Der Schock des Ankommens 

Begrüssung auf der Südinsel

Fotos: Heike Würpel

Ich habe es geahnt, als ich die Bilder gesehen habe. Fotos von neu bebautem Land in Picton. Fotos von neuen Hotels, Motels und Backpacker-Unterkünften. Fotos, die nur mühsam die blanke Erde rundherum verdecken konnten. Frisch umgepflügt. 

 

Die Wirklichkeit ist noch viel schlimmer. Ich habe diese Einfahrt mit der Fähre in die Malborough Sounds immer geliebt. Dieses unendlich schöne Zusammenspiel von Meer und Land. Die erste Umarmung des grünen Busches. Aber heute ist da nur Schock. Ich sehe die Zerstörung. Es gibt kaum einen Berghang, der nicht in irgendeiner Weise verändert wurde. Es gibt diesen Busch nicht mehr im Ganzen. Straßenschneisen schneiden ihn auseinander. Häuser stehen dort, wo nie etwas war. Die Menschen haben sich ihren Weg gebahnt. Weiter, weiter, immer weiter hinaus in die Unberührbarkeit dieser großartigen Natur. Ich sehe es mit Tränen in den Augen.

 

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Picton ist zu eine Ort geworden, von dem ich nur möglichst schnell wieder weg möchte. Die Häuser dort links oben am Hand stehen auf blanker Erde. Alles wirkt schnell und rigoros aufgebaut, ohne irgendeine Rücksicht. Ohne Gefühl. Hauptsache hinklotzen und fertig. Schließlich ist die Nachfrage da. Diese ganze Region ist eines der Haupturlaubsgebiete der Neuseeländer. Hier verbringen sie vorzugsweise ihre drei Wochen Sommer, die am 24. Dezember beginnen. 

 

Aber der Weg zu ihrem Ferienhäuschen ist gespickt mit Bildern von Verfall und Zerstörung. Ich weiß nicht, wer das sieht. Für mich wird die Fahrt nach Nelson zu einer Reise durch tiefen Schmerz. 

 

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Ich sehe, wie der Busch verschwindet. Den Hang hinaufgedrängt. Eingezwängt und ausgemerzt. Zugunsten von Baumfarmen. Fichten, die schnurgerade die Hügel hinaufreichen. Künstliche Plantagen, die nur zu einem Zweck da sind. Um schnell wieder abgeholzt werden zu können. Um zu liefern, was die Menschen brauchen. Möglichst kostengünstig, möglichst einfach, möglichst effizient. Hier wächst das Holz für den Bau neuseeländischer Häuser. Hier wächst das Holz für den Export. Hier wächst das Geld, das die Wirtschaft am Leben hält. 

Wie das aussieht, spielt dabei keine Rolle. Besonders nicht, wenn die Ernte schnell gehen muss. In Neuseeland gibt es keine nachhaltige Forstwirtschaft. Hier entpuppt sich die Idee von den grünen Inseln endgültig als schöner Traum. Wie auf so vielen anderen Ebenen auch. Wenn Bäume gefällt werden, dann sind es komplette Flächen. Es sind immer komplette Flächen in diesem Land.

Und so führt die Straße vorbei an endlosen kahlen Bergen voller Baumstümpfe. Vorbei an offenen, blutenden Wunden. Mitten hinein geschlagen ins Leben. Dazwischen tummeln sich Farmen, DOC Schutzgebiete und endlose Weideflächen. Alles nebeneinander. Als wäre nichts dabei. Als wäre alles ganz normal. Ich kann kaum hinschauen, ich mag es kaum noch sehen. Mein Herz tut weh. Und ich höre das Land schreien. Lautlos in das grelle Sonnenlicht hinaus....

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