Everest

Jason Clarke, Jake Gyllenhaal

 

Unendlich viele Ebenen und Erfahrungsschätze sind hier versammelt. Warum gehen Menschen an die Grenzen ihres Können, warum riskieren sie ihr Leben? Warum übernehmen sie die Verantwortung für das Leben Anderer? Eine Expedition auf den Gipfel der Welt zu führen, ist Wahnsinn. Weil der Weg direkt in die Todeszone führt, aus der es kein zurück gibt, wenn man nicht die entsprechenden Fähigkeiten mitbringt. Doch ein Führer auf den Berg suggeriert, man müsse nur bezahlen und schon wäre alles möglich. Das ist hier ein tödlicher Irrtum. Die Welt lässt sich nicht kaufen. Nirgendwo.

 

Dazu kommt der Zugzwang für diejenigen, die das Produkt "Gipfelbesteigung" verkaufen. Wirtschaftlicher Zugzwang, menschlicher. Wie soll es noch eine klare Entscheidung geben können, wenn die finanzielle Existenz auf dem Spiel steht? Nein, hier sollte niemand hochsteigen, der es nicht wirklich kann. Ein Führer am Everest erzwingt Perfektion und Berechenbarkeit, wo es keine gibt. Er verheißt Sicherheit, wo es keine gibt. Er schafft eine Illusion, die die Wirklichkeit verzerrt, die eigenen Leistungen schönredet und damit alle in Gefahr bringt, die beteiligt sind.

 

Ich habe alle Bücher gelesen, die zu dieser Tragödie am Mount Everest gehören. Das von John Krakauer, das der verschiedenen Expeditionsteilnehmer, die den 10. Mai 1996 überlebten. Ich habe mir die verschiedenen Sichtweisen angeschaut, um mir ein eigenes Urteil zu bilden. Der Film ist das letzte Puzzlestück und er ist großartig. Vor allem dann, wenn man die Fakten schon kennt und die Aussagen hinter den Szenen nachvollziehen kann. 

 

Acht Tote stehen am Ende eine langen Kette von Mitgefühl am falschen Platz, Druck, Fehleinschätzungen und Ehrgeiz. Acht Tote, die daran erinnern, das es niemanden gibt, der uns irgendeinen Teil des Weges abzunehmen kann oder es je versuchen sollte. Das Leben lässt sich nicht in einer Sänfte absolvieren, auf der man die Träger gut füttert, bezahlt und peitscht, wenn es nicht so funktioniert, wie es der eigene Kopf will. Und niemand sollte Träger sein. Freund, ja. Begleiter, ja. Führer, ja. Aber ein Führer, dessen Wort gilt und der die innere Freiheit hat, seine Erfahrungen in die Waagschale zu werden und sich damit auch durchzusetzen. Denn genau aufgrund seiner Erfahrung ist er da. Dafür wird er bezahlt. Nicht für den Gipfel, nicht für ein Ziel, nicht für gestillten Ehrgeiz.

 

Nein, für einen sicheren, klaren und machbaren Rahmen. Bei dem jeder mit großartigen Erlebnissen sicher nach Hause zurückkehrt. So hätte es auch hier sein sollen. So hätte es sein können.

All is lost

Robert Redford

 

Verstand ist eine Ebene. Fähigkeiten und Können auch. Mit allem Wissen, aller Durchdachtheit, aller Organisiertheit und aller technischen Unterstützung wird die Natur, das Leben oder das Überleben jedoch nicht "beherrschbar". Das geschieht auf einer anderen Ebene. Auf einer ganz anderen. In dem Moment des vollkommenen Loslassens. In dem Moment der Annahme von allem, was ist. Kein Kämpfen mehr gegen etwas. Das macht Wissen und Fähigkeiten nicht überflüssig. Es zeigt nur, das beides miteinander ein Ganzes ergibt.

 

Der Film hat viele Botschaften, wenn man sie nur sehen will. Auch die der Abstrusität von Containerschiffen, die riesig wie Monstar, automatisch gesteuert über die Ozeane ziehen. Dort hat Menschlichkeit keinen Platz mehr. Und ganz sicher auch keine Schiffbrüchigen. Da ist das Einhalten von Zeitplänen sowieso wichtiger als ein Leben. Das ist die Welt, die wir selbst erschaffen haben. Und auch die fliegt uns hier sozusagen um die Ohren. 

 

Robert Redford als Solosegler, konfrontiert mit immer neuen Herausforderungen, die ihm alles abverlangen, was er je gelernt hat und alles seine Klarheit brauchen, spielt grandios. Er füllt seine Rolle ohne Worte so vollkommen aus, das mich jede Sekunde gepackt hat. Das hat kein anderer Film in den letzten Monaten geschafft.

Die Wand

Julian Pölsler, Marlen Haushofer, Martina Gedeck 

 

Ein Film mit einer unglaublich starken und mediativen Sichtbarmachung des Alleinsein und der entstehenden Verbindung mit der Natur. Martina Gedeck als Hauptdarstellerin, die von einer durchsichtigen, massiven Wand von der Welt der Menschen abgetrennt wird und mit sich, ihren wenigen Tieren und der grandiosen Bergwelt Österreichs ganz auf sich selbst zurückgeworfen wird, zog mich mit jeder Minute mehr in ihren Bann. Ich konnte den Schnee riechen und den sternklaren Himmel fühlen, die Wärme der Sonne und den Duft des Grases. Ich konnte ihre Tränen, die Einsamkeit und ihre pure Verzweiflung fühlen. Und auch die immer, immer klarer werdende Stille in ihrer Seele.

 

Ein Geschenk für die Sinne und eine Herausforderung für alle, die schnelle Handlungen gewohnt sind. "Die Wand" hat einen eigenen Zauber und schenkt einen tiefen Frieden, wenn man sich auf die Wucht der Gefühle und die Angst vor der vollkommenen Einsamkeit und "Menschenlosigkeit" einlassen möchte.

Das Ende ist mein Anfang

Tiziano Terzano, Bruno Ganz

Ein wundervoller, tiefgehender Film über das Leben und das Sterben. Mit Bildern, die mich in der Seele erbeben lassen haben. Und einer kraftvollen Aussage: "Es ist möglich, dein ganz eigenes Leben zu leben. Ein Leben, das nur dir gehört. Ein Leben in dem du dich wieder erkennst.!"

 

Best Exotic Marigold Hotel

Regie: John Madden

 

Sieben englische Senioren geben ihrem Leben einen vollkommen neuen Impuls. Sie reisen nach Indien, nach Jaipur. Ins Land des Chaos, der Farben und der Düfte. In ein Land, in dem alles anders ist, als zu Hause. Ein Land, in dem sie den Rest ihres Lebens verbringen wollen. Ein Land, das sie vor alle Herausforderungen stellt, die man sich nur vorstellen kann.

 

Jeder von ihnen findet sich selbst in ihrer neuen Heimat, entdeckt Fähigkeiten, Gefühle, Träume und Wünsche, die er nie auszusprechen wagte und wird von einem "im Altersheim oder betreutem Wohnen abgestellten Wesen" zu einem Geschenk, für die Leben, die er berührt.

 

Jeder findet oder beshließt den Kreis seines Lebens. In wunderschönen Bildern, mit viel Feingefühl, Tiefgang und Humor ist dieser Film einer der Schönsten über das Alter, die Weisheit und den Tod, den ich kenne. Und seine Botschaft bleibt tief in meinem Herzen: "Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es auch noch nicht das Ende!"

Foto: Uschi Dreiucker / pixelio.de
Foto: Heike Würpel
Foto: Marco Schlüter / pixelio.de
Foto: Peter / pixelio.de
Foto: Andreas Hermsdorf / pixelio.de
Foto: Heike Würpel
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de
Foto: Herbert Raschke / pixelio.de
Foto: Heike Würpel
Foto: Rolf Handke / pixelio.de
Foto: Susanne Richter / pixelio.de
Foto: roja48 / pixelio.de
Foto: Bernd Kasper / pixelio.de
Foto: Rudis-Fotoseite.de / pixelio.de
Foto: Peter A / pixelio.de
Foto: Carolin Daum / pixelio.de
Foto: Thomas Wiesendahl / pixelio.de
Foto: Uschi Dreiucker / pixelio.de
Foto: Bernd Kasper / pixelio.de
Foto: Gabi Schoenemann / pixelio.de
Foto: H.D. Volz - pixelio.de
Foto: hum / pixelio.de
Foto: Maren Beßler - pixelio.de
Foto: Rosel Eckstein / pixelio.de
Foto: Alexander Altmann / pixelio.de
Foto: Heike Würpel
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de