Tag 5 - Oberhof nach Neustadt am Rennsteig

Entfernung: ca. 28 Kilometer, 288 HM ↑, 345 HM ↓

Lauftempo: Voller Energie und Freude!!!

                                                                                       Fotos: Heike Würpel

Es zieht mich hinaus. Strahlend blauer Himmel. Der Sonnenaufgang lockt. Frühstück? Später. Erstmal will ich nur laufen, laufen, laufen. Hinein in diesen wunderschönen Tag.

 

Die Erinnerungen kommen sofort, nachdem ich wieder auf dem Hauptweg bin. Hier bin ich mit meiner Rennsteig-Gruppe unterwegs gewesen. Enthusiastisch, unerfahren und nur mit dem Wissen aus einer Mountainbike-Erkundung gewappnet, bei der ich natürlich ganz anders und vor allem viel schneller unterwegs war, als jetzt zu Fuß. Prompt hatte ich eine Gruppe, die unterschiedlicher nicht hätte sein können. Alle Extreme auf einmal. Die Unzufriedenheit, die mich damals umgab, kann ich auch jetzt noch fühlen. Es wird Zeit, sie loszulassen. Vielleicht bin ich auch deswegen hier. Um ein mittelschweres Trauma zu heilen...

 

Dieser Tag ist perfekt dafür. Ich freue mich einfach am Da-Sein. Am Sonnenschein, am Tempo. Es macht riesige Freude, jeden Muskel in meinem Körper in voller Aktion zu erleben. Die Schmücke ist schnell erreicht, den Abzweig zum Finsterberg lasse ich links liegen, ich will auf dem Original-Rennsteig bleiben, auch wenn die Straße daneben liegt. Bahnhof Rennsteig. Mittagspause. Stimmengewirr. Rege Betriebsamkeit und leckere Kürbissuppe. Lange hält es mich nicht, denn noch scheint die Sonne und ich habe keinerlei Grenzen für diesen Tag gesetzt. Eine Unterkunft? Habe ich noch nicht. Ich will laufen, so weit mich die Füße tragen. 

 

Allzunah kommt in Sicht. Eines meiner Lieblingsdörfchen am Rennsteig. Nur leider ohne gute Unterkunft und außerdem bin ich noch viel zu fit und es ist viel zu früh zum Einkehren. Nein, ich will weiter laufen. Wenig später grüßt mich der Mittelpunkt des Rennsteigs! Jippih! Soweit habe ich es also geschafft und nun geht es bergab - in jeder Beziehung.

 

Ja, von wegen. Der nächste Abschnitt ist ein einziges Schlammbad. Eine neue Erdleitung wird gelegt und dabei haben die Bauleute sorgfältig jedes Stückchen des eigentlich breiten, schönen Wanderwegs in eine von Planierraupen zerfurchte Wüste verwandelt. Es gibt fast keine Möglichkeit, den tiefen lehmigen Schlammbädern zu entkommen. Die nächste Stunde bin ich nur damit beschäftigt halbwegs sauberen Fußes durch dieses Fiasko zu kommen und fluche wie ein Bierkutscher. Warum gab es eigentlich keine Warnung? Warum keine Umleitung? Und warum hat niemand von den Planern darauf geachtet, das ein kleiner gangbarer Pfad für die Wanderer bleibt? Ich scheine als Gast auf DEM Höhenweg Thüringsn doch nicht so wichtig zu sein, wie es die Werbeprospekte erzählen wollen. Ein bitteres Gefühl. Und wieder mal ein Beispiel der Gedankenlosigkeit Anderer. GRRRRR! 

 

Einer der Höhepunkt des Tages hätte die Aussicht sein sollen, die nach meiner Odyssee folgt. Aber Pustekuchen. Nebel ist aufgezogen. So dicht, das ich kaum den Weg ahnen kann. Wenn ich nicht wüßte, das man hier normalerweise wunderbar über weite Wiesen schauen könnte, hätte ich keine Ahnung von der Schönheit, die sich verbirgt. Schade. Aber die Stimmung ist trotzdem interessant. Versteckt. Verwunschen. Ich bin allein auf der Welt. Ganz allein. Alles Äußere ist ausgeblendet. Das Leben auf mich reduziert. Irre....

 

Das Wetter und die Schlammstrecke haben natürlich auch mein Tempo gebremst. Die Lust auf weitere Ausflüge ins Nebelland sind verschwunden. Es ist kühl geworden ohne Sonne. Und feucht noch dazu. Zeit, ein Nachtlager zu finden. Mein Favourit hat noch eine Stunde geschlossen und schaut nicht ganz so heimelig aus, wie ich es mir wünschen würde. Was bleibt ist ein typisches Ferienhotel im Stil der FDGB-Erholungsheime, die ich aus meiner Kindheit kenne. 

 

Es ist wie eine kleine Zeitreise, als ich am Abend hier esse. Ein riesiger Raum voller Menschen. Hundert? Zweihundert? Keine Ahnung. Es ist die pure Massenabfertigung mit weitgefächertem Buffet. Günstig. Billig. Hier geht es ums satt werden. Nicht um kulinarische Höhenflüge. Aber es ist o.k. um meine Batterien wieder aufzuladen. Und noch besser, um zu wissen, das ich so eine Unterkunft nie wieder brauche. 

 

 

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