Königsgeschichten 

Was von all den Kämpfen bleibt

Es ist faszinierend, die Lebensläufe der französischen Könige zu verfolgen. Verwirrend ist es allerdings auch. Irgendwann purzeln die Nummern hinter all den gleichen Vornamen unweigerlich zu einem bunten Einerlei zusammen. Welcher Ludwig war das nochmal? Und welche Mathilde oder Louise? 

 

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Das Einzige, was mir hilft, sind Geschichten. Wirkliche Geschichten. Ich möchte diese Menschen vor Augen haben mit ihrem Leben. Ich brauche sie greifbar und unaustauschbar. Fühlbar. Ich brauche Zusammenhänge und ein großes Ganzes. Ich möchte wissen, warum und wieso etwas genau so passierte und nicht anders. Und dabei tauche ich in Bücher ein, Romane, Erzählungen. Ich lausche den Anekdoten und den kleinen Nuancen am Rande. Jahreszahlen? Noch nicht. Erst einmal kommt der Mensch, die grobe Ordnung, dann kann es feiner werden. 

 

Ich möchte wissen, wer Diane de Poitiers und Katharina von Medici wirklich waren. Ich möchte die verschiedenen Blickwinkel kennenlernen, mit denen ihre Zeitgenossen sie gesehen haben. Ich verfolge gespannt das Leben der Eleonore von Aquitanien und das eines Franz I.. Ihren Leben nachzuspüren, lässt mich den großen Bogen, den die Menschheit schon beschritten hat, soviel besser verstehen.

 

Aber immer dann, wenn die Biographen im Überschwang ihres Wissen, mit Namen, Völkern und Verbindungen nur noch so um sich werfen, beginne ich den Kopf zu schütteln. Wer soll da noch hinterher kommen können? Und wozu diese Flut? Es geht um Zusammenhänge. Um ein wirkliches Erfassen, nicht um ein Schwelgen in "schaut mal, was ich alles kenne"! 

 

Mehr als irgendwo sonst, spüre ich hier wieder, das eine Masse an "Wissen" dem Verstehen arg im Weg steht. Und dem Verstanden werden gleich mit.

 

 

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Die Reiseleitung, die ich hier habe, klingt nach einer Herausforderung. Elf Tage, zehn Schlösser, eine Abtei, der Alterswohnsitz von Leonardo da Vinci, zwei Stadtbesichtigungen, acht Wanderungen und achteinhalb Tage Vorbereitungszeit.... Was so unglaublich unmöglich scheint, macht mir einen riesengroßen Spass und erscheint so leicht wie ein Moussé au Chocolat. Ich kann tatsächlich alles unterscheiden. Ich habe keinen Schwindelkopf und keinen Gedanken-Knockout. Im Gegenteil.

 

Ich habe Freude an all diesen Geschichten. Ich habe Freude an allen diesen Schlössern. An der Feinheit der Arbeiten, den architektonischen Meisterleistungen. Ich schwelge in den Formen und in dem Rausch der überschwänglichen menschlichen Kreativität, die sich vor meinen Augen in alle Höhen aufschwingt. Ich schwelge auch in den Biographien. Auch wenn ich nur einen Bruchteil behalte. Es ist gar nicht so wichtig.

 

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Wichtiger ist, zu verstehen, was alles miteinander verbindet. Und letztlich ging es für jede Königin, jeden König, jeden Grafen und jeden Herzog. Jeden Diener und jeden Financier um das Gleiche. Den Erhalt ihres eigenen Geschlechts. Den Erhalt der äußeren Sicherheit. Den Erhalt ihres Lebens und ihres Lebensstandard.

 

Und das ging in ihrem Glauben und ihr ihrer Zeit nur mit dem Erhalt von Macht, Gütern, Land und Stand. Glück spielte keine Rolle. Gar keine. Alles war der Sicherheit untergeordnet. Absolut alles. Jede Hochzeit. Jeder Gedanke war ein Geschäft. Alles wurde vorausberechnet und auf die möglichen Folgen überprüft.

 

Kein Wunder, das bei soviel Grenzen so oft über dieselben hinausgelebt worden ist. Irgendwo musste sich der freie Geist austoben. Entweder bei Mätressen, bei Kriegen, Literatur, Dichtung, Musik, Mode oder bei der Architektur. Die Blüte des Einen wurde zur Blüte des Anderen. Es ist so spannend, das zu verfolgen. So spannend, zu verstehen.

 

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Zu verstehen, wie jeder Schritt, den irgendein Mensch auf dieser Welt gegangen ist, unabdingbar wurde für den nächsten, den ein anderer gehen konnte. Wie eins auf das Andere aufbaut. Wie alles ineinander greift und nichts allein stehen könnte oder für sich selbst aus dem Nichts heraus lebt. Die Könige hatten eigentlich im Sinn, sich selbst zu einem lebenden Denkmal zu machen. Unsterblichkeit sozusagen. Aber sie haben letztlich nur bewiesen, das sie ein Stein in einem großen, großen, großen Gebäude sind. Einer. Ein wichtiger, unersetzlicher. Genauso unersetzlich, wie der ihres geringsten Dieners.... 

 

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Und so schaue ich mir morgen die letzten zwei Schlösser an, und da Vinci's Haus. Und alle neuen Freunde werden mir da wiederbegegnen. Wie in einem großen Finale. Amboise und Chaumont.... 

 

Dann lasse ich mich überraschen. Vom Wissensdurst meiner Gäste und von mir selbst. Aber eines ist sicher, ich habe mich schon jetzt reich beschenkt. Von der Energie, mit der ich jeden Tag auf Entdeckungsreise gegangen bin, von dem Elan, mit dem ich den Inhalt der Bücher in mir aufsauge und von der Begeisterung für die Geschichte der Menschheit.

 

Von dieser Lust am Lernen, die nicht versiegt und die ich seit meiner Kindheit in mir trage. Jetzt kann ich Geschichte so erfahren und verstehen, wie es mir entspricht. Und es macht soooo eine Freude. Pure Freude!

 

 

 

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