Freude am Lernen 

Erkenntnisse im Unterricht

Ich liebe es, zu lernen.

 

Die Schulzeit hat dieser Liebe zwar einen gehörigen Dämpfer beschert, aber in den letzten Jahren ist diese Liebe wieder in voller Blüte erstrahlt. Und in diesem Winter tauche ich so mitten hinein. In meine Liebe für Sprachen. Ich möchte mit ihnen spielen, ein Gefühl für sie bekommen, diese fremden Zeichen verstehen, die Schönheit der Laute spüren und über sie die Menschen fühlen, die sie sprechen. Ihre Kultur, ihr Denken, ihre Eigenheiten in mich aufnehmen.

 

Ich spüre, das mein Gehirn unbegrenzte Fähigkeiten hat. Es ist keine theoretische Feststellung, ich erlebe es auch so. Es fällt mir total leicht, Neues in mir aufzunehmen. Es ist ein Kinderspiel. Aber nur solange ich es auch als Spiel empfinde. Nur solange daraus kein "du musst" gemacht wird. Nur solange, ich es auf meine Art, in meinem Tempo, mit meinen Fragen und mit meinen Wünschen spielen kann. Sobald jemand dazu kommt, der in der Leistungswelt denkt und handelt; sobald ich auf einen Lehrer treffe, der eine Plan durchziehen will und ein Ziel abstecken; sobald da ein Gegenüber ist, der mir versucht etwas beizubringen - nach seiner Art und seiner Überzeugung, ist alle Freude und Leichtigkeit dahin.

 

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Ich habe mich im November für 15 verschiedene Sprachkurse in der VHS angemeldet. Gruppenkurse und Einzelunterricht. Und ich weiß sehr genau, sie sind mir nicht zuviel. Weil ich an allen diesen Sprachen Freude habe und weil es für alle eine große Motivation zum Lernen gibt. Auf meiner Wunschliste stehen sowohl Chinesisch, Japanisch, Arabisch, Hindi und Hebräisch mit ihren fremden und neuen Alphabeten, als auch Vertauteres, wie Portugiesisch, Italienisch und Isländisch. Und es stehen Sprachen darauf, die ich teilweise schon kenne. Russisch zum Beispiel und Griechisch. Kisuaheli. Spanisch. Schwedisch. 

 

Ich habe alle diese Kurse besucht, aber fast alle nur einmal. Weil ich sofort spüren konnte, das da für mich etwas nicht stimmt. Das es in eine Richtung geht, in die ich nicht mehr bereit bin, mitzugehen. Je mehr ich gesehen und gehört habe von Unterricht und Lehrern, umso klarer ist für mich geworden, wie ich wirklich lernen will. Und dazu kam - genau im richtigen Moment - auch noch der Film "Alphabet" - der mir sehr deutlich gezeigt hat, das ich mit meinem Fühlen auf einem guten Weg bin.

 

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Was habe ich erlebt? Zig verschiedene Unterrichtsstile. Von der Dressur, dem Auswendigpauken, dem puren, stumpfen Nachsprechen bis hin zu einer Lehrerin, die es versuchte Jedem im Raum recht zu machen und damit alle vergraulte. Ich habe Unsicherheit erlebt und den Rückfall auf die Methoden, die diese Lehrer selbst in ihrer Kindheit mitbekommen haben. Ich habe Gruppen erlebt, die eigentlich nur Unterhaltung wollten und Schüler, die für Aufmerksamkeit alles getan hätten. Ich habe Lehrer erlebt, die diese Arbeit offensichtlich nur gemacht haben, um damit Geld zu verdienen, obwohl es sie körperlich und seelisch überforderte. Lehrer, die sich selbst zwingen mussten und deren Blick auf die Uhr nur zu deutlich zeigte, das sie sich nichts sehnlicher wünschten, als das alles endlich ein Ende hätte. Ich habe auch Engagement erlebt. Aber es ist nur selten in eine Richtung gegangen, die mich mit meinen Wünschen auch wirklich unterstützt hätte. 

 

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Nach je einer Stunde in den Gruppen war mir klar - Gruppenunterricht kommt für mich überhaupt nicht mehr in Frage. Zum Einen ist die Zeit und Energie, die ich in die Anfahrt zum Unterricht stecken muss, weitaus größer als das, was dabei heraus kommt. Und zum Anderen potenzieren sich in den Gruppen die einzelnen Themen, Unsicherheiten, Aufmerksamkeitswünschen und verschiedenen Bedürfnissen so stark, das alles nur nur gegeneinander läuft. Ich musste feststellen, das ich allein, zu Hause, mit mir mehr und schneller lerne als in jeder Unterrichtsstunde. Und das es mir tausendmal mehr Spass macht.

 

Es blieb noch der Einzelunterricht, den ich weiter ausprobierte. Aber nach dem letzten Versuch, am vergangenen Wochenende bin ich heute an dem Punkt, das ich auch dort fast alles beende.

 

Es bleibt ein Lehrer. Ein einziger Lehrer und das ist ein Hauptgewinn. Weil es mit ihm richtig Freude macht. Weil er nicht den Ehrgeiz hat, mich auf irgendein Maß zurechzustutzen. Weil er sich auf mich einstellt und flexibel und frei genug ist, um alle Ziele und inneren Lehrpläne über Bord zu werfen und mit mir in die Freude der Sprache einzutauchen. Es ist ein Lehrer, der sich auf meine Welt einlässt und mich darin unterstützt, meinen Weg zu gehen, statt seinen darüber zu stülpen und mich zu etwas zu zwingen, was ich gar nicht will. Wir schauen beide nicht auf die Uhr in diesem Unterricht. Und jedesmal danach bin ich begeistert und voller Energie. 

 

Ja, so möchte ich meinen Unterricht. Nicht anders. Und deshalb teile ich den anderen beiden Einzelunterrichtslehrern heute mit, das ich die restlichen Stunden mit ihnen verfallen lasse. Und damit geht es mir richtig gut, weil ich plötzlich wieder die Liebe zu diesen beiden Sprachen fühlen kann, die mir in der Zwischenzeit fast abhanden gekommen sind..... 

 

Trotzdem, danke. Denn diese Erkenntnisse sind Gold wert. Danke an jeden einzelnen Lehrer, an jeden einzelnen Kurs. Natürlich habe ich mein Geld nicht "ausgenutzt", aber was ist das gegen diese Erkenntnisse und gegen dieses neue Wissen? Was ist das gegen das Wissen, das ich selbst meine beste Lehrerin bin und was ist das gegen diese Erkenntnis, wie Unterricht wirklich funktioniert? Was ist das gegen die Klarheit, die ich in mir spüre? Und was ist das gegen die Begeisterung, mit der ich mich weiter meinen Sprachen widmen werde? 

 

Das Schwedischbuch hatte ich eben schon in der Hand..... Und ich merke, da möchte heute noch mehr angeschaut werden. Es macht soviel Spass!

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