Flaches Land im Norden

 Individualität übertrifft Gemeinschaft

Mit diesem Land hier oben im Nordwesten Deutschlands habe ich meine Probleme. Ich habe lange in dieser Region gelebt und bin mit ihr niemals wirklich "warm" geworden. Genauso wenig, wie mit den Menschen. Das alles geht mir durch den Kopf, als ich durch Hannover und Minden über das Steinhuder Meer nach Steyerberg komme. Ich sehe die schmucken, gepflegten und super ordentlichen Klinkerhäuser und ich fühle eine Kühle, die mich frösteln lässt. Es fühlt sich fast steril an. Dieses bunte Leben, die kleinen vielfältigen Zeichen von spirituellem Leben fehlen fast völlig. So auf den ersten Blick könnte das hier glatt eine vollkommen normale Wohnsiedlung in Nordrhein-Westfalen sein. 

 

Es braucht Zeit und es braucht Geduld, um hinter diese erste Kulisse zu schauen. Es braucht mehr als ein Essen in einem vollkommen leeren Speisesaal. Wo sind all die Menschen, die hier leben sollten? Wo, um Himmels willen ist eigentlich diese Gemeinschaft? Ich treffe Menschen, aber auch das sind Besucher. Die Einwohner verstecken sich irgendwie. Es gibt auch keinen Sammelpunkt. Keinen festen Termin, in den ich mich einklinken könnte. Der eine, der zu dem Zeitpunkt, als ich da bin existiert, wird kaum besucht. 

 

Ich erlebe erst, was hier alles geschaffen wurde und lebendig ist, als ich über einen Besucher in eines der Häuser eingeladen werde. Zu Declan Kennedy und Margit, seiner Frau. Zu zwei Menschen, die so inspirierend sind, wie ich es mir nur wünschen kann. Declan zeigt uns den Platz. Er ist zu dem Zeitpunkt der Mann für Permakultur. Wir schauen uns auf dem Schmuckstück des Geländes um. Und was ich dort zu sehen bekomme, das lässt mir wirklich Tränen in die Augen steigen. Es ist ein Garten Eden mitten in einer trostlosen Landschaft ausgelaugter Ackererde. Rund um das kleine Paradiesgrundstück, das zur Gemeinschaft gehört liegen Böden, die so krank und verzweifelt aussehen, das es mir das Herz umdreht. Und gleich daneben ist ein Garten entstanden, der nur die Bezeichnung himmlisch verdient. Es macht mir Hoffnung, solche Hoffnung, das selbst aus dieser Erde wieder so etwas Wundervolles entstehen kann. Es hat viele Jahre gebraucht. Es hat viel Wissen, viel Erfahrung und viel Experimentieren gebraucht. Es brauchte jede Menge Schweiß und Arbeit und viele, viele, viele neue Samen. Aber am Ende blüht hier alles. Jeder Teil dieses Gartens ist durchdacht und gleichzeitig vollkommen frei und wild. Ich habe das Gefühl, das hier die schönsten Seiten männlicher und weiblicher Qualitäten miteinander tanzen. Wunder-, wunder-, wunderschön!

 

Und auch am Abend, als ich Margit und ihre Arbeit näher kennenlerne, spüre ich die Kraft und das Potential, das Steyerberg auf den ersten Blick so gut versteckt. Margit schaut tief hinter die Kulissen der Finanzsysteme und des Geldes. Sie hat jede Menge Bücher darüber geschrieben, hält Vorträge und gilt als Expertin für alle neuen Entwicklungen in dieser Richtung. Ich erfahre zum ersten Mal etwas über Regionalwährungen und die Hintergründe eines Systems, das mir bisher so verschlossen war, wie der Zugang zum Mond.

 

Ich erlebe an diesem Abend auch eine Gastfreundschaft und Herzlichkeit, die mich tief berührt. Ich bin einfach hier hereingeschneit, ich bin einfach mitgekommen. Sie kannten mich nicht, aber ich bin mit so offenen Armen willkommen geheißen worden, das es mir noch heute warm im Herzen wird, wenn ich daran denke. Für mich sind Declan und Margit in diesen wenigen Stunden Inspiration und Freunde geworden. Und Steyerberg hat sich gewandelt.

 

Margit bestätigt mir allerdings auch meinen ersten Eindruck. Die Gemeinschaft ist an einem Punkt, an dem der Wunsch nach Rückzug und Individualität so stark zu genommen hat, das von dem gemeinsamen Miteinander kaum etwas zu spüren ist. Sie erklärt mir auch, das sie einen Weg suchen, das zu ändern. Ich sehe die Ansätze am nächsten Morgen. In dem kleinen Laden, der so genial gemeinschaftlich organisiert ist, das ich vollkommen baff bin.

 

Und so gehe ich an diesem Tag, voller neuer Ideen, voller Hoffnung und mit einem Samenkorn des Glaubens in mir, das jeder Platz voller Schätze ist. Das jedes Experiment eine Fülle von Wundern hervorbringt und das der erste Blick niemals das Ganze offenbaren kann.  

 

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