Von Geld und Verantwortung 

Ein ewiger Kampf geht zu Ende

Ich lebe im Luxus. Das sagt die Welt um mich herum. Sie suggeriert mir, das ich etwas Unmögliches tue. Für die meisten Menschen mache ich 4 1/2 Monate an den schönsten Orten dieser Erde Urlaub. Einfach so. Ich fühle die Eifersucht und den Neid, seit ich zum erstenmal daran gedacht habe, so zu leben. 

 

Für mich sieht das Bild allerdings anders aus. Zum Einen - das hier ist nicht einfach ein Urlaub mit Däumchendrehen und Ausspannen von einem aufreibendem Alltag, der in mir nach Erholung verlangt. Das hier ist meine Arbeit. Heilen, Schreiben, Zuhören, Mitfühlen. Engel sein. Und ich geniesse sie. Ich geniesse es, ich selbst zu sein, ohne jeden Abstrich, ohne jeden Kompromiss. Ich brauche keine Aus-Zeit von meinem Alltag, ich brauche keinen Urlaub von meiner Arbeit. Ich mache überhaupt keinen Unterschied zwischen beidem, weil es nicht nötig ist. Es ist alles eins in meinem Herzen und in meinem Leben. Ich bin nicht ausgebrannt und ich habe keine Erholung nötig. Ich bin in diesem Augenblick entspannt genauso wie in jedem Moment meines Seins. Und mein Paradies ist da, wo ich gerade bin. Egal wo auf dieser Erde das ist. 

 

Zum Anderen glaube ich daran, das jeder Mensch das Recht hat, so zu leben, wie es ihm entspricht und wie er möchte. Das, was ich hier tue, sollte keine Ausnahme sondern Normalität sein. Dieses Leben sollte ein Fest sein. Ein wirkliches Fest, in dem jeder Tag Freude und Erfüllung bringt. In dem wir uns mit Schönheit umgeben und nicht mit einem riesigen untragbarem Rucksack voller Pflichten, die wir nur übernehmen, weil wir es müssen. Das Leben ist für mich kein Kampf ums Überleben, es ist eine Geschenk und eine Schatzkiste. Abenteuer und Kreativität, Himmel und Glückseeligkeit. Ich liebe jeden Moment meines Hierseins. Jeden. Auch jede einzelne Herausforderung, weil sie mir ermöglicht, mich neu zu entdecken und ein Stück weiter zu gehen, als jemals zuvor. 

 

Aber die gesamte Gesellschaft, das gesamte Leben um mich herum ist vollkommen anders organisiert und strukturiert. Ich bin vom kompletten Gegenteil dessen umgeben, was ich verkörpere und fühle. Und das schlägt sich genau jetzt auch deutlich im meiner finanziellen Situation wieder. 

 

Jede Übernachtung hier kostet mindestens doppelt soviel, wie es eigentlich angebracht wäre. Ich zahle Urlaubspreise in einem Urlaubsland. Ich zahle dafür, das die Menschen hier nur ein paar Monate Gäste haben können und in dieser Zeit genug Geld für das gesamte Jahr zusammen bekommen müssen. Ich zahle ihre Steuern und ich zahle ihre Tilgungsraten und Kredite mit ab. Ein Leben, wie ich es führe, ist im Denken und im Leben dieser Welt nicht vorgesehen. Es existiert nicht. Auch dafür zahle ich. 

 

Alles, was ich kalkuliert hatte, ist in Rauch aufgegangen. Es funktioniert nicht. Ich kann nicht für Andere auf einer Farm arbeiten oder als billige Arbeitskraft Häuser saubermachen, die schon seit Monaten vernachlässigt wurden. Und ich kann auch nicht mehr in einem Backpacker-Hostel mit sechs Jugendlichen zusammen schlafen. Ich brauche meinen Raum für mich. Ich brauche den Raum der Stille und den Raum für meine Gedanken, meine Kreativität, mein Schreiben. 

 

Und so sind meine Konten im Minus. Deutlich und unverrückbar. Bisher habe ich mich in dieser Situation immer unbewußt auf meine Eltern verlassen. Wie ein Kind. Ich habe die Verantwortung abgegeben und gehofft, das sie mir helfen. Sie haben es auch getan. Aus einem Gefühl falsch verstandener Liebe. Denn ihre Unterstützung hat mich innerlich in einer Art der Abhängigkeit gehalten. Sie hat ihnen das Gefühl geschenkt, gebraucht zu werden und mir das Gefühl vermittelt, es selbst nicht zu schaffen. Die Ahnung von der Schrägheit dieser Situation ist schon oft in mein Bewußtsein gehuscht. Aber eben nur gehuscht. 

 

Diesmal und heute ist es anders. Ich weiche dem Gedanken nicht mehr aus. Ich will nicht mehr in dieser Situation landen, egal wie die Welt funktioniert. Das kann keine ewige Entschuldigung dafür sein, das ich in regelmäßigen Abständen vor dem gleichen Problem stehe. Ich will diese scheinbare Lösung nicht mehr. Ich will keine Eltern, die es sich zur Lebensaufgabe machen, mich zu unterstützen. Ich bin für mich verantwortlich. Für alle meine Gedanken und für das Leben, das ich gewählt habe. 

 

Ich wähle Freiheit, Ungebundenheit und volle Selbstverantwortung. Es ist leicht mit meiner Bank in Kontakt zu treten, es ist einfach über einen Kredit zu verhandeln. Und es ist überhaupt kein Problem, Fehler zu machen. Das, was ich hier lebe, ist vollkommen neu. Ich darf stolpern. Ich darf meinen Weg langsam entwickeln. Es darf ein Zick-Zack-Kurs sein. Straucheln ist vollkommen in Ordnung. Und jeder Gedanke an Perfektion vom ersten Augenblick an, schafft nur eine unlösbare Fessel und ist absurd. Doch bisher habe ich mir genau das zur Aufgabe gemacht. Alles muss sofort funktionieren. Ich muss sofort perfekt sein. Ein Fehler ist Komplettversagen. Und wenn ich nicht alles sofort umsetzen kann, was in meinem Inneren klar wird, dann habe ich ebenfalls versagt. 

 

Ich habe die Latte in meinem Leben so hoch gelegt, das es unmöglich war, darüber zu springen. Absolut unmöglich. Ich habe sie so hoch gelegt, um mir selbst immer wieder diesen tiefen inneren Glaubenssatz zu bestätigen. "Ich bin eine Versagerin. Ich schaffe es nicht allein." Es ist ein Glaubenssatz, der aus Liebe zu meinen Eltern entstanden ist. Denn ich habe immer gefühlt, wie sehr sie es brauchen, gebraucht zu werden. Ich wollte ihnen einen Gefallen tun. Es mag im ersten Moment schräg klingen, aber für mich ist es vollkommen logisch. Und es ist nur eine dieser Liebesketten, die mir bei so vielen Menschen, in so vielen Situationen begegnet sind. 

 

Aber für mich ist dieser endlose gordische Knoten, der mich durch mein Leben begleitet hat an dieser Stelle gelöst. Das Spiel ist zu Ende. Ich brauche es nicht mehr. Geldmangel wird in meinem Leben keine Rolle mehr spielen. Es gibt kein blindes Hineinstolpern mehr in irgendeine finanzielle Harakiri-Situation und kein Hoffen auf die rettende Hand. Ich bin die Rettung. Niemand sonst.

 

Und - ich liebe meine Eltern. Aber ohne jedes Brauchen und ohne irgendeinen komischen Dreh. Endlich!

Foto: Uschi Dreiucker / pixelio.de
Foto: Heike Würpel
Foto: Marco Schlüter / pixelio.de
Foto: Peter / pixelio.de
Foto: Andreas Hermsdorf / pixelio.de
Foto: Heike Würpel
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de
Foto: Herbert Raschke / pixelio.de
Foto: Heike Würpel
Foto: Rolf Handke / pixelio.de
Foto: Susanne Richter / pixelio.de
Foto: roja48 / pixelio.de
Foto: Bernd Kasper / pixelio.de
Foto: Rudis-Fotoseite.de / pixelio.de
Foto: Peter A / pixelio.de
Foto: Carolin Daum / pixelio.de
Foto: Thomas Wiesendahl / pixelio.de
Foto: Uschi Dreiucker / pixelio.de
Foto: Bernd Kasper / pixelio.de
Foto: Gabi Schoenemann / pixelio.de
Foto: H.D. Volz - pixelio.de
Foto: hum / pixelio.de
Foto: Maren Beßler - pixelio.de
Foto: Rosel Eckstein / pixelio.de
Foto: Alexander Altmann / pixelio.de
Foto: Heike Würpel
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de