Französisch auf meine Art 

Schul-Eklat und Stadtentdeckungen

Fotos: Heike Würpel

Ich kann nicht gerade behaupten, das hier in Paris weniger los wäre als in Berlin, im Gegenteil. Eigentlich lande ich vom Regen in der Traufe. Denn soviele Menschen auf einem Fleck habe ich - zusammengerechnet - im ganzen letzten Jahr nicht gesehen. Aber irgendwie habe ich es wieder geschafft, eine kleine ruhige Ecke in dieser wirbelnden Stadt zu finden. Nördlich vom Monmatre, in einem ganz traditionellen Wohnhaus mit sieben Etagen ohne Fahrstuhl. Natürlich wohne ich ganz oben. Soweit, so gut, prima Training, sagt der Kopf. Aber allein den Koffer hochzuwuchten entpuppt sich als Herkulesaufgabe. Bloß gut, das in der vierten Etage ein netter Nachbar sein Joggen ein wenig verschiebt, um mir leichtfüßig zu helfen. 

 

Wenn es jetzt noch ein klitzekleines bisschen kühler wäre, könnte ich es ganz gut hier aushalten. Fast jeder Abend dieser Paris-Woche gehört Sacre Coeur. Zu Fuss bin ich in zwanzig Minuten von zu Hause aus die vielen Treppen hinaufgeklettert und stehe mit einer unüberschaubaren Menschenschar über dem weiten Pariser Häusermeer. Ganz rechts winkt der Einfelturm, der Himmel ist romatisch rot, genauso, wie es sich gehört. Und ich genieße es einfach. 

 

Genauso, wie die wundervollen Boulangerien, das leckere Essen, die überall neu entstandenen Bio-Läden, mein Lieblingseis beim Place des Vosges.... Ich pilgere von Notre Dame hinüber zu den unzähligen Buchläden im Quartier Latin, strolche durch das Mittelaltermuseum, entdecke neue Kirchenkleinode und fahre auf's Geratewohl mit dem Bus durch die Stadt. 

 

Ich habe frei. Aber eigentlich war es anders geplant. Zwei Tage lang habe ich die Schulbank gedrückt. Ich wollte mein Französisch noch ein wenig zurechtstutzen. Aber in dieser kurzen Zeit merke ich deutlich, das diese Institution für mich der Vergangenheit angehört. Es macht keinen Spass mehr, zwischen gelangweilten Sprachschülern zu hocken und Texte durchzuarbeiten, deren Themen meilenweit an meinen Interessen vorbeizielen. Ich habe keine Lust auf Grammatiklektionen, die Formen lehren, die ich in der normalen Sprache gar nicht brauche.

 

Natürlich - das hier ist Französisch, da wird auf den Stil unendlicher Wert gelegt. Und jede Zeitform möchte korrekt angewendet werden. Aber ich spüre deutlich, das es für mich einen anderen Weg der Lernens gibt. Einen Weg, bei dem ich meine Liebe für dieses fließende Sprachgebilde behalte und die Neugier an unbekannten Wörtern nicht zwischen Frühstücks- und Mittagspause stirbt.

 

Das gilt nicht nur für Französisch - meine Schulzeit ist für jede Sprache dieser Welt vorbei. Selbst der Einzelunterricht, den mir die Schule als Ersatz anbietet, ist nicht mehr das, was ich wirklich brauche. Und so verlasse ich den Ort und gehe auf meine eigene Entdeckungsreise durch Paris. Von den mondänen Boulevards bis ins umtriebige afrikanische Viertel, in dem ich immer aussteige. Hier bin ich das einzige weiße Gesicht. Schwupps, eine andere Welt. Maisverkäufer, fliegende Markthändler, buntbetuche afrikanische Mamas... herrlich! Ich finde es toll, dieses Wechselbad der Stadt. 

 

Abends zu Hause lese ich französische Krimi's, bereite mich auf die Loire-Reise vor oder steige einfach mal wieder in einen neuen Bus.... So muss Paris sein. Tun, was immer im Augenblick stimmt.... 

Da können mich auch die Touristenscharen nicht mehr schocken...

 

 

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