Tag 7

James Mackay Hut - Heaphy Hut

Laufzeit: 5-6 Stunden

20,5 Kilometer

710 Meter Abstieg

Fotos: Heike Würpel

Der Wetterbericht ist nicht so ganz klar heute. Dazu kommt die Nachricht der Rangerin, das einige Flüsse sehr hochwasseranfällig und damit schwer passierbar sind. Klar ist nur. Es hat geschüttet heute Nacht. Eine Unwetterwarnung hängt in der Luft. Aber scheinbar hat sich dieses Unwetter entschieden, schon nach Mitternacht durch die Wolken zu toben. Gewitter und Wolkenbruch. Wie wird der Weg wohl ausschauen? Lassen sich die Flüsse überqueren?

 

Ich starte hinein ins Ungewisse. Ganz, ganz früh, weil der nächste Sturm für heute Nachmittag angesagt ist. 

 

Es ist ein langer Weg. Aber ein Einfacher. Es geht immer bergab. Naja, fast immer. Und - es entpuppt sich als purer Genuss so früh unterwegs zu sein. Alles tropft und dampft noch von der nassen Nacht. Ich kann die Spuren sehen, die das Wasser in den Sand gemalt hat. Die Laubhäufen auf den Wegen, hingespült in den letzten Stunden. Aber es läuft sich wunderbar. Die Bäche sind fast zurück in ihr normales Bett zurückgewichen. So schnell und radikal der Ausbruch auch war, genauso schnell lenkt alles wieder ein. 

 

Um mich herum fließt der Dschungel. Das Regenwasser hat diesem Ort seinen Zauber zurückgeschenkt. Nicht auszudenken, wie still es wäre ohne das lebendige, strömende Singen, das mich umgibt. Wie tot. So ist alles pures Sein, pure Freude, pures Glitzern und Tanzen. Jede Biegung schenkt mir ein neues Bild praller Fülle. Grün in allen Schattierungen. Moosgebirge, Baumriesen. Die Augen versuchen nicht mehr alle Verzweigungen zu entwirren. Sie genießen nur noch. In einem Meer des Lebendigseins. 

 

Bald schon lande ich an der Lewis Hut. Ein wundervoller Ort, wären da nicht Hunderte von "Sandfly's", die sofort auf mich einstürmen. Hier treffen sich zwei Flüsse, vereinen sich und bilden damit eine ganz neue Landschaft. Eine lange Brücke führt mich gleich darauf über den herrlich wilden Heaphy River. Er begleitet mich in den kommenden Stunden bis hinunter ans Meer. Immer neue Ströme kommen von links und rechts dazu und der Dschungel um mich herum wird immer ausgelassener, gewaltiger und atemberaubender. Dazu wachsen langsam Felsen in den Himmel, auf denen sich die Wurzeln riesiger Bäume in einem untrennbarem Geflecht vermählt haben. Und zwischen die baumhohen Farne, dunkle Höhlen und den matschigen Weg sind Rata-Bäume getupft. Sie leuchten wie Feuer mit ihren herrlichen roten Blüten. Die Pohutakawa-Brüder der Südinsel. Ich kann mich nicht sattsehen. Es ist pure Schöheit und die ganze Vielfalt der Schöpfung....

 

Wann immer die Sonne hervorkommt, wird es sofort schwül und heiß. Aber sie versteckt sich noch ein wenig. Zum Wandern ist das perfekt. Als ich dann an der Mündung des Flusses ankomme und damit auch an der Hütte und am Meer, jubelt die Freude laut aus mir heraus. Das ist ein absolutes Juwel. Und - ja, ich bin am Meer!!!! Endlich an der Westküste. Meine Füße sind auf den letzten Kilometern immer schneller geworden. Die Anziehung war enorm. Ich wollte hierher. Genau hierher! 

 

Mein Rucksack landet ganz schnell in einem der Räume. Ohne Auszupacken. Das kann warten. Erst einmal will ich an den Strand und in den Fluß. Baden, Sonnenschein genießen. Denn jetzt ist er da. Wie bestellt. Das Flußwasser ist herrlich kühl, eine Labsaal für die schweiß-, dreck- und energiegeladene Haut und mein Haar. Alles lasse ich baden, alles kann sich reinigen. Himmel! Und dann sitze ich am Strand, mitten zwischen salz- und sonnengeformten Hölzern. Stundenlang. Bis ich fühle, das der Regen nah ist. 

 

Es ist die pure Energietankstelle. Ein wundervoller Ort zum Schreiben. Ein wundervoller Ort für die letzte Nacht auf diesem Weg. 

 

 

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