Realitätscheck 

Vom schwierigen Ankommen

Es ist mühsam, die Energie herunterzufahren. In mir ist alles in Bewegung, doch im Außen geschieht das Gegenteil. Die Tage werden dunkler und dunkler und ersticken mich fast mit ihrer Kürze. Ich möchte hinaus, ich möchte die Luft atmen, die Stille fühlen und meinen Körper fordern, aber der gesamte Rhythmus in meinem neuen Winter-Zu-Hause ist ein Anderer. Die Welt hier ist auf Einfrieren eingestellt. Auf kuschlige Abende, warme Stuben und eisig unfreundliche Natur. Noch gibt es Frühlings-Temperaturen, das verwirrt mich nur noch mehr. Nichts passt so richtig zusammen und ich merke, wie ich zwischen allen diesen Eindrücken und Einflüssen herumtaumele wie ein Blatt im Wind. 

 

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Der Ort hier ist wunderschön. Sechzig Einwohner teilen sich das Dorf an der Havel, sieben Kilometer entfernt von der Hauptstraße und ihrem Verkehr. Sieben Kilometer vom nächsten bewohnten Örtchen. Parey liegt allein am Ende der Welt. Genau dort, wo ich sein wollte. Und trotzdem bin ich in eineinhalb Stunden mitten in Berlin oder Potsdam. Auch wenn hier nur dreimal am Tag ein Bus fährt - schultauglich - zu vollkommen schrägen Zeiten für jeden Langausschläfer - und natürlich nur in der Woche. 

 

Ich bin viel unterwegs in diesen Tagen, erkunde die neue Umgebung, entwickle einen eigenen Rhythmus, aber es fällt mir schwer, diesem deutschen Alltag zuzuschauen. Die Menschen um mich herum sind in einer für mich immer fremderen Welt eingebunden, fast gefesselt. Ich erreiche sie nicht, sie sind weit weg. Ob sie nun im Zug sitzen oder in der Stadt an mir vorbeihetzen. 

 

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Nein, hier passt nichts zusammen. Die Natur ist aus ihrem vertrautem Dasein katapultiert worden und ich bin auf einem fremden Stern gelandet. Wird es anders werden - im Advent? Ich weiß es nicht.

 

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Es bleibt nur, zu genießen, auf das, worauf ich mich schon lange gefreut habe - Bio-Läden und selbst kochen. Es ist der einzige Punkt, der wirklich funktioniert. Das Einzige, das so ist, wie ich es mir gewünscht habe in den vielen Monaten inmitten von Hotels und Restaurants.

 

Alles Andere wird brüchig. Bücher. Filme. Freunde. Die geschriebenen Geschichten fesseln mich nicht mehr so, wie es einmal war. Die Filme erzählen Schicksale, die ich schon tausendmal in ähnlicher Form gesehen habe. Nichts scheint neu zu sein. Da sind keine Anregungen mehr. Es ist wie eine laue Suppe. Und meine Freunde leben ihr eigenes Leben. Austausch. Fast Null. 

 

Ich bin auf mich selbst zurückgeworfen. In jeder Beziehung. Zurückgeworfen auf die Stille in mir und das, was ich wirklich tun will. Romane machen Platz für Geschichtsbücher. Die Sprachen werden wichtiger. Mein Buch wächst in mir und auf dem Papier. Aber es ist anders, als ich gedacht habe, ganz anders. Weil ich mit mir allein bin.

 

Doch genau daraus entsteht etwas Neues. Eine Kraft, eine Gewißheit und eine Fähigkeit. Es entsteht die Freiheit und Unabhängigkeit mein Leben zu genießen, egal, was in dieser Welt und um mich herum geschieht. Ich finde meinen Weg, weil alles, woran ich mich vorher orientiert habe, verschwunden ist. Es geschieht ganz langsam, fast unmerklich.....

 

Aber ich erlebe diese Tage, in denen ich pure Freude bin und pures Licht. Die Tage, an denen ich unter diesem weiten Havelland-Himmel über den Damm laufe, den Vögeln zuschaue und mit dem Licht der unter- oder aufgehenden Sonne verschmelze.

 

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