Am anderen Ende des Regenbogens 

Kia Ora Aotearoa

Es ist weit bis an's auf die andere Seite der Erde. Sehr weit. Niemals sind mir die Entfernungen so bewußt geworden, wie auf diesem Flug. Sechs Stunden nach Dubai. Fünfzehn Stunden von Dubai nach Melbourne. Drei Stunden von Melbourne nach Auckland. Eine wunderschöne, riesengroße Wundertüte. Ankommen in einer vollkommen anderen Welt.

 

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Alles ist fremd und gleichzeitig vollkommen vertraut. Die Natur, die Laute der Vögel in meinen Ohren, die Silhouette der Bäume - sie sind neu. Auch wenn ich vor vierzehn Jahren schon hier war. Aber ich spüre deutlich, wie anders meine Wahrnehmung jetzt ist. Als hätte ich eine geschärfte Lupe vor meinen Augen und einen Verstärker in meiner Ohrmuschel. Es berührt mich, unmittelbar. Nichts ist weggebeamt oder abgefedert. Ich bin in einem Wunderland. Neuseeland - so heißt es, ist als letzter Teil des einstigen Urkontinents dieser Erde übrig geblieben. Und damit eine Natur, Fauna und Flora, wie sie vor Millionen von Jahren auf diesem Planeten lebendig war. Ich glaube es sofort. 

 

Aber ich fühle auch, die Verbindung mit dieser Landschaft. Mit dieser Fremdheit. Als wäre eine uralte Saite in mir zum Klingen gekommen. Eine Umarmung, ein Willkommen zurück. 

 

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Was darin stört, ist der Trubel der Stadt. Auckland. Der Verkehr, die Menschen. Sie wirken wie ein schriller Ton inmitten einer wohldurchdachten Symphonie. Die Häuser, die Enge, der Lärm. Nichts davon fügt sich ein. Es läuft parallel, nebendran. Aufgesetzt und eigenartig.

 

Je länger ich hier bin, umso mehr spüre ich die beiden Welten. Und irgendwie gehören sie doch zusammen. Holprig, mühsam, kämpfend, gegeneinander, aber irgendwie, mehr schlecht als recht, Hand in Hand. 

 

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Ich nehme alles in mir auf. Alle Seiten.

 

Die der Gegenwart mit den Wolkenkratzern im Stadtzentrum, den wildwuchernden Holzhäusern an den Berghängen, der Lässigkeit und Herzlichkeit der Paheka. Das kriegerische, mit dem Land verbundene und absolut faszinierende Erbe der Maori. Ihre wundervolle Sprache, die ich hier oft höre. In einer Selbstverständlichkeit, die mir Tränen in die Augen steigen lässt. So, wie dieser wunderbare Film auf Maori, den ich hier im Kino gesehen habe. "Dead Lands". Einen besseren Einstieg in diese Kultur konnte mir nicht über den Weg laufen. 

 

Ich nehme die Weite des Himmels und des Wassers mit. Das Grün der glattgeschorenen Hügel. Grasland, wo einmal Wälder wogten. Schafe, Kühe, Zäune, dort wo Kauri's stehen sollten. Die steilen Küstenlinien. Wild, schroff, unbeherrschbar. Die zarten roten Blüten des Pohutakawa-Baum's. Die drolligen Laute des Tui-Vogels. Und das Licht. Dieses scharfe, helle Licht, das in den Augen Konturen zaubert, die ich so nicht kannte. Dazu eine Sonne, die greller brennt als an irgendeinem Ort dieser Erde. Strahlen, die ohne Schutz aus dem Himmel fallen. Weil wir den Schutz weggewischt haben, gedankenlos. Und jetzt versucht jeder, so gut es geht, mit Lichtschutzfaktor 50 bis 85 der Hautkrebsgefahr Herr zu werden. 

 

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Fremde Vertrautheit. Ein wundervolles Land. Eines, in dem sich Weite und Enge, Zerstörung und Liebe zur Erde die Hand reichen. Ein Land, in dem die Menschen stören und versuchen, die Störung wieder gut zu machen. Ein Land voller Organic Shops, Meditationszentren, Yoga-Retreats und 4-Wheel-Car's. Ein Land der Parties und Feuerwerke. Ein Land voller Strand-BBQ's und Freizeit-Outdoor-Freaks.

 

Gibt es hier jemanden, der keinen Sport treibt? Jemanden, der nicht voller Eland auf Mountainbike, mit dem Surfboard oder wenigstens joggend unterwegs ist? Gibt es jemanden, der nicht im Abendlicht über den weiten Strand fährt, um mit dem rostigen, hochmotorigem Jeep apruptes Kurvenfahren auszuprobieren? 

 

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Fast Food und Bio-Essen, Freiheit ohne Rücksicht auf Verluste und tiefe Spiritualität. Hier liegt alles offen vor mir. Es ist ein bisschen, als wäre ich in das England der 60er/70er Jahre gestolpert, das sich mit diesem weiten, wilden Land verheiratet hat. Macho-Cowboy-Mentalität findet sich Seite an Seite mit selbstverständlicher Gleichberechtigung. Konservative ältere Paare, die auch direkt aus Devon oder dem ländlichen Oxford stammen könnten leben neben bierdosenhaltenden Männern, deren nackter Oberkörper im Sonnenlicht funkelt und denen Schuhe selbstredend fremd sind. Überhaupt - barfußlaufen ist Pflicht in Neuseeland. Und das ist mir sehr symphatisch!

 

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Also, dann gehe ich mal auf Entdeckungsreise. Tief hinein in die Vergangenheit und mittendrin in der Gegenwart. Dort, wo sich Himmel und Erde treffen, dort, am anderen Ende des Regenbogens, dort bin ich in diesem Monat zu Hause. 

 

 

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