Tag 1 - Brown Hut

Ankommen

Fotos: Heike Würpel

Auf diesem Trail nehme ich mir alle Zeit der Welt. Und so beginnt diese Wanderung auch. Mit aller Zeit der Welt. Halb elf bin ich am Ausgangspunkt, aber ich habe nicht vor, loszulaufen. Auch wenn die Sonne vom Himmel brennt und das Blau in den Augen blitzt. Es ist selten, so ein Wetter zu haben in diesem Teil der Welt. Mein Verstand kämpft mit meinem Gefühl und will mich unbedingt zu den ersten Schritten inspirieren. Aber ich weiß, das das nicht funktioniert. Ich brauche die Zeit. Ich brauche die Momente ganz allein mit mir, um vom Abel Tasman zum Kahurangi National Park umschalten zu können. Ich brauche diese Stunden, um wirklich bereit zu sein, für den Heaphy Track.

 

Die Hütte ist nicht der einladendste Ort der Welt, aber die Umgebung ist wunderschön. Ich finde eine tiefe Stelle im Fluß zum Baden und genieße diese Stille um mich herum. Nichts tun. Einfach nichts tun, nur da sein.

 

Am Nachmittag begegne ich einem Deutschen, der auf einen Transfer wartet. Er ist ein ganz achtsames Wesen. Das tut so gut. Mit dieser Wellenlänge entspannt sich in kürzester Zeit ein wunderbares Gespräch. Und als er geht, könnte der Abend eigentlich perfekt ausklingen.

 

Aber ich bin nicht hier, damit alles perfekt läuft. Ich bin wieder einmal hier, um mich dieser Aufgabe des Abel Tasman Trails zu stellen. Bei mir bleiben, egal, was um mich herum geschieht. Eine ganze Familie, nein, zwei Familien kommen am späten Nachmittag anmarschiert. Mit Tüten voller Essen. Vier Kinder. Vier Erwachsene und jede Menge Lärm. Es ist wie ein Schock, der sprichwörtliche Guss kaltes Wasser. 

 

In mir macht sich eine solche Wut breit, das ich schreien möchte. Auf der Brücke, einige Meter entfernt von der Hütte setze ich mich und schaue dem Fluß zu. Ich muss mich sammeln. Ich muss in mich hineinhorchen und erkunden, was hier eigentlich passiert. Warum geht das so weiter? Warum bin ich jetzt schon wieder mit dem konfrontiert, was ich überhaupt nicht will? 

 

Natürlich. Damit ich einen anderen Weg finde, als Wut, Frust, Kleinmachen, Flucht oder Verstecken. Ich habe dieses Szenario gewählt, das kann ich deutlich fühlen. Ich habe es mir ausgedacht, um mich genau an die Grenzen zu führen, die ich jetzt so genau in mir spüre. 

 

Und endlich, endlich darüber hinauszuwachsen. O.k., soweit ist es klar. Und jetzt? Was mache ich mit dieser Erkenntnis. Was mache ich mit der Tatsache, das mich diese Menschen zu etwas zwingen, was ich gar nicht will? Ich möchte jetzt schlafen. Aber das geht nicht. 

 

Was wäre, wenn ich diese Menschen als Geschenk betrachten würde? Was wäre, wenn ich mich auf sie einlassen könnte. Was wäre, wenn ich sie mal nicht als Feinde betrachten könnte, sondern als eine Bereicherung des Abends? Es könnte doch auch ein gutes Gespräch entstehen, oder? Außerdem wird mir in dem Moment auch bewußt, das es für eine Gruppe auch alles andere als angenehm ist einen einzelnen Wanderer zu stören. Die Energien sind schließlich für jeden fühlbar.

 

Gut, irgendwie beruhigen mich diese Gedanken. Der Abend wird eigentlich ganz nett, auch wenn sich keine tiefschürfende Unterhaltung ergibt. Und die ganze Familie geht mit Einbruch der Dunkelheit unglaublich diszipliniert ins Bett. Ich habe lange nicht besser geschlafen, als heute Nacht!

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