Ich bin das Licht

 Wintersonnenwendfeier in Berlin

Eine Abend mit einhundert Menschen. Der Raum ist dicht gefüllt. Stimmengewirr. Unglaubliche Lautstärke. Die Luft virbriert von all den Gesprächen und meine Ohren tun weh. Alles in mir will weg von diesem Lärm. Alles in mir sehnt sich nach Stille. Selbst die Menschen, die mir einmal nahe waren, erscheinen mir fremd. Mir fehlen die Worte. Ich möchte gar nicht sprechen. Ich weiß auch nicht, was ich sagen sollte. Weil das, was mich im Augenblick wirklich berührt, für sie aus einer anderen Welt kommt. Und ihre Welt für mich Vergangenheit ist. Und so schauen wir uns nur an, wechseln wenige belangelose Sätze und ich versinke dankbar für das "nicht reden müssen" in meinem Inneren. Dort, wo ich mich ganz auf das konzentrieren kann, was mir heute und hier wichtig ist. Mein Fühlen. Der Jahresabschluss. Der Rückblick und der Aufbruch.

 

Ich bin den ganzen ersten Abendteil ganz in mir versunken. Die Worte, die Meditation, das Tanzen, alles fließt durch mich hindurch, wie Wasser und findet kaum Widerhall. Erst die eigentliche Meditation zum Jahresrückblick berührt mich tief und nimmt mich wie auf einer Welle mit. Anders, ganz anders, als es angeleitet wird. Und gerade deswegen in einer Intensität, die mich in Tränen aufgelöst dort sitzen lässt.

 

Was ist es, das ich loslassen will? Klar und deutlich kommt die Antwort: Den Zweifel. Den Zweifel an mir. Den Zweifel an meiner Intution. Den Zweifel an meiner inneren Stimme. Den Zweifel an meinen Gefühlen. Den Zweifel daran, wie ich die Welt sehe. Den Zweifel an meinen Schlussfolgerungen. Den Zweifel an meinen Schritten. Meinem Weg. Und gleichzeitig ist vollkommen klar, was ich einlade: Das Vertrauen. Vertrauen in mich selbst. Uneingeschränkt. Unverfälscht. Unverzerrt. Und vollkommen unabhängig davon, was jeder, wirklich jeder um mich herum dazu meint. Egal, ob die ganze Welt etwas anderes macht, glaubt oder lebt. Egal, ob meine besten Freunde etwas anderes meinen. Egal, ob der Mann, den ich liebe, eine vollkommen andere Meinung hat. Ich vertraue mir. Nur mir. 

 

In mir breitet sich Leichtigkeit aus. Freude. Gewissheit und ein unglaublich tiefer Frieden. Ich habe die ganze Zeit nur mit mir selbst gekämpft. Jetzt kann ich es spüren. So deutlich, wie niemals zuvor. Es gab niemals einen anderen Gegner. Nur mich. Ich stand mir selbst im Weg. ich selbst habe mich auseinandergenommen und zerfetzt, weil ich nicht so war oder funktionierte, wie es nach allen äußeren Meinungen richtig sein sollte. Und hier - endlich - fühle ich - Frieden. 

 

......

 

Mit diesem Gefühl, dieser Gewissheit gehe ich in das Ritual. Ein dunkler Raum. Eine einzelne dicke, erleuchtete Kerze steht in der Mitte. Eine große Spirale aus Teelichtern rankt sich um sie herum. Die Spirale ist noch dunkel. Die Teelichter warten auf ihr Licht. So, wie diese Nacht.

 

Jeder Schritt, den ich jetzt im Raum gehe, hat seine Bedeutung. Ich bin so bewußt und klar, wie ich es noch nie empfunden habe. Der Platz, an dem ich sitze, jeder Gedanke, jede Handlung ist ein Symbol für mich. Diese Kerze in der Mitte. Das bin ich. Ich bin dieses Licht der Welt. Und ich bin die, die ihr Licht auch daran anzünden wird. Hier. Damit daraus eine Lichterspirale wächst. Jeder ist eingeladen, in den Kreis zu gehen. Und mit jedem angezündeten Licht, erhellt sich der Raum. Zeit spielt keine Rolle mehr für mich, in diesen Momenten. Sie dehnt sich, streckt sich.

 

Ich fühle die Unruhe im Raum. Die Energien, die sich ein schnelleres Ritual wünschen. Die inneren Stimmen in den Köpfen der Menschen, denen es alles viel zu langsam geht. Aber ich geniesse diese Unendlichkeit, mit der sich das Licht ausbreitet. Es braucht seine Zeit. Und das ist gut so. Langsam, ganz langsam wird es heller. So, wie bei der Morgendämmerung. Fast unmerklich. Lange, nachdem sich der Raum geleert hat und die Stimmen dort draußen wieder in voller Lautstärke tönen, sitze ich immer noch fasziniert vor dieser Lichtspirale. Geniesse den Flammenschein und bin versunken in der Symbolik. Die Kerze wird mich begleiten in meinem neuen Jahr. Ich weiß es. Das Licht ist in mir und ich werde diese Bild des wachsenden Lichterscheins niemals vergessen.

 

Besonders dann, wenn die Dunkelheit überhand zu nehmen scheint. Ganz besonders dann. In den Momenten, in den ich den Glauben, an die Menschheit wanken fühle. Dann erinnere ich mich daran, das alles seine Zeit braucht. Und auch, wenn ich es nicht unbedingt immer wahrnehmen kann, das Licht wird heller. Es geht hier nicht nur darum an mich selbst zu glauben, mir zu vertrauen. Es geht auch darum, dem Leben zu vertrauen und dem Licht..... 

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