Ein Sprung in die Freiheit

Am anderen Ende der letzten Grenze

Ich habe mich verabschiedet. Von einem Konzept. Einer Idee. Und einem Liebesentwurf. Ich habe mich davon verabschiedet einem einzigen Menschen treu zu sein. Einen einzigen Mann, ganz prominent und unangefochten in meinem Herzen wohnen zu lassen. Ich streife diese Identität ab, wie einen Mantel. Einer Haut, die mir zu klein geworden ist. Einer Grenze, die nicht mehr passt.

 

Mein Herz ist größer. Es ist viel, viel weiter. Endlos wie der Horizont. Fließend wie der Ozean. Vollkommen offen. In ihm lebt so viel Liebe, das es für die ganze Welt reicht. Für alle Männer. Ohne auch nur eine Facette herabzusetzen. Ohne eine Beziehung kleiner zu machen als alle anderen. 

 

Jede Liebe, jede Verbindung, jede Beziehung ist absolut einzigartig. Nichts kann niemanden ersetzen. Ich kann die Männer nicht austauschen. Ich kann ihnen aber auch keine Wertigkeiten mehr zuordnen. Das Gebäude der Hierarchien bricht in sich zusammen. Es hat seinen Sinn verloren.

 

......

 

Bis zu diesem Punkt war es wichtig daran festzuhalten. Es hat mir Schutz gegeben. Sicherheit. Einen klaren Raum in einer Welt, die Sexualität und Beziehung permanent benutzt. In einer Welt, in der Offenheit für eine Frau gleichbedeutend ist mit Hurerei, Oberflächligkeit und Gefühlskälte. Ganz im Gegensatz zum Urteil über einen Mann in der gleichen Situation.

 

Es ist eine Welt, in der es gefährlich ist, so offen zu bleiben. Lebensgefährlich. Ich kann mich an viele Tode in vielen Existenzen erinnern, die meiner Unschuld und Liebe über alle Grenzen geschuldet war. Ich kann mich an genügend Vergewaltigungen erinnern. In diesem Leben und in anderen.

 

Sie sind mir nicht einfach geschehen. Sie kamen in mein Leben, weil ich nicht in der Lage war, eine klare Grenze zu ziehen. Von vornherein. Sie geschahen, weil ich nicht Nein sagen konnte. Weil ich unsicher war und gegen meine eigenen Instinkte gehandelt habe. Sie geschahen, weil die Sehnsucht nach Verbindung, Liebe und tiefem Fühlen größer war, als jedes Gefühl der Realität vor meinen Augen. Ich habe mir die Wirklichkeit zurechtgebogen. Schöngeredet. Und mich selbst mit all' meiner wunderbaren Intuition, mit all' meiner Weisheit zurückgenommen. Sprachlos gemacht. Ich habe gegen die Trennung in dieser Welt protestiert. Und mich dabei selbst vergewaltigt.

 

Die tiefe Treue der letzten Jahre waren eine Möglichkeit, mich selbst zu heilen. Von den Übergriffen. Den Verletzungen. Den tiefen Wunden und der abgrundtiefen Traurigkeit über den Zustand der Welt. Vom Mißbrauch der Liebe. Vom alltäglichen Verdrehen der Sexualität. Vom ewigen Kreislauf des "benutzt werdens" und sich "benutzen lassens". 

 

Sie hat mir den Raum gegeben, meine eigene Stimme wieder zu finden. Das Vertrauen in mein Gefühl. Das Vertrauen in die Wahrheit meines Herzens. Und dieses Herz ist pure Liebe. 

 

......

 

So, wie ich die Länder liebe, in denen ich war und bin. In mir leben die Verbindungen zu Neuseeland, das Verschmelzen mit Australien, das Jubeln über den Anblick der Azoren und die Freude über Korfu's Strände Hand in Hand. Ich kann weder Schottland noch Cornwall noch Schweden vorziehen. Ich könnte niemals Deutschland verlassen. Oder Frankreich den Rücken kehren. Ich bin überall zu Hause. Ich fühle überall etwas ganz Besonderes. In einer ganz eigenen Schwingung. In einer vollkommenen Schönheit. Unkopierbar. Unnachahmlich. Einzigartig.

 

Die Liebe zu Menschen, zu Männern folgt den gleichen Gesetzen. Diese Liebe macht um die Sexualität keinen Bogen. Sie erfindet keine Ausnahmeregeln. Das ist meine wirkliche Wahrheit. Für mich liegt in jeder Begegnung eine eigene Welt verborgen. Jedesmal singen unsere Körper ein neues Lied. Und weben eine neue Farbe in den Teppich des Verschmelzens. 

 

Ich möchte in jede Nuance, in jede dieser Farben eintauchen können. Wann immer ich es entscheide. Wann immer es stimmig ist, dem Fluß zu folgen. Ich möchte mit dem Leben tanzen und  auf immer neue Arten strahlen wie ein Regenbogen im Sonnenlicht. 

 

......

 

Und endlich - endlich kann ich auch den Sprung wagen. Hinaus aus der gut gesicherten Festung der Einer-Beziehung. Hinaus in den Ozean. Weil ich mir selbst zutiefst vertraue. Weil ich Grenzen ziehen kann. Weil ich genau spüre, was stimmt und was nicht. Weil ich Ausbeutung und Benutzung auf Kilometer wittere und nicht mehr darauf eingehe. Und weil ich keine Angst mehr habe, damit etwas oder jemanden zu verlieren. Ich bin ich. Ich will nicht anders geliebt werden. Um keinen Preis der Welt.

 

In mir ist Frieden, Neugierde, grenzenlose Offenheit und Freude. Es ist nicht wichtig, was jetzt im Außen auf mich zukommt. Es spielt keine Rolle, ob da irgend jemand ist, bei dem ich spüre, das die Verbindung wirklich fließen kann. Vielleicht steht kein Mann an diesem Punkt - ich weiß es nicht. Für mich ist nur wichtig, das ich mich selbst gefunden habe. Das ich mich vertrete. Und das meine Selbstunterdrückung und der Verrat an meinem eigenen Wesen ein Ende hat.

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