Die heilige Hochzeit in mir 

Frau und Mann - Einheit und Eigenständigkeit

Wieder sind es meine Freunde, die mir zeigen, wohin ich selbst gereist bin. Ihre Auseinandersetzung öffnet mir die Augen. Ich stehe scheinbar zwischen den Fronten und erlebe dabei, wie für mich die Fronten im Nichts verschwinden. Nur Einheit bleibt. Weil ihre verschiedenen Wege für mich eins geworden sind. Aber das war mir vorher gar nicht bewußt.

 

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Ich kenne die Geschichte so gut von mir selbst. Es war ein Kampf gegen die Übermacht der Männer. Ihre Heftigkeit, ihr Feuer, ihre Kraft und ihre Art, nur die materielle Welt und ihre Errungenschaften als einzig zählende Lebenswirklichkeit darzustellen. Es war ein Kampf um meine eigene Identität und mein Selbstverständnis in einer Umgebung, dir mir keinen eigenen Wert zugestehen wollte. 

 

In diesem Kampf bin ich von einem Extrem ins nächste geraten. Erst habe ich mich einem Mann vollkommen untergeordnet und mein eigenes Wesen vergessen. Dann ist Weiblichkeit mit Macht wieder aufgetaucht und die andere Welt geriet in Vergessenheit. Erst war das Meistern der täglichen Dinge das Wichtigste in meinem Leben, dann die Spiritualität und meine Gefühle. Beides zusammen, das ging lange Zeit nicht. Gar nicht. 

 

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Es ist ein Bruchteil einer Sekunde, in dem ich erkenne, wie wichtig Beides ist. Männliche und Weibliche Fähigkeiten. Eines ohne das Andere geht nicht. Es geht nur Hand in Hand. Und der erste Schritt dieser Vereinigung beginnt in mir selbst. Nirgendwo sonst. 

 

Ich lebe auf dieser Erde. Ich lebe in dieser Welt. Auf diesem Planeten, in dieser Gesellschaft und Kultur. Ich habe es gewählt, hier zu sein. In dieser Welt des stetigen Wandels und Wachstums. In dieser Welt, die in so vielen Bereichen noch ganz in den Kinderschuhen steckt. Aber, es ist meine Welt. Hier gehöre ich jetzt hin. 

 

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Ich bin eine Frau. In mir lebt die Weichheit, Zärtlichkeit und die tiefe Verbindung mit allen Wesen, Welten und der Natur. Ich bin Eins mit den Gezeiten, dem Wechsel des Mondes und jedem Wind der Veränderung. Ich fließe mit dem Wasser und segle mit dem Wind. Ich bin ungreifbar, stetiger Wandel und Gefühle sind meine Sprache. Ich spreche mit Elfen, Bäumen und tanze mit den Trollen. Ich fühle die Dinge hinter den Dingen und nichts ist mir vertrauter, als die Sprache der Herzen. 

 

Aber ich habe auch männliche Qualitäten. Und sie sind genauso wichtig und essentiell in meinem Leben geworden. Sie bilden die andere Waagschale, die aus mir ein Ganzes machen. Sie lassen mich in dieser Welt bestehen und gedeihen. Sie zu verurteilen, abzulehnen oder zu bekämpfen, würde bedeuten, mich selbst zu verstümmeln. 

 

Ich liebe diese Qualitäten genauso, wie meine weibliche Seite. Ich liebe mein Feuer. Ich liebe meinen Willen. Ich liebe die Fokussiertheit. Diesen glasklaren Verstand, der in Sekundenschnelle das Ganze erfassen kann. Ich liebe es, zu gestalten. Den Rahmen abzustecken und ihn mit allem zu füllen, was mich ausmacht. Ich weiß, wohin ich will. Ich weiß es genau. Und ich stehe dafür ein.

 

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Das alles ist pure männliche Kraft. Ohne sie, wäre ich ein Blatt im treibenden Wasser. Ich würde mich in jedem Strudel verfangen, jeder fremden Regung folgen und hätte keinen eigenen Weg. Der Fluß würde meinen Weg bestimmen. Die Strudel würden ihn bestimmen und jeder kleinste Einfluß von Außen. Ohne die männliche Kraft hätte mein Leben keine Richtung, die aus mir selbst heraus wächst und die ich aus eigenem Willen verfolge. 

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Weiblichkeit heißt für mich Geduld, Akzeptanz, Loslassen. Und das sind unendlich wichtige Eigenschaften. Ich brauche sie. Genauso, wie ich Willen, Kraft und Richtung brauche. Beides zusammen schafft eine Einheit, in der ich wirklich blühen kann und in dem alles zum Tragen kommt, was mich ausmacht. Es widerspricht sich nicht. Im Gegenteil. Nur Hand in Hand wird aus jedem Teil ein Ganzes. 

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Ich schaue in die Augen meines Freundes vor mir. Und ich erlebe meine eigene Geschichte noch einmal. Und zum ersten Mal, seit ich mit dieser ganzen Auseinandersetzung in Kontakt gekommen bin, verstehe ich, was da geschieht und was für ein Segen es ist. Da ist ein Mann, der aus einer uralten Beziehungs-Rolle ausbricht. Der Rolle des Versorgers und Ernährers. Der Rolle des Schutzwalls gegen eine feindlich gesinnte Welt. Die Rolle des Organistors und Financiers. Die Rolle desjenigen, der Dinge in die Hand nimmt und erschafft. 

 

Jetzt ist die Zeit für ihn, nur noch für sich selbst zu sorgen. Endlich! 

 

Ich weiß, wie schwer ich mich damit getan habe, das für mich selbst hinzubekommen. Auf der anderen Seite. Als Frau. Ohne Mann. Ohne Projektionsfläche. Ohne starke Schultern zum Anlehnen. Nur auf mich selbst zurückgeworfen, wäre ich am Anfang fast verzweifelt. Es hat viele Jahre gedauert, dieses unabhängig werden.

 

Und ich glaube, erst in diesem Augenblick, in dieser Auseinandersetzung meiner Freunde, bin ich wirklich frei geworden. Weil ich es erst jetzt wirklich fühlen kann.

 

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Ich danke euch dafür.

 

Und ich danke euch auch für diese Erkenntnis, das ihr für mich nicht zwei Parteien, Fronten oder Kampflinien verkörpert. Ihr verkörpert Freunde, die ihren eigenen Weg suchen und gehen. Freunde, die sich mit ihren Entscheidungen letztlich gegenseitig beschenken. Und das finde ich großartig. Es ist eine Einladung und eine Chance und ganz sicher kein Anlass für einen Krieg. 

 

Das ist es niemals, finde ich.... Weil sich die Geschichten immer irgendwie ähneln.....

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