Die Magie des Lichts

 Mein Heiliger Platz an der Westküste

Fotos: Heike Würpel

Ich bin "nur" durch "Zufall" hierher gekommen. Weil ein Nachmittag unseres Seminars halt an diesem Strand stattfindet. Das ist der einzige Grund, der mich an diesen Ort bringt.

 

Jeden Tag davor bin ich in die andere Bucht hinuntergestiegen. Die Bucht nebenan. Agios Stefanos war mir zu weit. Es hat mich gar nicht angezogen. Ich habe nicht einmal daran gedacht, durch die Mittagshitze auf der glutblubbernden Straße hinuter zu laufen.

 

Aber dieser Ort ist wunderschön. Die Steilküste lässt mich atemlos staunen. Sie erinnert mich an Rügen. An die Kreidefelsen. Nur, das hier die Sonne endlos scheint und das Wasser herrlich warm ist. Alles an diesem Platz lädt dazu ein, sich ins Wasser sinken zu lassen. Auch dieser endlos weite, wunderbare Strand, der sich so weit in uneinsehbare Ecken zieht. Einmal um die Kurve gegangen, verschwinden die Hotels und die Touristen in Badekleidern. Der FKK-Bereich beginnt. Und damit die Freiheit. Ich geniesse es in vollen Zügen.  

 

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Von diesem Moment an verbringe ich fast jeden Tag hier unten. Ich werde Eins mit dem Wasser, dem Sand und dem Horizont.

 

Ich lege meine Hände auf die sonnenheißen Steine und geniesse die Wellen, die an manchen Tagen das Baden zum Surfabenteuer werden lassen. Hier beginnt meine Liebe zum warmen Meer. Und hier erlebe ich auch die ersten Momente intensivster Verbindung mit der Erde.

 

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Es ist eine Meditation. Ich liege still da, die Sonne sinkt langsam in Richtung Horizont. Es sind die Tage der Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko. Weit weg von diesem Ort, aber in mir so präsent, wie das leichte Plätschern der Wellen, nur wenige Schritt entfernt. Ich reise dorthin. Die Delfine führen mich. Die Stimmen der Wale führen mich. Es ist vollkommen neu, was hier geschieht. Niemals vorher habe ich so etwas erlebt. Bildhaft. Voller Intensität. Absolut lebendig.

 

Ich folge der Spur des Öl's. Ich sehe diese schwarze Masse, die aus dem Boden bricht und aus klarem blauen Wasser, schwarze erstickende Brühe macht. Ich sehe die Fische ersticken. Ich höre die Hilfeschreie der Meeres und seiner Bewohner. Sie haben micht hierher gerufen. Und mit einer Kraft, die ich bis dahin nicht einmal kannte, beginne ich die Realität zu verwandeln. Ich verschließe das Loch. Nur mit der Kraft meiner Gedanken. Nur mit der Kraft meiner Visionen. Nur mit einem Gefühl, das tief aus meinem Inneren kommt. Mit einer Gewissheit, die vollkommen neu ist. 

 

Ein Teil von mir möchte daran zweifeln. Eine Stimme fragt leise nach, was ich mir eigentlich einbilde. Ich will das Bohrloch schließen? Ja, ich. Die Sicherheit meiner Antwort ist genauso neu, wie alles Andere. Ich weiß, das es wahr ist, was hier geschieht. Ich weiß, das es kein Traum ist und kein Wichtig-Machen.

 

Wenige Tage später, nachdem ich noch vollkommen durcheinander und seelisch durchgeweicht, die vielen Schritte zurück in mein Appartment gegangen bin, kommen die Nachrichten. Das Bohrloch konnte geschlossen werden. Und in mir ist die Gewissheit, das dieser Abend am Strand von Korfu eine der Ursachen für diese Erfolgsmeldung ist. 

 

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Ein anderer Abend. Vollmondnacht. Eine unglaublich intensive Stimmung liegt in der Luft. Energie vibriert. Ich bin in einem tiefen Prozess, der mich durch den Schmerz eines anderen Lebens führt. Das hier ist der Ort, an dem alles heilen kann. Das ist der Ort, an dem ich laut schreien kann. So lange, bis meine Stimme ganz rauh ist. Niemand hört mich. Niemand sieht mich. Hier kann ich sein, was ich bin. Voller Tränen, voller Krämpfe, voller Wunden aus Jahrhunderten. Alles drängt aus mir heraus. Das sanfte Licht umscheint mich und verwandelt jeden Fußbreit Boden in den Himmel meiner Seele. Ich bin zu Hause. Hier, an diesem Platz. Allein, mit mir. 

 

Es dauert lange, bis ich durch alle Schichten gereist bin. Es dauert lange, bis alle Tränen geweint sind. Am Ende stehe ich da, spüre den Sand unter meinen Füßen, sehe die hohe Felswand neben mir und fühle mich so ganz und sicher, wie niemals zuvor.

 

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In diesem Herbst ist der Strand fast unter den Wellen verschwunden. Er ist so sehr geschrumpft und wasserdurchtränkt, das es fast unmöglich ist, ein Plätzchen zum Liegen zu finden. Dazu kommt der Wind. Ein kalter Wind. Selbst das Wasser wird von einem Tag auf den Anderen zum arktischen Gewässer. Meine Hautporen protestieren und wollen nicht mehr hinein in die Kälte. Sie sind nach fast zwei Monaten Sommerhitze etwas anderes gewohnt. 

 

Aber ich komme hinunter, immer wieder. Ich bade im wilden Meer. Oder versuche es zumindest. Ich laufe wieder bis zum Ende, das jetzt viel weiter vorn verläuft. Mein magischer Ort hat sich verwandelt. Und ich bin nicht sicher, ob er noch einmal so wichtig sein wird, wie vor wenigen Jahren. 

 

In meinem Herzen jedoch bleibt die Verbindung bestehen. In meinem Herzen ist die Vergangenheit so lebendig wie dieser Augenblick. Dort ist alles Eins.

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