Seelenlose Pracht

 Das Aufeinanderprallen der Gegensätze

Foto: Heike Würpel

Nicht weit vom Londoner Bankenviertel entfernt liegt sie Kathedrale, die mit ihrer Austrahlung hervorragend zum Geist der Finanzwelt passt.

 

Es ist eine unheimliche Pracht, die mich erwartet, nachdem ich 16 Pfund Eintritt bezahlt habe. Pracht konzentriert auf einen winzigen Platz.

 

Ich bin sprachlos. Stehe da, wie selbst in Stein gemeißelt, als meine Augen versuchen zu erfassen, was hier vor mir sichtbar wird. Ich irre über die hohe Kuppel den weißen Stein, Kunstschätze, Verzierungen. Das hier ist ein Monument. Ein wirkliches Monument, in dem sich die kreative Kraft der Menschheit ein Denkmal gesetzt hat. In dem alle Fähigkeiten der Künstler und Architekten ihre Botschaft in die Welt hinausrufen können. "Schaut her, wozu wir in der Lage sind!"

 

Alles hier ist atemberaubend. Groß. Übergroß. Es ist wie ein neuer Gott. Ein Abbild der Kraft, die eigentlich in unseren Seelen lebt. Es fühlt sich an, als wollten die Erschaffer unbedingt ein Gegengewicht erschaffen zu dem Gott, den wir in uns spüren. Als würde nur so unsere eigene Größe sichtbar werden können. Aber für mich kommt bei dieser grenzenlosen Selbstdarstellung die gegenteilige Botschaft heraus.

 

Denn ich weiß, was jenseits dieser Türen wartet. Und ich vergesse es nicht, nur weil ich hier stehe. Dort draußen ist Dreck und Lärm. Dort ist eine Welt, die ihre eigene Schönheit vollkommen vergessen hat. Dort ist graue Farbe, Zweckmäßigkeit der Gebäude, abblätternder Putz, Schimmel und Chaos. Mit jedem der zahllosen Besucher schwappt eine Erinnerung an diese Welt hinein in den steinernen Himmel. 

Foto: Heike Würpel

Ich schaue in jeden Winkel, ich steige auf den höchsten Turm und betrachte London von oben. All die Wirklichkeiten, die hier nebeneinander existieren.

 

Und am Ende gehe ich mit einem Wunsch im Herzen. Ich wünsche mir diese Schönheit, diese schöpfe-rischen Energien und diese Kreativität für jeden Ort dieser Erde. ich wünsche mir diesen Willen für jede Handlung, die wir Menschen ausführen. ich wünsche mir diesen Sinn für Harmonie in jedem Moment unserer Leben. St. Paul's Cathdral zeigt, wozu wir in der Lage sind, wenn wir wollen. Es ist alles da. Alle Fähigkeiten. 

 

Sollten wir mit diesen Schätzen in unserem Innern nicht in der Lage sein, eine Welt zu schaffen, die uns mit ihrer Schönheit nährt. Eine Welt, die blüht. Orte, Häuser und eine Lebensart, die die Augen streichelt und die Seele jubeln lässt? Sollten wir nicht in der Lage sein, jeden Atemzug zu einem Ausdruck des Himmels zu machen, den die Erbauer dieser Kathedrale so kunstvoll kopiert haben? Sollten wir nicht in der Lage sein, zu mehr als diesem Wahnsinn, der mich in jedem Ort anfällt, den Menschen erbaut haben?

 

Ich glaube daran und jetzt weiß ich, das wir alles können und in uns tragen, was dafür nötig ist. Dieser Bau ist ein Zeugnis dafür.

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