Freiheit!

 Schottlands Held - und Schottlands Verrat

Allein beim Schreiben der Überschrift, sind Tränen in meinen Augen. Die Bilder steigen in mir auf. Bilder aus Film und Wirklichkeit, die sich vermischen, untrennbar werden. Bilder aus dem Leben von William Wallace. Es ist schwer, nach Mel Gibson's Film "Braveheart" Verklärung, Geschichte und Realität auseinanderzuhalten. Ich weiß nur, dass mich dieser Film immer wieder zutiefst berührt. Und dass die meisten Fakten stimmen. Vielleicht ist das auch gar nicht so wichtig, was wirklich war. Eigentlich muss ich nur meinem Herzen folgen. Und mein Herz sagt mir, dass William Wallace so lebendig ist, wie im 13. Jahrhundert, als er gegen die englische Krone für die Freiheit Schottlands kämpfte. Weil seine Botschaft lebt.

 

Freiheit. Freiheit, sein eigenes Leben zu leben, sein Schicksal selbst zu bestimmen. Es in die eigenen Hände zu nehmen, unabhängig von irgendwelchen äußeren Zwängen. Das ist seine zentrale Botschaft für mich.

 

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Ich fühle ihn an meiner Seite, schon bei den ersten Metern in diesem Land. Er ist mir vertraut. Er ist mir vertraut, mit seiner Leidenschaft. Seinem Feuer. Er hat mit den Mitteln seiner Zeit gekämpft. Er hat mit dem Wissen seiner Zeit gekämpft. Er ist seinem Stern gefolgt. Er ist für seine Überzeugung gegangen. Bis zum Ende. 

 

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Sein Feind hieß Edward I., englischer König. Ein König, den die schottischen Adligen, um Hilfe gebeten hatten. Weil sie ihre eigenen Streitigkeiten nicht mehr allein lösen konnten. Edward wollte nicht nur vermitteln. Er wollte Schottland. Wallace' schlimmerer Feind waren jedoch die Schotten selbst. Die Adligen haben ihn verraten. Aus Angst. Aus Angst um ihre Besitztümer. Aus Angst um ihr Geld. Aus Angst vor der Übermacht einer Armee, die sie für die stärkste der Welt hielten. Sie haben sich klein gedacht. Und wurden klein. So klein, dass sie ihre Chance auf Unabhängigkeit an den englischen König ausgeliefert haben.

 

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William Wallace hatte Edward I. einmal besiegt. In Stirling. Dafür wurde er zum Wächter von Schottland ernannt. Von den gleichen Adligen, die ihm später in den Rücken fielen. Ein Jahr nach dem Sieg kam die Niederlage. Durch den ersten Verrat. Der zweite folgte wenige Jahre später. Wallace wurde von den Menschen, denen er zur Freiheit verhelfen wurde und denen er vertrauen wollte, verraten. Ausgeliefert. Nach England gebracht. Und in London an der Stelle, an der heute Smithfield Market ist, umgebracht. Das war keine einfache Hinrichtung. Es war ein Schlachthaus. Er ist viele Tode gestorben. Edward wollte ein Exempel statuieren. Und hat einen Märtyrer geschaffen. 

 

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Nur wenige Jahre später nahm Robert the Bruce sein Zepter auf. Schottland wurde frei. Bis heute spüre ich die Scham eines ganzen Landes. Bis heute ist der innere Streit nicht beigelegt. Daran kann auch das große Denkmal in Stirling nichts ändern, dass mich auf meiner Fahrt zurück nach Süden grüßt. Heute ist Schottland wieder am Überlegen. Möchte es sich von England lösen oder nicht? Diesmal ist der Grund nicht Freiheit. Diesmal heißt der Grund Geld. Solange es Schottland gut geht, solange das Geld aus London fließt, ist Unabhängigkeit kein Thema. Aber sobald der Fluß stockt, kommen die Gegenstimmen auf. 

 

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Ja - Freiheit ist wichtig. Ich fühle William neben mir stehen. Ich fühle sein Feuer so lebendig, wie damals. Eine helle leuchtende Flamme brennt. Er steht auf den weiten Hügeln dieses Landes. Seine Augen leuchten. Freiheit. Freiheit. Sie wird kommen. Aber sie kommt nicht durch den Kampf und den Sieg über irgend einen äußeren Feind. Denn dort draußen ist kein Feind. Der Feind sind wir selbst. So wie die Schotten damals und heute, ihrer wirklichen Selbstbestimmung aus dem Weg gehen, so gehen wir unserer eigenen Selbstbestimmung aus dem Weg. Wir haben Angst davor und sehnen uns gleichzeitig so sehr nach dieser Freiheit. 

 

Denn sie bedeutet, das eigenen Leben wirklich in die Hände zu nehmen. Mit der ganzen Verantwortung für jede Entscheidung, für jeden Schritt. Dann gibt es niemanden mehr, den man für Fehler verantwortlich machen könnte. Dann ist keiner mehr da, auf den wir mit dem Finger zeigen können. Dann müssen wir uns, uns selbst stellen. Das ist die wirkliche Angst. Die Angst, die Verrat ermöglicht. So, wie damals.

 

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William bleibt an meiner Seite. Ich fahre an den Schlachtfeldern vorbei. Das Monument in Stirling, dass ihm die Schotten errichtet haben, leuchtet im warmen Abendlicht. Es ist ein Gruß. Sein Gruß. Er wird bei mir bleiben. So wie viele andere Menschen aus allen Zeiten. Wir stehen, Seite an Seite und schauen in das Licht eines neuen Morgens.

 

Ja, ich bin bereit.

 

Bereit für die Freiheit.

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