Zwei Seiten eines Traum's

 Die Wiederbelebung menschlicher Wüste

                                                                                       Fotos: Heike Würpel

Über zwanzig Pfund Eintrittspreis. Bei dieser Zahl muss selbst ich schlucken. Das riecht sehr nach purem Kommerz gepaart mit einem Hauch Größenwahn. Kann dieser Ort das rechtfertigen? Ich möchte es herausbekommen. Also los. Ich bin nicht so weit gefahren, um jetzt, an der Schwelle, wieder umzukehren. Ich habe schon zuviel vom Engagement und Herzblut der Gründer des Eden Projects gehört, um einfach kehrtzumachen. 

 

Alles hier wirkt extrem gut durchorganisiert. Und zwar in Dimensionen, die für mich äußerst abschreckend wirken. Endloses Großparkplätze, perfekte Einteilungen. Durchdachtes Leitsystem. Nichts ist dem Zufall überlassen. Nichts wurde vergessen. Eine Millionen Besucher pro Jahr fordern allerdings auch eine gescheite Infrastruktur. Bei diesen Zahlen schleicht sich bei mir eine leichte Gänsehaut ein. Genauso wie beim endlos großen Shopping-Bereich. Hilfe! Wo bin ich gelandet? 

 

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Eigentlich ist es nicht so fremd. Die anderen Gärten der Insel sind nicht soooo anders aufgestellt. Hier ist alles einfach nur einen Tick gigantischer. Aber es ist die konsequente Fortsetzung einer kompletten Garten-Philosophie samt dazugehörigem Menschen- und Naturbild. Durchatmen. Ich lasse die Eindrücke an mir vorüber fließen und gelange endlich nach draußen. Dorthin, wo bis vor wenigen Jahren nur eine tote Landschaft existierte. Die Reste einer riesigen Abraumhalde. Kaolin wurde hier der Erde entrissen. Und hinterließ ein großes häßliches, lebloses Loch in der Erde. Das ist jetzt zehn Jahre her. 

 

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Was ich jetzt erblicke, hat nichts mehr mit dem zu tun, was Bilder von damals zeigen. Alle Hänge sind mit einem grünen Flaum bedeckt. Überall wächst es. Überall ist Leben. Und mittendrin stehen die berühmten, riesigen Biome. Im übertragenen Sinn, riesige Kuppeln oder überdimensionale Gewächshäuser in Bienenwabenoptik unter denen tropische und mediterrane Flora zu Hause ist. Es ist nicht einfach nur ein Garten. Es ist nicht einfach nur eine gigantomanische Zurschaustellung von Natur rund um den Globus. Es ist nicht nur die gelungene Wiederaufforstung einer menschlichen Müllhalde. 

 

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Was Eden Project für mich wirklich ausmacht, ist das Hintergrundwissen, das anhand jeder einzelnen Pflanze vermittelt wird. Diese tiefgründige Vermittlung ökologischer Zusammenhänge. Die immense Faktenvielfalt, die sich vor mir ausbreitet. Jede Handlung, jeder Konsum, jeder Eingriff hat Folgen für die Natur. Und alle diese Folgen werden hier dargestellt. Genau an den Ansatzpunkten, an denen sie wirken. Wie Dominoketten kann man in Eden Project den Spuren seiner eigenen Lebensweise auf die Schliche kommen.

 

Doch dabei bleibt es nicht. Denn auf viele Arten, eine kreativer und erfinderischer als die Nächste, werden auch mögliche Alternativen spürbar gemacht. Das Netz, das sich hier ausbreitet, ist so vielfältig, das ein Tag beileibe nicht genug wäre, um alle Verästelungen und Anregungen zu verfolgen. Eden Project entpuppt sich als die Vision eines anderen Lebens. Hervorragend aufbearbeitet. Hautnah dargestellt und von A-Z stimmig. 

 

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Nein, das hier ist nicht einfach nur ein Garten. Es verkörpert die Seele eines neuen Umgangs mit der Erde. Dabei habe ich nur einen Bruchteil der Ideenvielfalt gesehen. Allein der Blick auf die Webseite sprüht vor Ansätzen. Ein Feuerwerk sieht dagegen ziemlich farblos aus. Und aus diesem Grund ist für mich mein Besuch am Ende jeden Cent wert. Ein Cent, der noch dazu komplett in diese Projekt fließt. Gemeinnützig. Es geht nicht um Gewinne. Es geht darum, wirklich etwas zu bewegen. Auch das überzeugt mich. 

 

Als ich wieder fahre, habe ich Tränen in den Augen. Dieser Ort schenkt mir die Überzeugung, das es viele Menschen auf diesem Globus gibt, die neue Wege suchen und erfinden. Es macht mir Hoffnung. Es lässt mein Herz wieder aufschauen. In eine Zukunft, die blüht.

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