Ungezähmte Wildnis

 Kahurangi National Park - Nordinsel

Fotos: Heike Würpel

Der Heaphy Track ist einer meiner Traumwege in diesem Land. Ich wollte ihn schon lange gehen, aber er war bisher immer einige Längen zu schwer für meine Beine. 75 oder 82 Kilometer, je nach Leseart und Buch führt er vom Golden Bay hinüber an die Westküste der Nordinsel. Und streift dabei alle denkbaren Landschaftsformen. Jetzt sind die Wege sorgfältig neu erbaut und befestigt worden. Bohlenholz trägt die Wanderer über die schlimmsten Schlammlöcher und Brücken warten da, wo früher jeder Regenguss aus Bächen reißende Gewässer gemacht hat. Unpassierbar zu Fuß. 

 

Nur die "Sandflies", die sind auch heute noch da und warten auf unbedeckte Haut. Aber sie stören mich weitaus weniger, als ich es jemals erwartet hätte. Dafür warten auch auf diesem Trail, so weit weg von jeder Zivilisation oder Behausung wieder die Wesen auf mich, denen ich so gern und so gründlich aus dem Weg gehen möchte. Menschen. Andere Wanderer. Sie stören mich ungemein. Weil ich genau hier, in diesem Flecken Natur eine Kraft fühle, in die ich mich ganz fallen lassen möchte. Mit Haut und Haaren. Seele und Herz. Pur und ohne jeden Rückhalt. Weil ich fühle, das es hier möglich ist und das sich dieser Platz eine Energie bewahrt hat, nach der ich auf der ganzen Welt lange gesucht habe. 

 

Der Heaphy Track führt mich direkt in das Zentrum der Kraft. Er führt mich auch wieder in das Zentrum meiner eigenen Hölle. Eine Wiederholung vom Abel Tasman Trail. Noch einmal die volle Breitseite menschlichen Lautstärkewahnsinns. Noch einmal dieses erdrückende Gefühl in einer Hütte aufeinander zu hocken. Ohne entrinnen zu können, dem Lärm und der Unachtsamkeit von 20 Mitwanderern ausgesetzt sein. Weil draußen der Regen gegen die Scheiben prasselt. Diesmal ist die Prüfung noch eine Spur härter. Und sie nimmt mich noch mehr mit. Weil mir die letzte Erfahrung noch in den Knochen steckt. Weil zwischen beiden Wegen nur zwei Tage Pause lagen. 

 

Und gleichzeitig schaffe ich es genau hier, mitten in dieser Welt aus Dramen, Angst und hochgestellten Lautstärkeknöpfen ganz bei mir anzukommen. Ich finde meine Lücken. Ich finde meinen Raum und ich nehme ihn mir auch zum ersten Mal in seiner ganzen Breite und Länge.

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