Tag 3 - Mintaro Hut zur Dumpling Hut

14 Kilometer

489 Meter Anstieg, 969 Meter Abstieg

Fotos: Heike Würpel

Es ist nicht der Anstieg, der heute in die Beine geht. Auf den bin ich seelisch perfekt vorbereitet und ich geniesse jeden kleinen Schritt und die langsame Stetigkeit in mitten morgendlicher Kühle. Es ist der Abstieg, der in jeder Faser meiner Muskeln spürbar bleibt. Fast 1000 Höhenmeter über steinübersäte, schmale Pfade. So ganz anders, als alles, was ich in den letzten zwei Tagen gesehen und durchlaufen habe.

 

Mackkinnon Pass. Das ist der Ort, an dem ich zwei Stunden verbringe. Ich bin als erste gestartet, jetzt gehe ich fast als Letzte weiter. Es ist so unglaublich schön hier oben. Warum sollte ich bei diesen Ausblicken gehen? Ich klettere auf einen etwas abseits liegenden Berg und bade in der Stille. Weiter unten ist munteres Treiben. Jeder Neuankömmling greift zum Fotoapparat und feiert den höchsten Punkt der Wanderung (auch wenn es bis dahin noch ein kleines Stück weiter ist) und sich selbst. Die geführte Gruppe kommt und geht, die Unigruppe aus den USA taucht auf, lautstark, und verschwindet wieder. Ich fühle mich wie ein ewiger, anwesender Zeuge einer vor sich hin eilenden Welt. Das Kreischen, Lachen und die rege Aktivität dort unten gehören nicht zu mir. Ich bin nur da. Einfach, ganz und gar und in vollkommenem Frieden mit der Majestät der Berge um mich herum. 

 

Selbst die Kea's schauen nur kurz bei mir vorbei. Es gibt nichts zu stibitzen. Da macht es mehr Sinn, die Vorräte der anderen Rucksäcke dort unten zu inspizieren. Beim Weitergehen komme ich bei der einzigen Wasserquelle im weiten Umkreis vorbei. Ein Tank an der Notunterkunft. Hierher sind alle Menschen gezogen. Hier haben sie ihre Pause verbracht. Mittendrin im Gewusel. Ich glaube, ich werde diese Menschen nie verstehen. Soviel grandiose Stille, soviel Raum, aber alle drängen sich auf wenigen Quadratmetern zusammen. Als würde die Unendlichkeit ihnen Angst machen. 

 

Der Weg führt jetzt steil und steiler nach unten. Jeder Schritt braucht die volle Konzentration. Lose Felsen, klettern über dem Kopf - Schneeabbruchskanten. Das hier ist im Winter pures Lawinengebiet. Mir ist mulmig. Nur Stunden vorher habe ich am Pass eine Lawine gesehen. Die Sonnenhitze hat das brüchige Eis nach unten poltern lassen. Der Berg über mir schaut nicht weniger  instabil aus. Vorsichtig und mit hellwach mit allen Sinnen gehe ich weiter. Der Berg bleibt gelassen und ruhig. Sein Gletscherwasser bildet jetzt den schönsten Bach, den ich je gesehen habe. Er tanzt links neben mir den Abhang hinunter, hüpft von Wasserfall zu Wasserfall, stürtzt sich ins Unbekannte und ist in jedem Augenblick eine pure Augenweide. Allein diese Farben. Einfach nur diese Farben.... Mein Gott, es ist soooooo schön!

 

Und ich balanciere derweil auf einem atemberaubend kühnem Treppengebilde ins Tal. Meine Knie werden langsam etwas wabbelig. Wenn das Panorama nicht so genial wäre, könnte der Weg von mir aus ruhig langsam zu Ende gehen.

 

Es gäbe noch einen Abstecher hier unten. Die Sutherland Falls. Aber ich weiß genau, was mich dort erwarten würde. Die Wasserfälle sind nur circa 40 Minuten von der Hütte der geführten Gruppe entfernt. Alle, wirklich alle werden dorthin laufen. Dazu kommen meine vierzig unabhängigen Mitwanderer. Das ist der Platz, an dem sich die gesamte Menschheit dieses Tales trifft. Rummelig und lautstark. Nein, das brauche ich nicht. Ich will noch nicht einmal einen kleinen Abstecher zum Wasser-Auffüll-Platz machen. Es wird doch wohl woanders einen Zugang zum Fluß geben, der sich mittlerweile aus dem munteren Bach geformt hat. Oder?

 

Nein, kein Zugang. Die nächste Stunde bin ich durstig unterwegs. Es ist absurd. Neben mir sprudelt das Wasser, aber zwischen mir und dem Fluß wuchert undurchdringliches Dickicht. Ich komme da nicht durch. Erst kurz vor der Hütte finde ich pure Idylle. Sandstrand, Schwimmplatz, Fluß. Alles ist urplötzlich da. Kleider vom Körper gerissen, ins Wasser tauchen und trinken. Es geht tatsächlich alles auf einmal. Das Zischen der Haut ist deutlich hörbar und meine Erleichterung auch.

 

Das ist wieder so ein Traumplatz. Ich hätte mir diesen Ort nicht schöner erschaffen können. Und - ich bin vollkommen allein. Um mich herum tönt nur die Natur. Sonst ist kein Laut zu hören. Ich versinke in Glückseeligkeit. Wieder und wieder. Jedesmal tiefer. Der Stein wärmt mich, der Sand kitzelt und das Wasser stülpt jede Zelle um. Es geht nicht besser....

 

Oder - doch, ohne Sandfly's ;-)

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