Tag 6 - Neustadt a. Rstg. nach Friedrichshöhe

Entfernung: ca. 22 Kilometer, ca. 320 HM ↑, ca. 300 HM ↓

                                                                                        Fotos: Heike Würpel

Soviel Zeit. Soviel Ruhe. Das ist mein Lieblingstück des Weges, denn alles ist vertraut. Masserberg. Friedrichshöhe. Wieviele Winter, wieviele Sommer habe ich hier verbracht? Wie oft bin ich diesen Anstieg zur Rennsteigbaude schon gelaufen? Ich kann es nicht zählen. Erinnerungen blitzen hoch. 

 

Dieser steile Hang, an dem ich meinen ersten und einzigen Salto Mortale auf Skiern probiert habe. Der scheinbar leichte Hügel, bei dem man so viel Geschwindigkeit aufbaut, das es fast unmöglich ist, die Spur zu halten oder Kurven zu ziehen. 

 

Ich bin Rennen gefahren auf der Strecke, ich bin hinter meinen Eltern her getrottet, bunte Bilder von fremden Welten im Kopf. Ich habe meinen ersten Kuss erlebt - im tiefen Schnee - und die erste Liebe. 

 

Trotzdem halte ich nicht an. Die Idee an eine Pause in Masserberg vergeht, als ich dort stehe, denn alles hat sich verändert. Aus dem großen Erholungsheim am Ortsrand ist ein genau so grotesk großes Hotel geworden. Komplett mit riesigem Wellness-Bereich. Nach der letzten Nacht kann der Bogen darum nicht groß genug sein. Ich möchte meine Erinnerungen nicht verwässern. Nicht noch einmal. Vor Jahren schon war ich wieder hier. Entsetzt, enttäuscht. Nein, ich gehe weiter. Und lege mich lieber unter einen Baum am Wegesrand. Dort, wo keine Menschen sind. Dort, wo ich nur dem Wind in den Zweigen lauschen kann. Dort wo meine Träume nicht vom getriebigen Touristenstrom unterbrochen werden.

 

.......

 

Friedrichshöhe ist ein ganz anderes Pflaster. Der schönste Ort am Rennsteig. Mein Skisprung-Lern-Ort. Die kleine Kneipe mit dem leckeren Eis. Die weite Wiese. Alles ist noch da. Acht Kilometer trennen mich vom Trubel in Masserberg. Gott sei Dank. Doch, wie ich es schon wußte, die Baustelle für die große Strom-Überland-Leitung, ist weit fortgeschritten. Nur wenige Meter vor Friedrichshöhe teilt sie den Wald brutal in zwei Hälften und zwingt mich über Betonmauern zu klettern. Der Protest gegen dieses riesige Projekt war laut und lang, aber nutzlos. Noch ist die Leitung nicht fertig, aber ihre Ausstrahlung wird die Atmosphäre für immer verändern. 

 

Es ist der schönste Abend, den ich am Rennsteig verbringe. Sonne. Stille. In der Perle Thüringens. Meine Übernachtung habe ich schon Tage vorher gebucht, um sicher zu sein, hier unterzukommen. Es ist herzlich, kuschlig, wundschön in der Heupension. Und ich wünschte mir, es würde immer so bleiben. Ich wünschte, diese Stromleitung würde nicht existieren. Ich wünschte, die Zeit könnte einmal, nur einmal wirklich stehen bleiben, um niemandem die Gelegenheit zu geben, dieses Paradies zu zerstören...

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