Mein Tempo umarmen 

Lernprogramm Liebe

Azoren. Trekking. Die Gruppe ist da. Und bei aller Vorbereitung - ich komme an meine körperlichen Grenzen. Wieder einmal. Bewußt und gewollt. 

 

Es ist eine Herausforderung Menschen zu führen, die Triatlethen und Sportenthusiasten sind und täglich ein Programm absolvieren, das ich so noch nie in Angriff genommen habe. Am Ende funktioniert es tatsächlich. Ich spüre mein Erstaunen darüber selbst jetzt noch. 

 

Was ich auch spüre ist die Gewissheit, nicht am falschen Platz zu sein.

 

Sport kann eine Flucht sein. Geschwindigkeit kann ein Ausweichen werden. Körperliche Höchstleistungen können zum Mittel des Vergessens werden. Ich erinnere mich an die Radfahrer am Bodensee, die in wenigen Stunden 120 Kilometer radeln. Wie im Trance. Es hat sich nie wirklich stimmig angefühlt. Sie standen neben sich, aber nicht mitten drin.

 

So ähnlich erlebe ich es auch jetzt. Und ich bin hier, um es anzusprechen. Auszusprechen. Deutlich oder mit wenigen sachten Worten. Ich bin hier, um dieses unglaubliche Tempo zur reduzieren. Langsamer zu werden. Bewußt zu werden. Und dem Drang, der nur das Erreichen des Gipfels, aber nicht den Weg dorthin feiert, ade zu sagen. Es ist eine Einladung. Zum Genießen des Augenblicks, zum Genießen der Bewegung und zum Genießen der Bewegung. 

 

Gleichzeitig kann ich die Menschen akzeptieren, verstehen und unterstützen, wo immer es nötig ist. Ich weiß, woher sie kommen. Ich weiß, warum sie so schnell sein müssen. Ich fühle ihren Druck, ich fühle ihren Stress und ich fühle die Beweggründe. Und so nähren wir uns an. Tag für Tag. Augenblick für Augenblick.

 

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Ich brauche niemanden mehr, der mir sagt, das meine Gefühle richtig sind. Ich weiß es auch ohne die Bestätigung von Außen. Und diese Gewissheit zaubert eine Leichtigkeit und ein Lächeln in mein Wesen, die ich unter diesen Umständen dort nicht vermutet hätte. Wieder ist eine Last von meinen Schultern geglitten. 

 

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Eines jedoch macht mir Sorgen. Meine Knie haben sich deutlich gemeldet und mir unzweideutig zu erkennen gegeben, das ich gefälligst ersteinmal dafür sorgen muss, das meine Muskeln die Anstrengungen, die ich den Gelenken zumute, auch halten können. Ich kann nicht wie alle anderen die steilen Berge hinunterhüpfen, mir fehlt einfach ein Stück Meniskus und das sollte ich nicht einfach ignorieren, wenn ich gesund und beweglich bleiben will.

 

Ich muss meinen eigenen Weg finden, meinen eigene Laufstil, mein eigenes Tempo. So, wie ich die Anderen in ihrem Sein akzeptiere, so muss ich es auch bei mir tun. Wo ihr Wettbewerb einen Platz hat, so muss es auch mein friedliches Laufen einen haben. Wolken umarmen muss in meinem Herzen die gleiche Wertigkeit bekommen, wie ein erfolgreicher Gipfelsturm. Der Weg möchte an gleicher Stelle stehen, wie das Ziel. 

 

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Was kam nach den Azoren? Ein Ankommen in Deutschland. Ein innerliches Vorbereiten auf den Winter.  Ich bin gewandert, auf dem Weg, der mich schon lange gelockt hat. Dem Rennsteig. Und es war perfekt, um nach eineinhalb Jahren überall auf der Welt wieder mit meiner Heimat auf Tuchfühlung zu gehen. Das Tempo stimmte, die Stille stimmte. Selbst das durchwachsene Wetter war goldrichtig, denn es hielt die anderen Leute vom Laufen ab und gab mir genau das Alleinsein mit der Natur, das ich brauchte.

 

Zeit nur für mich, Zeit nur mit mir. Pausen, wann ich es wollte. Essen, wann ich es wollte. Übernachten, wo ich wollte. Ganz im Fluss leben, keinen Plan für das Morgen, einfach nur Sein. Gott, habe ich das genossen! 

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