Freiheit im Blut 

Der Vogel fliegt!

Die Intensität der letzten Tage ist kaum noch zu überbieten. In mir pulsiert das Leben in einem so überschäumenden Rhythmus, das ich selbst staunend neben mir stehe und fast mit dem Kopf schütteln möchte, weil ich mich kaum erkenne. Oder, vielleicht erkenne ich mich mehr, als jemals zuvor. Weil ich mehr als jemals zuvor, ich selbst bin....

 

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Meine Wohnung am Bodensee ist übergeben. Alles ist getan, alles ist gerichtet, alles ist fertig. Es war eine gute Übergabe. Friedlich, stimmig, herzlich und am Ende sogar mit Umarmungen von meinen Vermietern. Es gab auch Tränen, nicht von mir, aber von meiner Nachbarin, von der ich mich nach über vier Jahren verabschiedet habe. Ich bin in diesen letzten Stunden im alten "Feld" ganz bewußt an jedem Platz gewesen, der mir etwas bedeutet hat. Alle Bilder der Vergangenheit kamen vorbei geflogen, sie sind präsent, sie bilden jetzt das Energiefeld, dieser Orte; sind ein Teil davon. Es fühlte sich vollkommen stimmig an.

 

In mir war Dankbarkeit. Dankbarkeit für jeden Augenblick. Für den Raum, diesen Rückzugsraum, den mir diese Wohnung, Glarisegg (am anderen Seeufer) und der See selbst geschenkt haben. Es war eine so wichtige Zeit in meinem Leben und das hier war der perfekte Ort dafür. 

 

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Ich habe mich aber nicht nur vom Bodensee verabschiedet. Sondern vom ganzen Süden. Ich habe mich von den Jahren im Schwarzwald verabschiedet. Von der Zeit in Ippingen, vom selbst gebauten Haus, von München und eigentlich gleich auch noch vom Westen Deutschlands. Ich habe mich von diesem ganzen großen Lebensabschnitt verabschiedet, der mit meinem Umzug nach Minden vor vielen, vielen Jahren begann.

 

Denn in gewisser Weise kehre ich jetzt mit meiner Energie an den Ausgangspunkt zurück. Nach Berlin. Nach Potsdam. An die weiten Elbauen um Wittenberg herum. Weil dort jetzt mein deutscher Dreh-, Angel- und Lebensmittelpunkt sein wird. Auch wenn ich immer nur kurz hier sein werde. 

 

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In mir ist keine Traurigkeit. Gar keine. Ganz im Gegenteil. Ich fühle mich, als wäre ich ausgeschlüpft. Geschlüpft, wie eine Puppe, die zum Schmetterling wird. Diese wunderbare alte Hülle, die mir so wichtig war und die so sehr geholfen hat, würde mich jetzt einengen. Also, lasse ich sie hinter mir. Und seit ich vom Bodensee weggefahren bin, verlässt das Lächeln mein Gesicht nicht mehr.

 

Ich strahle. Ich bin quietscheglücklich mit mir und meinem Leben. Richtig, richtig glücklich. Etwas in meinem Inneren fühlt sich, als wäre es nach einem langen, langen Winterschlaf erwacht. Es räkelt sich, es streckt sich und erkundet tastend und neugierig die neue Welt. 

 

Das Leben ist zu einem Abenteuer geworden. Zu etwas, an dem an jeder Ecke neue Begegnungen und unbekannte Geschenke auf mich warten. Dieser äußere sichere Rahmen von Wohnung und Auto, von festem Lebensmittelpunkt, ist in freien Fluß übergegangen. So, wie mein ganzes Wesen. Jetzt folge ich meinem Herzen und nichts hält mich zurück, diesen Impulsen in meinem Inneren zu vertrauen und mich regelrecht in sie hingleiten zu lassen. Es gibt keine Struktur mehr zu nähren. Es gibt nur noch mich und die Sprache meiner Seele, die mich zu den Orten und Menschen führt, bei denen ich in diesem Moment richtig bin. 

 

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Ich hätte nicht gedacht, das es ein so kugelrundes Glücksgefühl in mir freisetzt. Ich hätte nicht gedacht, das es sich so wundervoll anfühlen würde. Ich hätte mit Angst gerechnet. Weil da halt keine Sicherheiten mehr sind. Auf keiner Ebene dieser materiellen Welt. Weder im Besitz noch finanziell. Alles ist im Fluß. Was mich trägt ist tiefes Vertrauen, das das Leben mir immer im richtigen Moment schenkt, was es gerade braucht.

 

Ich habe über dieses Vertrauen meinen Verstand nicht vergessen. Natürlich plane ich Dinge. Aber es geschieht aus einem vollkommen anderen Impuls heraus. Es geschieht nicht aus Angst sondern aus Liebe. Liebe für mein Sein. Liebe für mein Wesen. Und Liebe für diese Welt. Meine Seele ist mein Kompass, nichts anderes mehr. Sie ist endlich an dem Platz, an den sie immer gehörte. Sie sitzt auf meinem inneren Thron, umringt von weisen Ratgebern, namens, Logik, Verstand, Körper und Erfahrungen. Jeder wird gehört, jeder wird gesehen, aber die Entscheidungen trifft meine Seele. 

 

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Es ist das schönste Geschenk, das ich mir selbst machen konnte. Ich fühle meine Flügel. Ich fühle, wie sie sich ausbreiten. Ich schnuppere in die Luft hinauf und spüre diese unbändige Neugierde auf die Welt. Ich fühle Feuer in mir, Leidenschaft und gleichzeitig unendlich tiefen Frieden. Ich war niemals mehr ich selbst, als jetzt. Niemals. 

 

Denn jetzt beginnt dieser wunderbare bunte Vogel, der ich bin, wirklich zu fliegen. Hoch in die Wolken und zurück auf die Erde. Lebendige Brücke zwischen dem Himmel und dem Boden. Lebendige Brücke zwischen den Welten. Gefüllt mit Liebe, wie eine riesige Schatztruhe voller Federn. Weichen, fluffigen, Federn in den Farben des Regenbogens. Bereit, jedes Herz so sanft zu berühren, wie es stimmig ist.....

 

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