Die Kraft der Frauen 

Liebe, die Räume wärmt

Ein Morgen, zwei Telefonate, drei Frauen, dreimal die gleiche Erfahrung.

 

Ich kann mich sehr gut in meine Freundinnen hineinversetzen. Sie stehen vor der gleichen Herausforderung, die ich erlebt habe und jetzt durch sie noch einmal erleben kann. Es ist der Prozess, der mir bewußt gemacht hat, welche Kraft ich als Frau habe. Welchen Wert ich verkörpere. Welcher Schatz in mir lebt.

 

Ein Prozess, der mich damit konfrontiert hat, wie unsichtbar und unbeachtet dieser Wert in unserer Welt tatsächlich ist. Trotz anders lautender Lippenbekenntnisse, trotz aller Liebe, trotz aller Freundschaft, aller Verbindung und trotz allen guten Willens.

 

Es erinnert mich auch daran, das es keinen Sinn macht, daran äußerlich etwas ändern zu wollen. Ich kann die Welt schütteln, bis ihr schwindlig wird und mir die Arme schlaff herunterhängen, aber meine Selbstachtung werde ich dadurch nicht bekommen. Sie kann nur in mir wachsen. Nirgendwo sonst. 

 

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Wir alle drei haben erlebt, das die Menschen, die uns am nächsten stehen, uns nicht sehen. Das sie uns nicht anerkennen. Das sie unsere Geschenke nicht wertschätzen. Und unser Sein als etwas erleben, das eher hinderlich oder blockierend ist, als unterstützend und nährend. Wir mussten erleben, wie es sich anfühlt, zur Seite gedrängt zu werden, die "Schwarzen Peter" einer Situation auf unsere Schultern verteilt zu bekommen. Wir alle fühlten uns "degradiert" auf eine "untergebene Position" reduziert. Es ist ein Schmerz, der unendlich tief geht. Denn bei einem Menschen, der mir so nahe steht, habe ich keine Schutzmauern. Es trifft mitten ins Herz. Es zerreißt die Seele. Und es lässt das ganze Vertrauen in die Männer ins Wanken geraten. Aber noch viel mehr, das Vertrauen in uns selbst.  

 

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Denn die Welt um uns herum unterstützt unsere Abwertung. Diese Welt verkörpert ein Wertesystem, das männlichen Grundsätzen folgt. Ein System, das nur eine Seite des Seins kennt und sehen will. 

 

Es ist ein Rahmen, der nur materielle, greifbare Erfolge als wertvoll erachtet. Volle Räume, jubelnde Menschenmengen, verdientes Geld, fertig gebaute und verkaufte Häuser. Es ist ein Wertesystem, in dem Gefühle Luxus sind. Ein Luxus, dem man sich erst leistet, wenn es die Zeit erlaubt. Feierabendspiritualität sozusagen. Dieses Wertesystem sieht nur die körperliche Arbeit als wirkliche Arbeit an. Es kennt keine Traumzeiten und es hält die Stille und die Geduld bis der richtige Moment da ist, für absolute Zeitverschwendung.

 

In diesem System muss man sich verausgaben. Richtig körperlich verausgaben. Man muss alles geben, bis zum letzten Schweißtropfen. Nur dann kann man am Abend ruhigen Gewissens und in dem Gefühl, etwas geleistet zu haben, schlafen gehen. Alles andere ist Faulheit. Alles andere ist Müßiggang. Alles andere ist ein Leben auf Kosten der hart arbeiteten Anderen. Und da die ganze Welt um uns herum, die gleiche Sprache spricht, ist es sehr einfach, der Frau an seiner Seite ein schlechtes Gewissen einzureden. Und die ganze Last und Verantwortung für das "Nichtgelingen" eines Projektes bei ihr abzuladen. 

 

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Nichts davon geschieht bewußt. Nichts davon geschieht in böser Absicht oder um den Frauen zu schaden. Es ist ein so tief verwurzelter Mechanismus, das er wie automatisch abläuft. Er hatte schließlich einige Tausend Jahre Zeit sich in in unsere Zellen zu graben. Und es ist schwer in Worte zu fassen, weil es hier um Energien geht, um Gefühle, nicht um Tatsachen, greifbare Dinge, Logik und Verstand. Und in diesem Bereich sind die Worte sehr dünn gesät. Besonders wenn Frau sich ihrer selbst nur ahnend sicher ist. Wenn sie selbst noch die Wahrheit sucht und versucht, sie im Gespräche mit dem Freund und Partner auszusprechen.

 

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Die Qualität und der Wert einer Frau stammt aus einer anderen Welt. Einer Welt des Fühlens. Des Mitfühlens. Der Liebe. Und der Hingabe. "Männer können Häuser bauen, aber die Frauen machen daraus ein Heim." Frauen schaffen Wärme, Behaglichkeit, ein kuschliges Nest. Sie sind diejenigen, die aus einem leeren Rahmen ein seelenerfülltes Bild machen können. Sie sehen die Kleinigkeiten, die weit, weit über reine Zweckmäßigkeit hinausgegen. Sie sind buchstäblich das Salz in der Suppe.

 

Wenn pure männliche Energie kochen würde, dann wäre das Ergebnis höchstwahrscheinlich äußerst nahrhaft und inhaltsstoffmäßig genau ausbalanciert. Aber würde es auch schmecken? Wäre es ein echter Hochgenuss? Wäre es ein Gericht, von dem allein der Duft schwache Beine macht und jede Zelle in Entzücken versetzt? Wäre es ein Gericht, bei dem man sich gestreichelt fühlt, innerlich abgeküsst und so unendlich tief umarmt, das man darin einsinken möchte, wie in eine weiche, weiße Wattewolke? Ich glaube nicht.

 

Wenn pure weibliche Energie kochen würde, dann würde die Basis fehlen. Gewürze ohne Suppe geht genauso wenig. Es braucht Beides.

 

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Für mich ist es ein echtes Geschenk, das alles noch einmal so deutlich zu sehen und zu fühlen. Weil ich mich dadurch selbst in meiner Kraft und Qualität fühlen kann. Weil ich noch einmal zutiefst erlebe und erfahre, was für ein Segen ich mit meinem Sein bin. In jedem Raum.

 

Mir wird auch bewußt, das ich beides kann. In mir lebt die Zielstrebigkeit eines Mannes und die Wärme einer Frau. Ich kann Häuser schaffen und ich fülle sie auch mit Wärme, Licht und Leben. Es braucht keine Anstrengung dazu. Es ist alles da. Ich bin Feuer, das vorwärtsdrängt, aber ich habe auch die unendliche Geduld, dem richtigen Moment bei seiner Entstehung zuschauen zu können. Ich breche nichts über's Knie, um schneller ans Ziel zu kommen, weil ich weiß, das es dadurch niemals schneller geht. Ich erlebe, wo ich selbst stehe. Und das ist etwas, wofür ich nur Danke sagen kann.

 

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Ich sage auch danke für das tiefer Fühlen und Verstehen, das die Dinge ihre Zeit brauchen. Es hat meiner heutigen Ungeduld mit mir selbst die Spitze genommen. Es hat mich verschnaufen lassen und auf dem Weg enstand der Raum, den diese Webseite hier zum Fertigstellen brauchte.

 

Ja, alles will wachsen, aber in seinem Tempo und seinem Rhythmus. Und alle Planung, alle Vorausschau und aller Druck können daran nichts ändern. Ein Kind braucht neun Monate, um geboren zu werden. Und ja, es braucht Männer und Frauen. Beide Qualitäten. Beide Welten. 

 

Eines über das Andere zu stellen, endet immer in einer Katastrophe. Sie endet in Trennung und Schmerz. In Mißverständnis und Verletzungen.

 

Wozu eigentlich? Die Lösung ist doch so einfach. Jeder von uns ist ein Geschenk. Und kein Geschenk ist mehr wert als das Andere.

 

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In Gedanken bin ich bei diesen vier Menschen, die mir diese Erkenntnisse geschenkt haben. Ich bin bei meinen Freundinnen und diesen Männern, die ich beide genauso gut kenne. Mit denen ich verbunden war und bin. In Liebe. Ich spüre sie alle in meinem Herzen. Männer und Frauen. Ich verstehe sie alle. Jede Seite, jeden Standpunkt, jeden Kampf und jede Verletzung. Und ich weiß, es wird ein Miteinander geben. Irgendwann.

 

Ich weiß, es wird einen Weg geben, in dem jeder Einzelne von ihnen erkennt, wie wertvoll ihr Gegenüber für das Gelingen des Ganzen ist. Die Frauen wissen schon sehr gut, wie wichtig der Mann ist. Sie wissen nur noch nicht so richtig, wie wichtig sie selbst sind. Und bei den Männern ist es gerade umgekehrt. Sie halten sich selbst für die einsamen Tragpfeiler des Gesamten. Und merken nicht, das sie niemals allein dort standen und es auch niemals tun mussten. 

 

Es wird einen Moment geben, in der sie es alle verstehen. Aber dazu muss sich als erstes jeder selbst seines eigenen Wertes bewußt werden. Die Männer auf ihre Art. Und die Frauen auf ihre Art. Jeder für sich. Erst dann wird es etwas Gemeinsames geben können, das in gegenseitiger echter Achtung, Gleichwertigkeit und Anerkennung gedeiht. Erst dann ist der Boden bereit für die neuen Blumen von Beziehung und Liebe zwischen Frauen und Männern.

 

Es gibt kein schöneres Gefühl. Ich weiß es, weil ich es selbst in mir fühle. Und ich freue mich unendlich darauf, das dieses Gefühl in uns allen blüht.

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