Das ganz bewußte Gehen 

Sein in jedem Augenblick

Die Intensität dieser Augenblicke ist enorm. Der Augenblicke des Abschieds. Der ganze Morgen wird durchtränkt von Bewußtheit. Jeder Handgriff durchdacht. Jeder Schritt, geplant. Es ist ein Tag, an dem ich gleich nach dem Aufstehen die letzte Wäsche wasche und darum bete, das der Wind sie noch trocknen möge. Es ist der Tag, in dem ich die Dinge zur Post bringe und in ein Päckchen nach Deutschland einschnüre, die zuviel sind. Ohne zu wissen, ob das auch wirklich stimmt. Das Wetter ist unberechenbar. Vielleicht fehlt mir am Ende gerade das, was jetzt auf dem Weg zurück ist, ohne mich. 

 

Es ist ein ständiges Aussortieren, auf einer Reise. Ein ständiges neu Justieren und erleben, wie wenig wirklich nötig ist. Es ist auch ein ständiger Kontakt zu dem Gefühl, doch irgendetwas festhalten zu wollen. Ein ständig neuer Blanceakt zwischen Vertrauen, Loslassen und dem Bedürfnis nach äußerer Sicherheit.

 

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Wieder habe ich viel zuviel zu Essen eingekauft. In mir gibt es eine Instanz, die Vorräte braucht, um sich sicher zu fühlen. Und die in all diesen Tagen ständig neu lernt, das Vorräte vollkommen nutzlos sind, weil sie mir die Freiheit nehmen, in diesem Moment zu entscheiden, was stimmt. Ich habe Beides gehabt, Vorräte und den Moment. Am Ende hatte mein Magen mehr zu arbeiten, als mir gut tut. Und trotzdem ist noch soviel übrig. 

 

Der Überfluss umgibt mich. Es ist schwer, nein zu sagen, wenn Augen und Nase locken. Ich bin nicht oft an diesen Konditoreien vorbeigegangen. Vor allem nicht an der mit den leckersten Pasteis do Belém. Gestern noch haben mich meine Schritt dorthin geführt. Und es hat himmlisch geschmeckt, wider besseren Wissens. 

 

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Jetzt ist der Koffer gepackt, in einer halben Stunde kommt meine Vermieterin. Alles, was vor einer Woche geschah, passiert nun in umgekehrter Reihenfolge. Die Schlüssel wandern zurück in ihre Hände. Die Wohnung gehört wieder ihr. Und ich? Ich verschwinde bei jedem Packen Stück für Stück aus den Räumen. Ich kann richtig zuschauen, wie die Wohnung wieder in ihre Neutralität zurückkehrt. Als hätte es mich nie gegeben. 

 

Als hätte ich nie hier gesessen. Geschrieben, geträumt, gelesen, nachgedacht und Nacht für Nacht geschlafen. Ich gehe. Und nehme meine Erinnerung mit. Mein Wissen. Meine Erkenntnisse und meine Dankbarkeit für einen kleinen Hafen. Laut, aber mein. Für eine ganze Woche. 

 

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Es sind andere Abschiede als früher. Alles ist intensiver. Wie in helles Sonnenlicht getaucht. Dieses harte, klare. leuchtende Licht, das es nur im Süden gibt. Das Licht, in dem alles stärker hervortritt und unmittelbarer wird. Sie sind so, weil ich intensiver lebe, als jemals zuvor. Und weil ich fühle, wie ich immer mehr in diesen Fluß gleite, der Leben heißt. Weil ich immer stärker nur im Jetzt bin. Und jeden Moment zur Unendlichkeit wird.

 

Ich denke auch an den Flug. Ich denke an den Blick auf die Stadt von oben. Ich denke an die Azoren. Aber sie sind noch weit weg. 

 

Jetzt bin ich hier. Ich höre die Autos. Ich höre die Männer draußen rufen. Langsam breitet sich Frieden in mir aus, wie eine warme Decke. Ich bin bereit. Es ist Zeit, zu gehen.

 

Und draußen beginnt der Himmel zu weinen....

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