Im hellen Licht des Südens

 Ein Treffen der Extreme

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Es sind nicht nur Welten, es sind ganze Universen, die hier, am Ende Europas, aufeinanderprallen. 

 

Nobelvillen samt Luxuskarosserien säumen die edlen Restaurants der Küste. Ferienhaussiedlungen verbauen jeden Zentimeter Algarve-Süden. Supermarktwerbung an der Schnellstraße und daneben ein Eselskarren.....

 

Es reicht, nur wenig Meter von den Hauptstraßen abzuweichen und ich bin mehrere Jahrhunderte in der Zeit zurückgereist. Dort "moderner" Wohlstand in Form von Appartmentblocks & Hochhauskulissen, auf der anderen Seite kleine Dörfer, in denen alte Leute beim gemütlichen Schwatz zusammensitzen. Hier Drängler auf den Straßen, dort ein ganz gemächlicher Lebensrhythmus. 

 

Faszinierend. Es ist wirklich faszinierend, den Spuren all der Menschen hier zu folgen. Portugal ist für mich ein buntes Kaleidoskop alles Menschlichen. Hier treffen sich die Wohnmobilisten aller Länder. Die einen - meist die Engländer - stehen gemeinsam, Seite an Seite in extra dafür vorgefertigten Betonplätzen nahe der Städte. Die anderen - vorzugsweise die Deutschen - suchen sich einsame Strände (ja, es gibt sie noch) und nehmen sie für sich ein. Jeder hat so seine eigene kleine Hochburg eingerichtet, in diesem Land. Die Surf-Urlauber, lässig und cool, residieren im Westen. Die Rasta-Zopf-Träger im Südwesten. Die Engländer bei Silves und in Orten wie Luz oder Salema. Die alternative Fraktion trifft sich bei Aljezur oder Figueira. Hier gibt es auch gleich noch eine Waldorfschule. Und die Deutschen haben unter Anderem Carvoeiro als Erste entdeckt. 

 

Es gibt die Urlauber, die nur wenige Tage oder Wochen bleiben. Und es gibt die Auswanderer, die einen ganzen Lebensabschnitt hier verbringen. Es gibt die Tatkräftigen und die Senioren. Alle auf der Suche nach Sonne und den Segnungen des Klimas. Alle zieht es hinunter in dieses Land, in dem die Grundstückspreise noch bezahlbar sind und das so einen Flair von vergangener Zeit verströmt, wie es sonst kaum der Fall ist. 

 

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Und die Portugiesen? Sie leben in ihrer eigenen Welt und lassen nur sehr ungern wirklich jemanden hineinschauen in ihre wahren Gefühle. Der Schein nach Außen ist wichtig. Die Herzlichkeit aber, die kommt wirklich von Innen. Sie beginnt dann, wenn man sich auch nur wenige Zentimeter in ihre Richtung bewegt. Es reichen ein paar rudimentäre Redewendungen auf Portugiesisch und das Lächeln geht wie die Sonne in ihren Gesichtern auf. Sie sind es nicht gewöhnt, als eigenständiges Volk geachtet zu werden. Immer mussten sie sich irgendwie gegen den spanischen Überhang verteidigen. Nicht nur sprachlich. Und das Selbstbewußtsein als Volk blieb unter der Diktatur Salazar's auch ziemlich auf der Strecke.

 

Bis heute trauert das ganze Volk. Es trauert der großen Zeit hinterher. Es wartet auf den Befreier und Erlöser. "Saudade" ist keine Erfindung, es existiert wirklich. Dieses unterschwellige Gefühl von Schicksalsergebenheit und fast schon Hoffnungslosigkeit. Nicht umsonst ist "Fado", dieser Gesang, der zu Tränen rührt, immer noch der direkteste Ausdruck der portugiesischen Seele. 

 

Sie waren einmal groß. Vor Jahrhunderten. Und sie wären es gern wieder. Irgendwie. Aber eigentlich, eigentlich glaubt niemand daran, das es je wieder geschehen wird. Und so arrangiert sich jeder. Mit dem Leben. Mit den Schicksalsschlägen, die unerbittlich kommen. Mit den viel zu hohen Preisen und den viel zu niedrigen Gehältern. Mit der extremen Arbeitslosigkeit und der Landflucht. Es gibt viele Wege, zu vergessen, wie die Wirklichkeit aussieht. Das Palavern in den vielen Kaffeehäusern ist nur eine davon. Die süßen Stücke aus dem maurischen Erbe sind ein klitzekleines und super leckeres Trostpflaster. Und auch die täglich eingesogenen brasilianischen Telenovas im Fernsehen sind ein wunderbares Opium. 

 

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Ich habe sie ins Herz geschlossen, diese Menschen. Ich habe auch das Land ins Herz geschlossen. Diese unendlichen Weiten der Korkeichenwälder, die wilden Küsten und auch den Wahnsinn der Touristenwellen. Ich liebe es das Hinterland der Küsten zu erkunden. Mitten in den grünen Hügeln in weißen Dörfern zu landen und beim Kaffee dem Dorfleben zu folgen. Ich liebe die einsamen Wege an den Steilküsten. Und ich liebe die Gesichter und die Seelen der Menschen hier. Ich liebe ihre Wärme. Und ich wünsche ihnen, das sie ihren Weg finden. Inmitten dieses Mahlstroms der Welten. Inmitten von Globalisierung und Erholungshungernden Nordeuropäern. Ich wünsche ihnen, das sie ihr Wesen behaupten und das sie sich langsam der Zukunft zuwenden. Einer Zukunft, die sich nicht auf Eroberungen und Sklavenhandel berufen muss, um groß zu sein. Einer Zukunft ohne neue Diktatoren und in einem Gefühl von echter Freiheit. Einer Zukunft, die ihnen entpricht. In einer ganz, ganz eigenen Mischung.....

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