Ein Ende der Mauern

 Freier Himmel statt dunkler Räume

       Fotos: Heike Würpel

Diesmal ist es ganz anders hier. Die äußere Schönheit berührt mich immer noch. Ich fühle auch weiterhin die Energie, die hier strömt und lebt. Aber eine ganz andere Botschaft, ein ganz anderes Gefühl bricht sich jetzt seine Bahn.

 

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Es beginnt mit dem Schock, als ich die Kathedrale betrete. Sie ist so düster. So unendlich dunkel und drückend. Ja, da sind die Buntglasfenster, die Pracht, die Brillianz der Farben. Aber es bleiben kleine Inseln, kleine Schimmer in einem Raum, der mich hinunterzieht. Ich kenne das Leben jetzt als leuchtenden Fluß, als pure Energie. Ich kenne sie als freien, ewigen Strom, voller Kraft, unbändig. Dieses düsteren Mauern, das dunkle Innere ist das Gegenteil dieses Lebens. All' diese Kreativität in der Architektur erscheint mir nur ein Abglanz zu sein, eine farblose Kopie einer unkopierbaren Wirklichkeit. Es ist ein Versuch, festzuhalten, was fließen muss. Die Mauern ersticken. Sie scheinen mir als falscher Schutz, als eine Illusion. Die Illusion, etwas festhalten zu können, was bei jedem Festhalten stirbt. 

 

"Liebe lässt sich nicht in Mauern sperren."

 

Sie muss lebendig, frei und weit strömen können. In jeder Form, in jeder Art, in jedem Moment. Jeder Versuch, sie einzusperren, wird sie töten. So klar, so deutlich, wie hier, in diesem Moment, habe ich das niemals vorher gefühlt. 

 

All' diese Mühe, all' das Geld, all' die Schätze, alle Kreativität sollte jetzt in etwas anderes fließen. Für mich ist die Zeit steinerner Monumente vorbei. Ich will leben, keine Denkmäler. Ich will Schönheit, in jedem Augenblick, mit jedem Atemzug des Lebens. 

 

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Ja, es ist schön, zu sehen, was Menschenhände möglich machen. Es ist eine Offenbarung, die Kunstfertigkeit unserer Herzen zu fühlen. Aber trotz allem, es bleibt Kopie, es bleibt für mich, toter Stein. Ich weiß im gleichen Atemzug, das Stein niemals tot ist, aber dieser Drank etwas für die "Ewigkeit" in "Stein zu meißeln", lässt für mich das Leben darin sterben. Er stellt etwas dar, was er nicht ist. Und auch nicht sein sollte.

 

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Auf dieser heiligen Quelle, dieser puren Energie, auf der diese Kirche steht, wirkt das ganze Bauwerk für mich jetzt wie ein Pfropfen auf einer Sektflasche. Er versperrt, er blockiert, er dämmt ein. Ja, die Quelle ist da. Und wie. Ich fühle sie in all ihrem Strahlen, in all ihrem Licht. In all ihrem pulsierenden Leben. Dieses frische, blühende Leben, das wünsche ich mir hier anstatt des steinernen Meers. Ich wünsche mir stetigen, ewigen Wandel. Momente sind nicht zum Festhalten da. Und Gott - Gott braucht keine Botschaften aus Stein. Sie liebt das satte Grün.... 

 

Ich sehe die Wälder vor mir, die blühenden, leuchtenden Wiesen. Klare Bäche. Lachende Menschen. Frei, unbekümmert. Lebendig! Städte? Nein, danke. Sie sind für mich in diesem Augenblick die pure Antithese des Lebens.

 

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Und so gehe ich aus dieser Kirche, aus dieser Stadt, mit all ihren wundervollen Bauwerken, mit all ihrer Kunst. Ich sehe sie, ich kann sie schätzen, aber ich freue mich darauf, einen Baum zu umarmen. Ich freue mich darauf, den Wind in meinem Haar zu spüren und den Geruch blühender Kirschbäume. Ich freue mich auf die Weite des Horizonts. Ich freue mich darauf, im Fluss zu schwimmen und mich treiben zu lassen. Die Augen im Himmel, den Körper auf der Erde. Weil ich dort Gott wirklich fühle. In mir und in allem, was mich umgibt.

 

 

 

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