Licht und Dunkelheit

 Erkenntnisse des Herzens

Fotos: Heike Würpel

Eine langgezogene Auffahrt bringt mich mit meinem Rad hinauf auf den Berg. Ganz oben winkt die Kirche schon von weitem jedem zu, der sich nährt. Rutskirke ist die höchstgelegene Kirche der Insel.  Ich spüre ihre Ausstrahlung fast einen Kilometer lang, bevor ich überhaupt da bin.

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Es ist der älteste Teil – eine romanische Kapelle aus dem 12. Jahrhundert, die mich anzieht. Weißgekalkte Mauern. Die Aussicht von hier oben verschlägt mir den Atem. Ich kann buchstäblich über die gesamte Insel schauen. Als ich vor der Kirchentür stehe, höre ich Orgelklänge und sofort verwandelt sich die Atmosphäre in etwas Heiliges.


Auch im Gebäude ist es nur diese Kapelle, in der heute der Altar steht, gekrönt von einem wunderschönen Deckenfresko, die mich anzieht. Ich setze mich und lausche der Orgelmusik. Sie öffnet den Raum. In mir und in dieser Kirche. Purer Genuss. Die Tränen beginnen von ganz allein zu fließen, ohne das ich weiß, warum.

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Ganz sacht kommen die Bilder herangeflogen. Weich wie Federn landen sie in meinem Bewusstsein. Ein Kreis von Menschen. Weißgekleidet. Sie stehen direkt unter diesem Fresko und schauen mir gleichzeitig mitten in die Seele. In ihrer Mitte ist ein Lichtstrahl. Warm, glänzend, kraftvoll. Er kommt aus der Erde und geht hinein in den Himmel. Eine Säule aus Licht. Ein Licht, dass mich im Innersten berührt und erschauern lässt.


Ich zittere, die Tränen fließen stärker und ich spüre pure Reinigung. Mein Körper entlässt alles aus sich, das nicht zu ihm gehört. Meine Seele lässt alle Eindrücke los, die wie Gift wirken. Alles, was sich in den letzten Tagen in mir angesammelt hat, alles was sich in meinen Leben angesammelt hat und noch keinen Ausgang finden konnte, alles, was in mir ist, und nicht zu meinem wahren Wesen gehört – alles das fließt aus mir heraus. Das Zittern wird stärker, fast verkrampft. Zucken, wie unter Schmerzen, aber ohne irgendeine Spur von Leid. Es ist nur Erleichterung in mir. Freude, dass etwas gehen kann.  Ich muss nicht wissen, was mich verlässt. Es ist gar nicht nötig. Es ist nur wichtig, dass es geschieht.

 

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Und plötzlich wird mir bewusst, dass genau das der Sinn von heiligen Plätzen war und ist. Reinigung, Heilung. Dieser Ort hier war ein Ort, um zu sich selbst zurückzukehren. In einer Welt, die ihr eigenes Licht verleugnet und so tief in der Angst verstrickt ist, sind diese heiligen Plätze, wie Energietankstellen. Es sind Orte, um sich selbst wieder bewusst zu werden. Es sind Plätze, um alle Angst loszulassen. Es sind Plätze, um sich der Liebe und der eigenen Herkunft bewusst zu werden.  Diese Orte sind überall auf der Erde verteilt. Es sind die Orte der Lichtstrahlen. Energieknotenpunkte.


Es war niemals die christliche Kirche, die diese Wirkungen entfaltet hat. Sie hat nur das genutzt, was schon da war. Es waren auch nicht die alten Kulturen, die diese Wirkungen hatten. Auch sie haben nur das genutzt, was sie fühlen konnten. Sie haben die Plätze gespürt und genau dort ihre Steinkreise, Tempel und Haine errichtet. Doch die Wirkung war vor ihnen da. Sie kommt aus der Erde selbst. Weil diese Erde pure Liebe ist. So, wie wir Menschen.

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Wir bewegen uns auf eine Zeit zu, in der die gesamte Erde ein Tempel sein wird. Eine Zeit, in der jeder Platz zu einem heiligen Platz wird, weil in unseren Herzen Liebe lebt. Ich weiß, wie ich mittlerweile selbst diese Lichtstrahlen aktivieren kann. Sie warten nur darauf. Die Erde wartet nur darauf, dass es geschieht. Es ist unabhängig vom Platz. Es ist unabhängig vom Ort. Es kann überall geschehen. Es braucht nur ein liebendes Herz. Und alles verwandelt sich. Eine Welt voller Licht. Ja, ich kann sie fühlen, ich kann sie sehen. Und ich weiß, dass sie nah ist. Näher, als jemals zuvor.  Und ich weiß auch, dass meine Reisen das Licht bringen. Überall hin. An so viele Orte in dieser Welt.

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