Adventsgeflüster 

Ein neuer Zusammenhang

Die Adventszeit sollte meine Rettung sein. Fast jedes Wochenende habe ich einen Mietwagen und schlendere über Weihnachtsmärkte. Ich habe mich darauf gefreut, den Lichterglanz zu erleben, die Wärme des Kerzenlichts, gebundene Kränze, Weihnachtslieder. All' diese Vorfreude auf ein Fest, das für mich immer ein Ausdruck von Liebe war, egal, was die Kommerzialisierung auch angerichtet hat. 

 

Aber jeder Besuch ernüchtert mich mehr. Ja, die Lichter sind schön, aber sie können die graue Wirklichkeit, die sich dahinter zu verstecken versucht, nicht übertünchen. Besonders der Waldorfbasar ist diesmal ein Schock. Plötzlich wird mir bewußt, in was für einer Welt ich hier in Brandenburg und Berlin gelandet bin. Mir fehlen tatsächlich die religiösen Traditionen des Südens. Alles hier im Nordosten, das mit Weihnachten verbunden ist, scheint substanzlos zu sein, wie eine unbeholfene Kopie. Diese systematische Ausmerzung des Christentums in vierzig Jahren DDR hat seine Spuren hinterlassen. Ein Land ohne echten Glauben. Egal, was man über diesen auch denken mag.

 

Ganz klar wird mir das nach einem Besuch am Bodensee. Überlingen ist so schön, heimelig und warm, das ich vollkommen begeistert durch die Gassen laufe und endlos lange in der Kirche stehe. Ich kann mich kaum losreißen und verstehe doch erst hinterher, was hier wirklich geschehen ist. 

 

Ich habe die Kehrseite der Medaillie nicht vergessen. Die Enge der Gedanken, die Heuchelei und die Scheinheiligkeit, die niederdrückenden Predigten. Alles das habe ich am Bodensee zu Genüge erlebt. Aber jetzt, gerade jetzt, im Advent, erlebe ich zum ersten Mal die Schätze eines Glaubens. Ich fühle ein gewachsenes Ganzes, das Sinn macht. Bei dem alles zusammenpasst. 

 

Kommerzialisierung gibt es hier unten genauso, keine Frage, aber sie ist hübsch verpackt. So hübsch, das ich die Wärme und den Sinn, die darunterliegen, nicht vergessen kann. Im Osten dagegen schaut sie mir kühl und direkt ins Gesicht und versucht nur mühsam, aus gekauften Geschenken eine neue Wärme zu zaubern. Es gelingt nicht.

 

In diesem Jahr bleibe ich bei mir - von der Wintersonnenwende bis zu Weihnachten. Ich beobachte, um zu verstehen. Ich lasse mir den Raum zum Fühlen und zum Knüpfen neuer Zusammenhänge. Und selbst als ich die Silvestergruppe leite, bleibe ich auf einer Art Abstand. Ich möchte hinter die Kulissen schauen. Ich möchte die Sehnsüchte der Menschen spüren, ihre wirklichen Wünsche, die mit all' diesen Feiertagen verwoben sind. Um daraus etwas Neues entstehen zu lassen. 

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