Alleinsein in einer vollen Welt

Gedanken in der Stille der Nacht

Die Mail von einer Freundin hat mich gerade erreicht. "Wie trägst du dieses All-ein-Sein?" Sie trifft einen Nerv, etwas, das mich hierher ans andere Ende der Erde begleitet hat. Es ist eines der wichtigsten Grundthemen meines Lebens. Es war Zeit, mich ihm zu stellen. Ich wußte, bevor ich aufgebrochen bin, das ich die Antwort zurück nach Deutschland nehmen werde. Ich wußte auch, das es mich an meine Grenzen katapultieren würde. Mitten hinein in diesen unendlich kalten Abgrund, in dem jede Verbindung gestorben ist. Entfernte Ahnung. Ausgeträumter Traum. Nie gewesene Realität. 

 

Die Antwort lebt in mir. Sie ist gewachsen in diesen letzten Wochen. Gewachsen inmitten einer Fülle von Menschen. Inmitten eines irrsinnigen Gewusels. Inmitten einer Welt, die vollkommen anderen Regeln folgt, als die, die in meinem Herzen wachsen. 

 

Ja, ich bin allein. Auf einer Ebene bin ich so allein, wie ich nur sein kann. Ich bin dort allein, wo niemand anders anwesend ist. Wo alle um mich herum den Raum verlassen haben. Den Raum des Hier und Jetzt. Den Raum des Augenblicks. Ich bin allein, wenn die Menschen um mich herum in eine Welt der Angst,  purer Geschäftigkeit, endloser Hast, glühendem Streß und kunstvoller Gedankenspiralen verschwinden. In einer Welt, in der ihre Herzen und Seelen unerreichbar werden. In einer Welt, in der jeder Augenkontakt unmöglich wird. Eine Welt ohne Zuhören und ohne den Raum des Mitfühlens. In einer Welt, in der sich alles, alles, alles nur um den eigenen Mini-Horizont dreht und jeder Gedanke an den weiten Himmel ausgeblendet wird. In einer Welt, in der das Überlebens-Programm jede andere Regung überschattet.

 

Es ist ein Alleinsein, das wehtut. Weil ich körperlich mitfühle. Weil jede Zelle in mir schreit. Weil ich sehe, spüre und erlebe, wohin diese Trennung führt. Weil offensichtlich ist, wie weit wir diese Erde bereits zerstört und uns gegenseitig abgeschlachtet haben, nur weil wir uns von dem Wesen jenseits der gedachten Grenze abgespalten fühlen. Überlegen, unterlegen aber niemals eins oder gleichwertig. Weil das Leben der meisten Menschen sich eher wie eine Hölle anfühlt, als der Himmel, in dem ich zu Hause bin.

 

Aber ich kann hinter diese Welt schauen. Ich kann die Menschen hinter den Masken und Mauern fühlen. Ich weiß, wer sich dahinter versteckt. Ich kann ein Lächeln aussenden und ein Herz voller Liebe und damit ganze Eisberge zum Schmelzen bringen. Ich kann ganz in meinem Gefühl der tiefen Verbundenheit bleiben und damit die Illusion der Trennung für kurze Augenblicke zum Einsturz bringen. Ich habe die Worte, ich habe die strahlenden Augen, ich habe das Licht und ich habe die Wärme in mir, die es dafür braucht.

 

Es ist nicht einfach. Es ist ein langer und einsamer Weg. Einer, den ich ganz allein gehen muss. Es gibt keine Vorbilder, es gibt niemandem, dem ich folgen kann. Ich bin diejenige, die den Pfad bahnt. Steinig und steil. Ein Pfad, bei dem ich mich ganz auf mein eigenes Gefühl stützen muss. Auf meine Intuition. Und auf den Glauben an mich selbst und mein Wesen. Es ist ein Weg, bei dem ich mich öfter in Frage stelle, als Sterne am Himmel funkeln. Aber es ist auch ein Weg, bei dem ich mich tiefer, kraftvoller und reiner als das erfahre, was ich wirklich bin.

 

Liebe. Licht. Eine reine Seele, die alles umarmt. Die mit allem zutiefst verbunden ist. Ein Engel. Und ein Geschenk für diese Welt. 

 

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