Langsam öffnet sich mein Herz

 Sonnenglut auf der Haut

Ich habe lange einen großen Bogen um den Süden gemacht. Immer wieder wollte mich das Leben hier hinunter bringen. Besonders nach Griechenland. Immer wieder bin ich, fast gegen meinen Willen, auf den Inseln des Mittelmeeres gelandet. Freiwillig hätte ich sie mir nicht ausgesucht. Allein die Hitze, diese unertägliche Sonnenglut, hat mich fast wahnsinnig gemacht.

 

Ich brauche Kühle, ich brauche die Kälte der Luft, um mich wirklich wohlzufühlen. ich bin ein Nordlicht. Badewannenwarmes Wasser mag ganz nett sein, aber ich möchte, das mir Kälteschauer über die Haut rinnen, wenn das Meer mich berührt. Dann geht es mir richtig gut. Hier, im Süden, da werde ich gebraten. 

 

Und nicht nur das. Das Lebenstempo, der Lärm, dieses überbordende feiernde Volk sind mir fremd. Ich liebe die Stille. Ich rede achtsam und nicht zu laut. Griechenland ist das blanke Gegenteil von meinem inneren Gefühl. Die Musik, die in den lauen Sommernächten alle Orte übertönt, lädt mich nicht zur Partystimmung ein, sondern lässt mich verzweifelt in die hinterste Ecke kriechen und mir die Ohren verstopfen, um wenigstens etwas Schlaf zu finden. Denn am Mittag gelingt mir das bei den Temperaturen nicht. 

 

Ich stolpere über den Müll, den jeder achtlos in die Landschaft wirft und verliere darüber fast den Blick auf die Schönheit der Landschaft. Alles hier stört mich. Die Art der Menschen, ihr Umgang mit der Natur und diese kahl gerodeten Berge, die eigentlich voller Wälder sein sollten. 

 

......

 

Ich habe einen ganzen Sommer lang auf Kreta gelebt. Ich war auf Santorini und dreimal hat mich die Liebe und mein Willen, mir meine dunkelsten Seiten anzuschauen nach Korfu gebracht. Aber erst in diesem Jahr - 2013 - nimmt auch meine Seele Kontakt zu den Inseln des Lichts auf. Erst jetzt, kommt die Verbindung zustande, die schon so lange auf mich gewartet hat.

 

Die Hitze ist die Gleiche geblieben. Die Berge sind immer noch braun gebrannt, die Sprache klingt in meinen Ohren auch weiterhin wie eine pure Vergewaltigung der Stimmbänder. Das Schreien der Leute hat sich nicht verändert. Jeder redet laut, um gehört zu werden. Und dabei werden die Laute zu Kanonenfeuer. Die Musik dröhnt immer noch allabendlich durch sämtliche Zimmerritzen. Jede Bar übertönt die Andere. Das Grillenzirpen hat dagegen gleich gar keine Chance. 

 

.......

 

Aber ich habe mich verändert. Meine Einstellung hat sich verändert. Es gelingt mir, hinter diese äußere Fassade zu schauen und eine Schönheit zu sehen, die ich vorher nur in wenigen Momenten wahrnehmen konnte. Diese Augenblicke sind mir im Gedächtnis geblieben. Und so beschreiben die Erlebnisse in diesem Land nicht nur das, was ich 2013 hier erlebt habe sondern auch Ereignisse aus den Jahren davor. Neu erlebt, zusammengefasst, anders betrachtet und mit dem Herzen geschrieben.

 

2014 habe ich Griechenland bewußt gewählt. Ich will wieder hierher kommen. Ich bin über den Korfu-Trail gewandert und dabei bin ich den Menschen so nah gekommen, wie niemals zuvor. Zweimal 200 Kilometer quer über die Insel. Zweimal Berge und Täler, kleine Dörfer, schwarz gekleidete Frauen, Tavernen, griechische Salate und verlassene Klöster. Zweimal Wege, die ich allein niemals gegangen wäre. Jeder Schritt war eine Offenbarung. Jeder Schritt hat mich tiefer geführt. 

 

Am Ende komme ich wieder an die Orte, die ich schon aus den Jahren davor kenne. Und auch sie entdecke ich neu. Inseln des Lichts. Ja, das sind sie für mich. 

 

 

 

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