden gemacht, Kommentare abgegeben. Und mittendrin versuchen einige Menschen zu beten und in sich zu gehen. Hoffnungslos scheint mir das.

 

Es erscheint mir auch hoffnungslos, die Orientierung zu behalten in diesem Gebäude. Das ist keine einzelne Kathedrale. Es ist eine Verschachtelung von Räumen und Kirchen. Mit Unerteilungen, Treppen und eigenen Räumen, die mir zuerst vollkommen fremd und unverständlich erscheinen. Groß und Fremd.

In Canterbury stehe ich mitten in der englischen Geschichte. Ich sehe die Schreine, ich sehe die Stelle, an der Thomas Becket getötet wurde. Und ich fühle - nichts. Gar nichts. Ich stehe mitten in architektonischer Pracht, mitten im Schein von Glasfenstern, die in allen Farben funkeln. Ich sehe sie, ich kann sie für die Bauart bewundern. Aber ich fühle nichts. Nichts. Ich gehe in jede Ecke dieser Kathedrale. Es verändert sich nicht. Und die Menschenmassen stören mich so sehr, dass ich die Flucht antrete. Ich möchte hier nicht mehr sein. Hier gibt es nichts für mich. Gar nichts.

 

In diesem Augenblick weiß ich, dass ich auch keine andere Kirche in Großbritannien anschauen werde. Nicht dieses Mal. 

 

Es sind andere Plätze, die mich diesmal rufen. Keine christlichen Häuser. Es sind die Plätze aus der Zeit davor.

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