Der Spiegel der Gemeinschaft

 Männliche und Weibliche Kraft ohne Balance

Foto: Heike Würpel

Wow. Wow, ist der erste Impuls. Der Kreis sieht auf den ersten Blick wunderschön aus. Kunstvoll. Geballte Kreativität und Schöpferkraft. Freude. 

 

Wenige Sekunden dauert dieser Eindruck, dann bleibt mir fast die Luft weg. Der Brustbereich wird ganz eng, mein Herz scheint sich zusammenzudrücken und die Luft vibriert, wie eine Hand, die mich zurückhelt. Eine Mauer hat sich um den Kreis gebildet. Pure Energie. Betreten nicht erwünscht. Ich warte einen Moment. Und noch einen. Die erste Abwehr legt sich langsam. Aus dem Nein, wird eine neutrale Gleichgültigkeit. Frei nach dem Motto: "Na, wenn's denn sein muss."

 

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Foto: Heike Würpel

Ich gehe hinein. Und steuere nach einigem Zögern den Stein an, der sehr nah am Zentrum und auch an dem von mir so gefühltem zentralen Stein steht. Für mich ist er die Verkörperung der Weiblichkeit. Ein Frauensymbol ist hineingemeißelt. Wunderschön. Er lädt mich zum Anlehnen ein.

 

Was ich fühle, ist fast undefinierbar. Ein Schwanken im Wind. Haltlosikeit. Hin- und Hertreiben. Ein Baum, ohne Wurzeln. Jeder Sturm lässt ihn wanken. Von Seite zu Seite. Ich kann keinen echten Grund ausmachen, keine Standfestigkeit, keine Klarheit.

 

Alles bleibt schwammig. Ein Nicht-Festlegen-Wollen steht für mich dahinter. Die Weiblichkeit hat keinen Boden unter den Füßen an diesem Ort. So kommt es bei mir an und es deckt sich mit dem Bild, das sich den ganzen Tag über gefestigt hat. Es deckt sich mit der Energie, die ich hier in Tamera gefühlt habe. 

 

Diese Steine sind für mich Symbole der Gemeinschaftsmitglieder. Sie verkörpern diese Gemeinschaft. Sie sind ihr Spiegel und ihre Seele. So fühle ich also die Weiblichkeit am Platz vertreten. Stellvertretend für Sabine Lichtenfels, weil sie als Gründerin die Verkörperung der Frau neben Dieter Duhm sein müsste. Das hier ist für mich "ihr" Stein. Ihre Kraft. Und sie ist erschreckend unstet und wacklig. 

 

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Neben ihr, wartet der Traumstein. So ist seine offizielle Bedeutung. Auch mein "Frauenstein" hat einen anderen Namen und einen ganz anderen Hintergrund. Weil jeder etwas anderes fühlt, der solche Kreise betritt. Weil sie jedem seine ganz eigene Botschaft erzählen. So, wie mir jetzt. Aber ich finde es schon sehr bezeichnend, das ich mir ausgerechnet da nicht merken kann, was er eigentlich verkörpern sollte.

 

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Zurück zum Traumstein.

Foto: Heike Würpel

Er ist in meinem Fühlen das absolute Zentrum dieses Kreises. Obwohl es kein Zentrum geben sollte oder dürfte. Aber das ändert in meiner Wahrnehmung gar nichts am Spüren. Ich stehe vor der männlichen Kraft des Platzes. Verkörpert von Dieter Duhm. Und ich setze mich auf die einladende Fläche, die wie ein Sessel wirkt. Ja, es ist diese Kraft. Ich kann ihn spüren, ich kann die Männer spüren, die ich in dieser Art kenne. 

 

Das hier IST das Zentrum von Tamera. Es ist die Kraft, die alles in der Hand hält. Der Baum ist knorrig, er ist alt, er hat ein Wurzelwerk, das sich rege, in jeden Teil des Ganzesn verzweigt. Es ist ein Wachstum, das ich als Krebs wahrnehme. Nicht gesunde Weiterenwicklung. Keine Balance, sondern zwanghaftes Müssen. Wie ein Geschwüre greifen die Wurzeln in fremden Boden. Verästelt sich, umfassen, kontrollieren, nehmen ein. Es ist eine Invasion, kein Miteinander. Ich spüre die Sucht dahinter. Es ist nichts, was ein wirklich gutes Gefühl erschafft. Eine kurze Befriedigung, ja, aber dann muss schon wieder etwas Neues kommen.

 

Ein endloser Weg, der niemals irgendwo ankommt. Ein Gehetzsein. Viel mehr als bloße Unruhe. Nein, es ist Verausgabung, Selbstzerfleischung und purer Streß. Und darin diese kleinen Lichter der Befriedigung. Wie ein Stein verklummpt die Energie langsam in meinem Magen. Alles kommt zum Stillstand und am Ende wirkt dieser ganze Kreis wie ein Friedhof. Nur einen kurzen Moment lang. Aber der prägt sich ein. 

 

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Ich kann nicht länger sitzen bleiben. Es ist mörderisch für mich hier. Ich muss mich energetisch ausklinken. Ich muss mich ganz bewußt trennen. Mich auf die äußere Form der Steine konzentrieren. Auf die Monogramme, die eingemeißelt sind. Auf einen anderen Bereich. Aber auch das geht nicht lange gut. Und ich bin heilfroh, als ich den Kreis wieder verlasse. 

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